Haibike, Winora und Ghost Deutsche Accell-Töchter stellen Insolvenzantrag

Drei Fahrradfirmen aus Bayern haben wegen der Schwierigkeiten ihres Mutterkonzerns Accell wie erwartet Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Schweinfurt vermeldete am Montag, dass mit Beschluss vom vergangenen Freitag Verfahren in Eigenverwaltung für die deutsche Holding der niederländischen Accel-Gruppe sowie deren Tochtergesellschaften Winora Staiger GmbH, Ghost Bikes GmbH und Engelbert Wiener Bike-Parts GmbH angeordnet wurden. Als vorläufiger Sachwalter sei der Nürnberger Rechtsanwalt Stefan Debus eingesetzt worden. Damit bestätigte das Gericht entsprechende Informationen des manager magazins.

Die Firmen mit Marken wie Haibike, Winora und Ghost beschäftigen nach Angaben von Accell an den Standorten Sennfeld bei Schweinfurt und Waldsassen (Oberpfalz) 370 Mitarbeiter und erzielten 2025 einen Umsatz von 340 Millionen Euro. Der Geschäftsbetrieb solle fortgeführt werden, Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld zunächst gesichert. Ziel sei es, einen Investoren zu finden und die deutschen Unternehmen aus dem Geflecht der niederländischen Gruppe herauszulösen. Winora hat eine große Tradition – das Unternehmen war 1914 von dem Radrennfahrer Engelbert Wiener gegründet worden.

Accell Germany ist Teil der in den Niederlanden ansässigen und in vielen Ländern Europas agierenden Accell Group, die bis vor Kurzem mehrheitlich dem US-Finanzinvestor KKR gehörte. Der Beteiligungskonzern war im Februar im Zuge einer neuen Finanzierung ausgestiegen, kreditgebende Banken haben übernommen.

Die Fahrrad-Gruppe steckt seit der Coronapandemie in Schwierigkeiten, als die Branche nach dem Boom in eine Krise rutschte. Auch der Massenrückruf und die Verschrottung von mehr als 20.000 Babboe-Lastenrädern belasteten das Unternehmen massiv.

Probleme in vielen Ländern

Die angeschlagene Accell-Gruppe hatte eigentlich eine Übernahme durch den asiatischen Investor Tri Star Group angestrebt, einer Tochter der in Singapur ansässigen Dutech Holdings. Doch offensichtlich konnten sich die Parteien nicht einigen.

Infolgedessen hatte die Gruppe weltweit in zahlreichen Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union einen Zahlungsaufschub beantragt, darunter in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Ungarn.

Mit dem Verfahren in Eigenverwaltung hat die bestehende Geschäftsführung die Möglichkeit, den Sanierungsprozess in Abstimmung mit den Gläubigern selbst zu steuern. Der deutsche Fahrradmarkt sei ein solide Grundlage für eine Sanierung, heißt es aus dem Büro des vorläufigen Sachwalters. Die Marken seien im Markt gut positioniert.