Hoch qualifizierte Spezialisten Warum Praktikanten in Indien bis zu 27.000 Euro im Monat verdienen

Die Hochfrequenzhändler an Indiens Kapitalmarkt stehen unter Druck, denn strengere Regeln der Zentralbank des Landes erschweren ihnen den Derivatehandel. Als Reaktion versuchen die „High-Frequency Trader“ (HFT) offenbar, ihre Technologie zu verbessern – und zahlen Fachleuten, die dabei helfen können, immense Summen.

Besonders begehrt sind offenbar hoch qualifizierte Praktikanten, die die Unternehmen an der Hochschule anheuern, und die Modelle entwickeln und Strategien entwerfen können, um Kapitalmarkttransaktionen mit hoher Geschwindigkeit auszuführen. Deren Vergütungen sind auf ein Rekordniveau gestiegen, berichtet die Agentur Bloomberg.

Das Unternehmen Quadeye etwa biete Praktikanten 6 Millionen Rupien (rund 54.000 Euro) für zwei Monate, so Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Damit habe der in Gurgaon, Haryana, ansässige HFT seine Bezahlung in dem Bereich binnen eines Jahres vervierfacht.

Konkurrent Graviton Research Capital zahle inzwischen rund 5 Millionen Rupien für ein zweimonatiges Praktikum, nach etwa 1,6 Millionen Rupien im Vorjahr, heißt es in dem Bericht weiter. Der Amsterdamer Händler IMC Trading habe sein Angebot auf 5 Millionen Rupien verdoppelt, während der HFT Optiver 6 Millionen Rupien zahle.

Die Summen liegen deutlich über dem Median-Jahresgehalt von rund 3,5 Millionen Rupien, das Absolventen der Indian Institute of Management Ahmedabad, der führenden Wirtschaftshochschule des Landes, im vergangenen Jahr erhielten. Die Unternehmen wollten sich zu den Informationen gegenüber Bloomberg nicht äußern.

Der sprunghafte Anstieg der Vergütung unterstreicht die zunehmende Nachfrage nach Fachkräften für die Entwicklung von HFT-Modellen und -Strategien. Hintergrund sind laut Bloomberg strengere Regeln der indischen Zentralbank, die das Derivategeschäft belasten.

Diese haben bereits dazu geführt, dass das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen von Futures und Optionen an der National Stock Exchange of India im Juli auf den niedrigsten Stand seit 17 Monaten gefallen. Die Börse ist die nach Handelsvolumen weltweit größte Derivatebörse. In der Folge gingen offenbar auch die Gewinne der HFT-Firmen zurück. Bloomberg zitiert eine Studie, derzufolge die Profite binnen zwölf Monaten um 3 Prozent gesunken sind.

„Globale HFT-Firmen gehen zunehmend aggressiv vor, um direkt vom Campus zu rekrutieren“, sagte Daniel Vaz, Partner der Personalberatung Aquis Search, der Nachrichtenagentur. Die Unternehmen zögen es vor, junge Ingenieure schon früh an Bord zu holen, statt sie erst später einzustellen.