Der Dienstag im Überblick BMW geht unter die Autohändler, Irrfahrt-Touristen drängen nach Griechenland

Deutschlands Autobauer agieren im Krisenmodus, neben dem Abbau (Jobs) wird kräftig umgebaut. Bei BMW hat für den neuen CEO Milan Nedeljković die Umstellung des Vertriebs strategisch Priorität. Der Konzern soll vom Wholesaler zum Retailer werden. Das bedeutet im Klartext: Bisher verkauft der Konzern Fahrzeuge in den Handel, der Händler ist Wiederverkäufer und verhandelt selbstständig Rabatte. Künftig wird der Händler im Agenturmodell zum Vermittler degradiert, der Kunden betreut und berät, während BMW Preis, Vertrag und Daten stärker selbst kontrolliert – und damit Rabattschlachten unterbindet. Oder anders: Das Autohaus bleibt Bühne, aber das Stück wird künftig in München geschrieben.

In der Autoszene ist der Agenturvertrieb umstritten, seine Einführung ein riskantes Unterfangen. Die Opel-Mutter Stellantis wollte in Deutschland umstellen, drehte aber noch vor dem Start wieder ab. Volkswagen kehrte nach verheerenden Erfahrungen zum klassischen Händlervertrieb zurück. Bei BMW gilt die Agentur intern laut Insidern als alternativlos, schreiben meine Kollegen Christoph Seyerlein und Franz Anko-Hubik. Dennoch hakt es bei der Umstellung gewaltig. Woran das liegt, erfahren Sie hier .

Schwört auf Einheitspreise: BMW-Vertriebsboss Jochen Goller

Foto:

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Der Handelskonzern Frasers ist seinem Ziel näher gekommen, das Ruder bei Hugo Boss zu übernehmen. Die Briten teilten mit, ihre Beteiligung auf 47,89 Prozent ausgebaut zu haben.

  • Henkel dagegen ist mit seiner Einkaufstour vor die Wand gefahren. Ein US-Gericht untersagte die geplante Übernahme des Konkurrenten Liquid Nails wegen Kartellbedenken.

  • Die Renditen für langjährige Staatsanleihen bleiben auf Rekordjagd. Hoch verschuldete Staaten wie die USA, Frankreich oder Italien, aber auch Deutschland haben durch die steigenden Kreditkosten ein ernstes Problem. Die Rendite für die 30-jährige Bundesanleihe stieg am Dienstag mit 3,78 Prozent auf das höchste Niveau seit 15 Jahren.

  • Eine Vorliebe für teure Hotels hat der britische Milliardär Christopher Hohn. Insgesamt 636 Millionen Dollar flossen offenbar in ausgewählte Luxushotels, darunter einige namhafte Häuser in Italien. Vom „Six Senses“ am Comer See bis zum „Hotel Danieli“ mit Blick auf die Lagune in Venedig – hier können Sie sich einige der Investments von Hohns Hedgefonds TCI auch im Bild ansehen.

Der Umsteiger des Tages:

  • Thorsten Schrieber (60) ist bei Acatis an Bord gegangen und hat damit bei der Konkurrenz angeheuert. Ein Wechsel, der aufhorchen ließ. Der erfahrene Manager, in der Szene als Vertriebsmaschine bekannt, kommt von DJE Kapital und war dort lange Jahre Partner von Firmengründer Jens Ehrhardt (84). Bei Acatis wiederum will Firmengründer Hendrik Leber (69) kürzertreten, Schrieber stellte er als seinen Nachfolger vor. Wo die Nummer drei der größten bankenunabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland hin will und wie sie schon jetzt die Zeit nach dem KI-Boom in den Blick nimmt, erzählt das neue Gespann im Doppelinterview mit meinen Kollegen Hannes Breustedt und Christian Schütte. Achten Sie auf die Schwingungen zwischen den Zeilen: wie gut eine Doppelspitze funktioniert, ist immer auch eine Frage der Chemie .

Der Einsteiger des Tages:

Big Spender: US-Investor Larry Gies mit dem College-Footballer Kenenna Odeluga, nachdem Gies der Hochschule 100 Millionen Dollar gespendet hatte

Foto: Icon Sportswire / Getty Images
  • Es war ein Deal ganz im Stil von Larry Gies (61). Der Private-Equity-Investor fokussiert sich auf eher langweilige, aber profitable Nischensegmente aus der klassischen Industrie. Gerätehersteller zur Luft- und Wasserreinigung, für medizinische Präzisionswerkzeuge oder Sicherheitsausrüstung – und jetzt Ventilatoren und Lüfter. Die drei Eigentümerfamilien des Traditionsunternehmens EBM-Papst aus dem baden-württembergischen Mulfingen verkaufen ihre Anteile an Gies’ Holding Madison Industries. Mein Kollege Lukas Heiny stellt den Selfmademilliardär aus Illinois und seine spezielle Roll-up-Strategie vor. Ob und wann er seine Neuerwerbung in der kleinen Gemeinde Mulfingen besuchen möchte, hat er nicht bekannt gemacht.

Was Sie in Ihrer Karriere voranbringt:

  • Wie weiterverhandeln, wenn Sie keine Trümpfe mehr in der Hand haben und die Situation aussichtslos erscheint? Sie sollten sich nicht voreilig geschlagen geben. Denn häufig haben Sie noch Optionen, mit denen Sie mehr erreichen können, als Sie vielleicht glauben. Hier können Sie sich von erfahrenen Verhandlungsberatern erklären lassen, wie Sie verborgene Stärken für sich gewinnbringend ausspielen .

Meine Empfehlung für den Abend:

Odysseus und Athene: Die Schauspieler Matt Damon und Zendaya in Christopher Nolans Film „Die Odyssee“

Foto: Melinda Sue Gordon / Universal Pictures
  • Die Seilbahn in Rio, auf der sich Roger Moore als James Bond einen legendären Kampf auf Leben und Tod lieferte. Oder das Hobbitdorf in Neuseeland. Schon lange haben die Drehorte berühmter Filme große Anziehungskraft und locken Fans aus aller Welt an. Doch in diesem Jahr erlebt das sogenannte Set-Jetting, das Reisen auf den Spuren der Filmhelden, einen nie gekannten Boom. Dazu laden die Kino- und Serienhits dieses Jahres ein, von „Spider-Man“ über „Bridgerton“ bis „House of the Dragon“. Allen voran aber „Die Odyssee“ von Christopher Nolan. Die Griechenlandbuchungen gehen seither durch die Decke. Besonders angesagt bei den Irrfahrt-Touristen: Messenien auf der Halbinsel Peloponnes. Mein Kollege Theodor Harzer nimmt Sie mit auf die Reise zu den Touri-Hotspots, die aktuell das größte Geschäft mit den Set-Jettern machen: Hier geht es einmal um die Welt .

Ich wünsche Ihnen – vielleicht mit dieser Lektüre – einen traumhaften Abend
Ihre Claudia Witte

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter [email protected] .

Diesen Newsletter finden Sie auch auf unserer Website.