Der Montag im Überblick Drama um Rickmers-Pleite und Lieferdienste auf Speed

Majestätisch liegt der grün-weiß-rote Dreimaster „Rickmer Rickmers“ an den Landungsbrücken, erst heute Morgen bin ich auf dem Weg in die Redaktion wieder an dem Hamburger Wahrzeichen vorbeigeradelt. Der Name Rickmers steht aber auch für eine andere, weniger glanzvolle Geschichte. Um die Rickmers Holding tobt seit Jahren ein beispielloses Insolvenzdrama, das allerdings weitgehend abseits der Öffentlichkeit aufgeführt wird. Die Hamburger Reederfamilie kämpft um ihren Ruf, die Erben des verstorbenen Firmenpatriarchen Bertram Rickmers und Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder (63) überziehen einander mit Gutachten. Gläubiger kostete die Pleite im Jahr 2017 Hunderte Millionen, auf ihr Geld warten sie immer noch.

Mein Kollege Claas Tatje hat sich durch Gutachten, Schriftwechsel mit dem Gericht, interne E-Mails und Gläubigerlisten gewühlt und die Handlungsstränge entwirrt. Sah es zunächst so aus, als hätte der für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannte Bertram Rickmers die Pleite verschuldet (und sich zuvor auch noch bereichert), werden später auch mögliche Fehler der finanzierenden Bank und jetzt auch des Insolvenzverwalters untersucht. Claas’ detaillierte Recherche bringt Licht in ein voltenreiches Verwirrspiel, dessen Schlussakt noch immer nicht geschrieben ist.

Millionenzwist: Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder (l.) stritt sich erst mit Bertram Rickmers (r.) und nun mit dessen Sohn Rickmer Clasen

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Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Der Pharmakonzern Eli Lilly war wegen der Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitsbereich bei geplanten Investitionen hierzulande zurückgerudert. Den neuen Standort in Alzey in Rheinland-Pfalz will der US-Pharmakonzern aber dennoch Ende nächsten Jahres eröffnen – wenn auch in verkleinerter Form.

  • Der britische Finanzdienstleister Revolut kommt bei seinen Expansionsplänen auf dem europäischen Festland weiter voran. Das Fintech hat in Frankreich eine Banklizenz erhalten.

Die Abkürzung des Tages:

  • Das schmelzende Polareis eröffnet im Sommer neue Seewege zwischen Asien und Europa. Die chinesische Reederei Sea Legend richtet von dieser Woche an den ersten Containerliniendienst durch die Arktis ein. Statt 40 Tage dauert die Fahrt dann in der Regel nur noch 20. Andererseits sind die Risiken der Route durch die Eisfelder enorm. Die Navigation gilt als schwierig, das GPS fällt oft aus. Zudem können die Containerschiffe zur Gefahr für das Ökosystem im hohen Norden werden. Über Logistik in Zeiten des Klimawandels.

Was Sie in Ihrer Karriere voranbringt:

  • Sie möchten, dass Ihre Mitarbeiter aus Fehlern lernen und in Zukunft bessere Arbeit abliefern? Dann ist die richtige Kommunikation entscheidend: Statt Vorwürfen helfen Methoden der gewaltfreien Kommunikation am ehesten weiter. Wie das im Alltag gelingt, hat sich meine Kollegin Wiebke Harms von BWL-Professor Marc Oliver Opresnik erklären lassen. Hier geht es zum Interview.

  • Hoffnung ist etwas anderes als Wunschdenken oder Optimismus. In Hoffnung stecken Zielorientierung und Überzeugung. Das macht sie zu einem wichtigen Erfolgsfaktor . Wie Sie Hoffnung stiften und die Kraft daraus für den Erfolg Ihres Teams nutzen.

Was ziehe ich an?

  • Sollten Sie Urlaub auf einer Jacht planen, ist diese Frage essenziell. Allerdings sollten Sie eine andere Frage unbedingt zuerst klären. Nämlich die, ob Sie wirklich an Bord gehen wollen, denn auf See drohen nicht nur Wetterkapriolen, sondern Lagerkoller und jede Menge zwischenmenschliche Reibereien, warnt unsere Kolumnistin Julia Hackober. Wenn Sie sich dann tatsächlich sicher sind, hat Julia wertvolle Tipps, wie Sie an Deck die beste Figur machen. Denn selten wollen Sportlichkeit, Pragmatismus und Glamour modisch so gut aufeinander abgestimmt sein wie auf einer Jacht.

Meine Empfehlung für den Abend:

Zeit ist Geld: Fahrradtuning ist in der Lieferbranche weitverbreitet

Foto: Christoph Rieger / DVR
  • Fatbikes, das sind E-Bikes mit kleinen, dicken Reifen. In vielen Großstädten sind sie stark im Kommen, auch bei Lieferdienstfahrern sind sie beliebt. Zur Gefahr werden sie, weil sie sich mit geringem Aufwand illegal manipulieren lassen. Die frisierten Flitzer sind dann statt mit erlaubten 25 Kilometern pro Stunde mit 45 Sachen unterwegs. Fährt ein Elektrofahrrad ohne Pedalunterstützung aber schneller als mit Tempo 25, ist es rechtlich ein S-Pedelec. Das bedeutet Helmpflicht und Radwegverbot; Fahrerinnen und Fahrer benötigen einen Führerschein und müssen ihre Räder versichern. Die Biker mit den illegal getunten Geschossen unterlaufen diese Pflichten, Unfälle häufen sich. Mein Kollege Lutz Reiche beschreibt, wie die Arbeitsbedingungen bei Lieferando und Co. das Problem verschärfen – und wie es sich eindämmen ließe .

Ich wünsche Ihnen einen sicheren Heimweg und einen schönen Abend.
Ihre Claudia Witte

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