Der Donnerstag im Überblick Bahn-Chefin im Stress, VW-Gewinnbringer in Alarmstimmung
Die wichtigste Fähigkeit der neuen Bahn-Chefin: Kritik konstruktiv verarbeiten. Evelyn Palla (52) zeigte sich im Gespräch mit meinem Kollegen Michael Machatschke dann auch wild entschlossen, aus teuren Fehlern die richtigen Schlüsse zu ziehen („Da sprechen Sie etwas Wichtiges an“). Seit Jahren pumpen Fahrgäste und Steuerzahler Milliarden in den prekären Staatskonzern – und die Deutsche Bahn zahlt es mit Unpünktlichkeit, Zugausfällen und Pfadfinderspielen am Gleis zurück.
Nach elf Monaten im Amt läuft die Schonfrist für die Bahn-Chefin ab. Kanzler Friedrich Merz (70) hat bereits den Verkehrsminister ausgetauscht, weil die DB nicht länger als Sinnbild deutschen Scheiterns dastehen soll. Palla braucht schnelle Erfolge – und muss jetzt ausgerechnet bei der als „Generalsanierung“ verkauften Bauagenda umsteuern. Sie spricht nur noch von einer „Korridorsanierung“ bis 2036, kämpft mit explodierenden Kosten und bittet – Achtung, wichtige Durchsage – die Fahrgäste um Geduld. Wie Bahn-Chefin Palla die ewige Bahn-Misere beenden will , lesen Sie in unserem Hintergrund-Report.
Helmpflicht: Die Deutsche Bahn gleicht auch abseits der Gleise einer Baustelle. Für Bahn-Chefin Evelyn Palla ist die Schonzeit vorbei.
Foto:Die Wirtschaftsnews des Tages:
Volkswagen-Chef Oliver Blume (58) und einige seiner Vorstandskollegen sind derzeit auf einer Tour der Leiden unterwegs: Gestern besuchte das Fahrerfeld die Werke Emden und Zwickau, heute standen Etappen in Chemnitz und Dresden an. Während die Herren im Vorstandstrikot die verunsicherten Mitarbeiter auf den Sanierungskurs einschwören, droht Volkswagen ausgerechnet seine Cashcow wegzubrechen: Die Finanzsparte Volkswagen Financial Services (VWFS) spülte im ersten Halbjahr mehr Gewinn in die Kasse als jede Automarke. VWFS-Chef Anthony Bandmann (54) hat dennoch einen Hilferuf abgesetzt: Mein Kollege Christoph Seyerlein hat exklusiv recherchiert, warum Bandmann Alarm schlägt .
Die insolvente Dekokette Depot stellt Ende September den Betrieb ein und kündigt rund 730 Beschäftigten. Inhaber Christian Gries will mit neuer Gesellschaft und kleinerer Mannschaft weitermachen. „Depot wird nicht verschwinden“, sagt Gries.
Die Rindfleischpreise in den USA sind stark gestiegen, Dürre und Brände haben den Rinderbestand auf das niedrigste Niveau seit 75 Jahren gedrückt. Nun greift Burger-Freund Donald Trump (80) ein – und erzürnt damit eine wichtige Wählergruppe.
Der Aufsteiger des Tages:
Nvidia-Chef Jensen Huang (63) könnte Dauergast in dieser Rubrik sein. Seit Jahren übertrifft er regelmäßig die Erwartungen: Im zweiten Quartal hat der KI-Highflyer aus Santa Clara den Umsatz auf 96 Milliarden Dollar gesteigert, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Für das Geschäftsjahr 2027/28 stellt der teuerste Konzern der Welt rund 70 Prozent mehr Umsatz in Aussicht: Huang reitet ganz oben auf der Welle des KI-Booms und greift auch selbst bei KI-Firmen zu. Nvidia ist inzwischen selbst zu einem der wichtigsten Finanziers im KI-Investitionskarussell geworden, Huangs Über-Kreuz-Geschäfte mit eigenen Kunden sorgen für Skepsis. Alles über Nvidias fabulöses Wachstum und Huangs umstrittene Kreislaufdeals lesen Sie hier.
Wachstumschampion: Nvidia-Chef Jensen Huang surft ganz oben auf der KI-Welle. Doch was passiert, wenn die Welle bricht?
Foto: Manami Yamada / REUTERSWas Sie im Unternehmen voranbringt:
Sie können im Verhandeln noch so gut sein – manchmal geht es trotzdem schief. Warum eine gescheiterte Verhandlung kein Drama ist und wie Sie das Beste aus der Situation machen, lesen Sie hier .
Wenn wichtige Weichenstellungen zu lange auf sich warten lassen, leidet das ganze Unternehmen. Fünf Tipps, wie Sie Entscheidungen vorantreiben, bekommen Sie in unserem Podcast „Lead Forward“ .
Am 4. September dreht sich unser digitaler Community-Talk HBm live um die Anpassungsfähigkeit an eine Zukunft, die immer unvorhersehbarer wird. Die Transformations-Expertin Jana Werner erklärt, wie Unternehmen auch unter schwierigen Bedingungen anpassungsfähig bleiben. Abonnentinnen und Abonnenten können sich hier anmelden.
Meine Empfehlung für den Abend:
Kick it like Tatjana und Christina: Deutschlands mächtigste Fußballmanagerinnen haben noch viel vor
Foto:Felix Adler / manager magazin, Louisa Stickelbruck / manager magazin, Katrin Binner / manager magazin
Transfers, Verträge, Ligakämpfe: Lange war das im Profifußball eine Sache nur von Männern. Jetzt sitzen auch Frauen an den entscheidenden Schaltstellen: Tatjana Haenni (59) führt als CEO den Bundesligisten RB Leipzig, die Wirtschaftsprüferin Christina Rühl-Hamers (50) treibt als Finanzvorständin die Sanierung des Aufsteigers Schalke 04 voran. Katharina Kiel (34), Direktorin Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt, und Bayern Münchens Chefjustiziarin Veronica Saß (48) gehörten gemeinsam mit Vertretern der anderen Frauen-Bundesligaclubs zu den treibenden Kräften hinter der Gründung der Frauen-Bundesliga FBL. Damit düpierte die Gruppe die honorige Herrenrunde beim DFB. Mein Kollege Tim Spark hat die Frauen getroffen, die aktuell die Fußball-Bundesliga aufmischen: Lesen Sie hier Tims Inside-Report über die mächtigsten Fußballmanagerinnen des Landes.
Ich wünsche Ihnen einen entspannten Abend,
Ihr Kai Lange
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