Millionen für den Rechtspopulisten : Streit und Spekulationen um die Großspender für Nigel Farage
Zwei Milliardäre haben 72 Millionen Pfund an Reform UK gespendet, die Partei des Brexit-Politikers Nigel Farage. Die Labour-Regierung will diese Geldgaben nun offenbar rückwirkend für illegal erklären lassen.
Die beiden größten Parteispenden der britischen Geschichte bewegen weiterhin die Gemüter im Vereinigten Königreich. Jeweils 36 Millionen Pfund haben die Milliardäre und Kryptoinvestoren Christopher Harborne und Ben Delo an Reform UK, die Partei von Brexit-Politiker Nigel Farage, überwiesen, zusammen also 72 Millionen Pfund (umgerechnet 84 Millionen Euro). Seit Tagen sorgt das für Schlagzeilen in britischen Medien.
Die regierende Labour-Partei versucht offenbar, die Großspenden der beiden Milliardäre durch eine Gesetzesverschärfung für illegal zu erklären. Ministerin Angela Rayner sagte auf einem Gewerkschaftskongress in Brighton, Labour werde nicht zulassen, „dass ein paar Offshore-Milliardäre versuchen, unsere Demokratie zu kaufen“. Sie sprach von „faschistischen Oligarchen“, ohne dass klar wurde, ob das spezifisch auf Harborne und Delo zielte.
Die Regierung hat schon im März ein Gesetz auf den Weg gebracht, wonach Spenden aus dem Ausland auf höchstens 100.000 Pfund gedeckelt werden. Die Frage ist: Lebten Harborne und Delo im Ausland, als sie die Spenden überwiesen? Harborne residierte viele Jahre in Thailand. Er hat sich aber angeblich vor einigen Monaten an einem Wohnsitz in der englischen Grafschaft Hampshire registrieren lassen. Delo erklärte im April öffentlich, er werde aus Hongkong nach Großbritannien zurückkehren, um das Auslandsspendenverbot zu umgehen. Parteichef Farage versicherte, die beiden Millionenspenden seien „zu 100 Prozent konform mit dem heutigen Gesetz“. Die Frage ist: Könnte Labour das Gesetz so ändern, dass es die Spenden rückwirkend für illegal erklärt?
Schillernde Unternehmer aus der Kryptoszene
Christopher Harborne und Ben Delo sind beide schillernde Unternehmer. Beide haben mit Investitionen in Kryptounternehmen ein enormes Vermögen gemacht. Delo geriet dabei allerdings schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt. Der 42 Jahre alte Unternehmer, der in Oxford Mathematik studiert hat, war erst in einem Londoner Hedgefonds tätig, bevor er für die Großbank J.P. Morgan in Hongkong arbeitete. 2014 gründete er die Kryptobörse BitMEX. Dort waren mit Krediten vielfach gehebelte Geschäfte auf Kryptoassets möglich. Weil ausreichende Kontrollen gegen Geldwäsche fehlten, wurden Delo und ein Mitgründer 2022 in den USA zu einer Geldbuße und Bewährungshaftstrafen verurteilt. Donald Trump hob die Strafen auf, nachdem er 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt war. Die Kryptobörse BitMEX schließt demnächst, nachdem sich kein Käufer dafür fand.
Christopher Harborne, der seine Karriere in England bei McKinsey begann und dann nach Asien zog, hat ebenfalls ein Vermögen in der Kryptoszene gemacht. Zunächst lag der Schwerpunkt seiner Geschäfte in der Luftfahrtbranche, eine seiner Firmen vermittelt Privatjets und handelt mit Kerosin. Dann entdeckte Harborne die Tech- und Kryptowelt und kaufte Bitcoin. Der 63 Jahre alte Investor ist Großaktionär der Firma Tether Limited. Diese hat die weltweit am meisten genutzte sogenannte Stablecoin Tether entwickelt, die an den Dollar gebunden ist.
Warum Delo und Harborne so viel Geld an Farages Partei spenden, ist Gegenstand vieler Spekulationen in Westminster. Labour unterstellt, dass Farage für den Fall einer Regierungsübernahme eine kryptofreundliche Finanzregulierung versprochen habe. Harborne sagte am Wochenende, er erwarte keinerlei Gegenleistung, auch keine Erhebung in den Adelsstand.
„Traurig über den Niedergang Britanniens“
Er wolle nur, dass die rechtspopulistische Reform „auf Augenhöhe“ mit den anderen Parteien konkurrieren könne. Früher unterstützte Harborne die Konservativen und die Brexit-Partei, den Vorgänger von Reform UK. Delo sagte, er wolle Farages Partei ermöglichen, eine Kriegskasse aufzubauen. „Ich bin traurig und frustriert über den wirtschaftlichen und sozialen Niedergang Britanniens“, sagt er zur Begründung, warum er Reform unterstützt. Das Land brauche „eine nationale Erneuerung“. Diese traut er offenbar Farage zu.
Seine Großzügigkeit erschöpft sich aber nicht in Parteispenden. Delo hat eine Stiftung gegründet, die Kindern mit Autismus (woran er selbst leidet) hilft. Zudem spendete er 20 Millionen Pfund für ein Mathematik-Forschungsinstitut in London und gibt Geld für Initiativen zur Verteidigung der Meinungsfreiheit und akademischen Freiheit, besonders für die Free Speech Union. Der 42 Jahre alte Milliardär hat schon vor einigen Jahren das Versprechen „The Giving Pledge“ unterschrieben, dass er die Hälfte seines Vermögens für wohltätige Zwecke spenden werde.