Irankrieg und die Schifffahrt Hapag-Lloyd erhöht Prognose, Reeder warnen vor Gebühren für Hormus-Durchfahrt

Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd hat dank einer starken Nachfrage und gestiegener Frachtraten ​ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben. Der Vorstand erwarte für 2026 nun ein ‌operatives Ergebnis (Ebitda) von 2,7 bis 3,7 Milliarden Dollar (rund 2,3 bis 3,3 Milliarden Euro), teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Konzern war von 1,1 bis 3,1 Milliarden ausgegangen.

Das Ergebnis vor Zinsen und ​Steuern (Ebit) soll nun zwischen 0,1 und 1,1 Milliarden Dollar liegen, nach einer ⁠vorherigen ⁠Spanne von minus 1,5 Milliarden bis plus 500 Millionen Dollar. Wegen volatiler Frachtraten und großer geopolitischer Herausforderungen sei die Prognose jedoch ‌mit hoher Unsicherheit behaftet.

Umwege treiben Kosten in die Höhe

Der deutsche Branchenprimus hatte zuletzt ​mit den ‌Folgen von Seeblockaden im Nahen Osten zu kämpfen. Wegen des Ende Februar ausgebrochenen Krieges der USA und Israels gegen den Iran sowie der Angriffe jemenitischer Huthi-Rebellen meiden Reedereien ‌den Suezkanal und die Straße von Hormus.

Die Umwege trieben die Kosten für Hapag-Lloyd um wöchentlich 50 ‌bis 60 Millionen Dollar in die ​Höhe. Im ersten ‌Quartal war der Konzern deshalb beim Ebit mit ‌minus ​134 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht. Konzernchef Rolf Habben Jansen (59) hatte im ​Mai erklärt, dass eine ⁠rasche Entspannung der Lage ​nicht absehbar ​sei.

„Das wäre rechtlich auch nicht zulässig“: Martin Kröger vom Reederverband in Hamburg kritisiert das Vorgehen der USA

Foto: Bina Engel / VDR

Tatsächlich hat sich die Lage am Golf zuletzt erneut zugespitzt, zwischen den USA und Iran kommt es erneut zu Angriffen und Kampfhandlungen. US-Präsident Donald Trump (80) hat in dem Zusammenhang angekündigt, künftig eine Art Schutzgebühr für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu erheben. Die deutschen Reeder kritisieren diese Ankündigung scharf. „Kein einzelner Staat sollte den freien Zugang zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Gebühren abhängig machen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), Martin Kröger, der „Wirtschaftswoche“. „Das wäre rechtlich auch nicht zulässig.“

Derzeit sind nach VDR-Angaben etwa 20 Schiffe in deutschem Eigentum oder unter deutschem Management in der Region unterwegs. Ursprünglich saßen nach Angaben des VDR rund 50 Schiffe mit deutschem Bezug im Persischen Golf fest – drei dieser Schiffe seien seither angegriffen worden.

Hafenbau zu Dubai

Trump hatte zuvor die US-Seeblockade gegen Iran wieder eingeführt und erklärt, eine Gebühr in Höhe von 20 Prozent des Frachtwerts von allen Schiffen zu verlangen, die die strategisch wichtige Meerenge passieren. Das solle die Kosten der USA für den Schutz der Straße von Hormus decken, schrieb der US-Präsident.

Um die Auswirkungen solcher Seeblockaden zu mildern, plant der in Dubai ansässige Hafenbetreiber DP World offenbar bereits den Bau eines neuen Hafens und eines Containerterminals an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate. Dadurch soll Dubais Abhängigkeit von seinem Flaggschiff-Hub Jebel Ali verringert und die Straße von Hormus umgangen werden, berichtet die „Financial Times“ .

Boom im Tankerbau

DP World führe derzeit Gespräche über den Bau eines brandneuen Mehrzweckhafens im Küstengebiet von Fujairah sowie eines neuen Terminals, so die Zeitung mit Verweis auf der Angelegenheit vertraute Personen.

Unterdessen hat die Blockade von Öllieferungen aus dem persischen Golf einen Boom bei Bestellungen neuer Tanker ausgelöst, wie es ihn lange nicht gab. Wie das „Handelsblatt“ berichtet , umfassen die Orderbücher der Werften weltweit mehr als 600 Öltanker. Auf dem Level waren die Orders zuletzt zu Zeiten der Finanzkrise 2008, so die Zeitung.

Noch Ende 2023 lagen in den Werften weltweit demnach gerade einmal 80 Bauaufträge von Reedereien vor. Die Folgen des Booms seien gravierend und würden die Seefahrt noch Jahrzehnte beschäftigen.

„Hohe Frachtraten und die Notwendigkeit, eine zunehmend alternde Flotte zu erneuern, haben die Auftragsvergabe beflügelt“, zitiert das „Handelsblatt“ Filipe Gouveia, Analyst der Kopenhagener Seefahrtsvereinigung Bimco.

Seit der Blockade am Persischen Golf, die zwischenzeitlich fast 9 Prozent der weltweiten Supertankerflotte an der Straße von Hormus festsetzte, sind die Charterraten für Großtanker demnach auf einen Spitzenwert gestiegen.