Harter Wettbewerb mit China Deutsche Fahrradbranche verliert Umsatz und baut weiter Jobs ab
Die Verbände der deutschen Fahrradwirtschaft werden nicht müde, die Bedeutung der Branche gegenüber der Politik hervorzuheben. Doch eine von T3 Transportation Think Tank im Auftrag des Verbands Zukunft Fahrrad erstellte Studie, zeigt in erster Linie eines: Die Konsolidierung hält an, die Branche baute 2025 das zweite Jahr infolge Personal ab und verlor Umsätze.


Laut T3 sank die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr um 3 Prozent auf rund 74.300. In der Herstellung gingen dabei 5 Prozent und im Handel 3 Prozent der Jobs verloren. Der Handel ist mit 55.600 Stellen nach wie vor der größte Arbeitgeber der Fahrradbranche, gefolgt der Herstellung (12.700) und dem Dienstleistungsbereich (6000), zu dem etwa das Fahrradleasing zählt.
Fast 14.000 Minijobber im Fahrradhandel beschäftigt
Was die Studie nicht explizit ausweist, ist die hohe Zahl der geringfügig Beschäftigten im Handel. Der Anteil der Minijobber betrug wie im Vorjahr rund 25 Prozent, sagt T3-Chef Frederic Rudolph im Gespräch mit dem manager magazin. In der Herstellung lag er bei 3 Prozent. Hier werde in Spitzenzeiten zusätzlich benötigtes Personal in der Regel über Zeitarbeitsfirmen gedeckt. Daten dazu liefert T3 nicht. Allerdings dürften diese zeitlich befristeten Jobs angesichts der nicht ausgelasteten Produktionsbetriebe kaum ins Gewicht fallen, sagt Rudolph.
Für das laufende Jahr 2026 macht er wenig Hoffnung auf Besserung an der Jobfront. Stellenstreichungen, die Unternehmen im vergangenen Jahr angekündigt haben oder die sich im laufenden Jahr abzeichnen, fließen verzögert in die Statistik ein, sie werden sich erst im nächsten Bericht niederschlagen.
Stellenabbau geht im laufenden Jahr weiter
Ein paar Beispiele: Porsche kündigte vor Monaten an, sein E-Bike-Geschäft einzustellen – 350 Jobs gehen verloren. Anfang des Jahres erklärte Canyon, 320 Stellen und damit ein Fünftel der Beschäftigten abzubauen. Mittlerweile hat sich das Management um Gründer Roman Arnold mit dem Betriebsrat auf 200 Jobs geeinigt , die bis Jahresende wegfallen sollen. Canyon will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden, dem Vernehmen nach kommt das Abbauprogramm nicht so recht voran.
Pierer Mobility besiegelte Anfang dieses Jahres mit der Übernahme durch die indische Bajaj Mobility AG das finale Ende der restlichen E-Bike-Aktivitäten von GasGas und Husqvarna. 370 Jobs stehen derzeit bei Accell Deutschland (Haibike, Ghost, Winora) auf der Kippe. Nach der Konzernmutter in den Niederlanden musste auch die Tochter in Süddeutschland Insolvenz anmelden. Mehr als 100 Beschäftigte müssen beim Dienstrad-Leasing-Marktführer JobRad bis zum Jahresende das Unternehmen verlassen.
Hohe Rabatte drücken die Umsätze
Die Umsätze in der Fahrradbranche fielen der T3-Studie zufolge um weitere 7 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro. Inflationsbereinigt lagen die Erlöse bei 20,8 Milliarden Euro und damit unter dem Wert von 2020. Hohe Lagerbestände nötigten den Handel zu Rabatten insbesondere bei E-Bikes, die für etwa Dreiviertel der Erlöse stehen. Und noch immer sind die Lagerbestände nicht vollständig abgebaut. Dabei rutschten die Erlöse in der Herstellung um 2 Prozent auf 6 Milliarden Euro und im Handel um 10 Prozent auf 16 Milliarden Euro ab.
Die Fahrradbranche steht, wie auch andere Wirtschaftszweige in Deutschland, unter Druck. Preissteigerungen in der Lieferkette, hohe Energiepreise und Kaufzurückhaltung bleiben ein Problem. Zugleich beklagen die Unternehmen und Verbände unfairen Wettbewerb durch Dumping-Anbieter aus China , die mit hohen staatlichen Subventionen zu niedrigen Preisen produzieren.
Trotz der Einführung der europäischen Antidumping-Zölle (2019) rückte China im vergangenen Jahr mit einem Marktanteil von rund 33 Prozent erstmals wieder an die Spitze der größten E-Bike-Lieferanten für die EU, knapp gefolgt von Taiwan, berichtet „Bike Europe “. Die Ausgleichszölle können das Maß der Subvention nicht egalisieren, heißt es – zumal die Einfuhrbestimmungen immer wieder unterlaufen würden.
Billigbikes aus China bedrohen deutsche Firmen
China ist im Gegensatz zu Taiwan noch stark auf Billigbikes fokussiert: Der durchschnittliche Wert eines importierten E-Bikes aus dem Reich der Mitte lag im vergangenen Jahr laut „Bike Europe“ bei rund 370 Euro. Selbst wenn ein Antidumping-Zoll von bis zu 70 Prozent und ein Ausgleichszoll von etwa 17 Prozent anfallen, können diese Räder den europäischen Markt massiv belasten.
Einmal mehr ist aus Sicht der Verbände die Politik gefordert. Nicht zuletzt der Wettbewerbsdruck aus China, das mit „verdeckten Subventionen, Wechselkurs-Manipulationen und Angeboten unterhalb der Herstellungskosten“ in den Markt dränge und die Preise drücke, gefährde die führende Position der deutschen und europäischen Fahrradwirtschaft, warnt Wasilis von Rauch, Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad. Eine wirksame Marktüberwachung und ein gestärkter Zoll seien für einen fairen Wettbewerb entscheidend.