Der Tag im Überblick Rettungsplan für ZF, stiller Abschied von den USA
Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen (150.000 Beschäftigte, 39 Milliarden Euro Umsatz, Weltmarktführer bei Getrieben) bietet das komplette Risikoprofil der deutschen Industrie. In den fetten Jahren enorm gewachsen, Anschluss verloren bei neuen Technologien, zu groß, zu teuer, zu schwerfällig. ZF-Chef Mathias Miedreich (51) will den wankenden Riesen mit einem radikalen Sanierungsplan retten – und muss sich auf Widerstand gefasst machen.
Mein Kollege Christoph Seyerlein ist beim Zulieferer vom Bodensee tief eingetaucht und hat exklusiv die Details des Sanierungsprogramms ZF North Star recherchiert. Er konnte den 13-seitigen Entwurf des Plans einsehen, hat mit ZF-Topleuten, Aufsichtsräten und Gewerkschaftern gesprochen, auch mit Miedreich selbst. Es geht um den Abbau Tausender Jobs, um neue Geschäftsfelder und eine geringere Abhängigkeit von der Autoindustrie. Christoph beleuchtet damit nicht nur die Probleme eines ehemaligen Vorzeige-Unternehmens. Er zeigt zugleich die Themen und Konflikte auf, die über die Zukunft der deutschen Industrie entscheiden. Wiederaufstieg oder Untergang, das gilt nicht nur am Bodensee. Projekt „North Star“ – der Rettungsplan für ZF.
Einblicke in das Sanierungsprogramm „ZF North Star“: ZF-Chef Mathias Miedreich mit den manager-magazin-Redakteuren Michael Freitag (l.) und Christoph Seyerlein (r.)
Foto:Die Wirtschaftsnews des Tages:
Die Aktien des Biotechkonzerns Moderna haben sich am Mittwoch mehr als verdoppelt. Der Biontech-Konkurrent hat erste positive Studienergebnisse zu einem möglichen Melanom-Impfstoff bekannt gegeben. Auch die Aktie von Biontech profitierte.
Seit Monaten lebt der Chef des bayerischen Drohnenherstellers Donaustahl „de facto im Untergrund“. Deutsche Sicherheitsbehörden haben Stefan Thumann (39) vor russischen Geheimdienstoperationen und einem Mordkomplott gewarnt. Dem „Stern“ erzählt Thumann, wie er mit der täglichen Bedrohung umgeht.
Die humanoiden Roboter der Firma Unitree haben spektakuläre Tanzshows im chinesischen Staatsfernsehen aufgeführt. Auf Social Media sorgen sie regelmäßig für Furore. Der Roboterbauer, der im Vorjahr 218 Millionen Euro Umsatz erzielte, erreichte beim Börsengang eine Bewertung von 57 Milliarden Euro. Der erste Kurs lag 600 Prozent über Ausgabepreis. Schöne Bilder sind dann doch wichtiger als blanke Zahlen.
Der Umsteiger des Tages:
Unabhängigkeit beginnt mit Kleinigkeiten. Wir rufen laut nach mehr Unabhängigkeit von den USA, wenn wir uns mal wieder über US-Präsident Donald Trump (80) geärgert haben. Andererseits zücken wir gleich danach unser iPhone, um per PayPal eine Warensendung zu bezahlen, deren Versand uns sogleich von Amazon auf Google-Mail bestätigt wird. Gut gebrüllt, kleiner Löwe. Der deutsche Drogerieriese dm geht dagegen einen ersten konkreten Schritt und paktiert mit dem europäischen PayPal-Rivalen Wero: Das Projekt der European Payment Initiative (EPI) hat bislang 7 Millionen Nutzer in Deutschland, während PayPal auf knapp 40 Millionen Nutzer kommt. Der Deal mit dm-Finanzchef Martin Dallmeier (55) ist für EPI-Chefin Martina Weimert (61) ein Meilenstein, wie meine Kollegin Hannah Schwär berichtet. Und wer bei dm künftig die Wero-App für digitale Zahlungen nutzt, stützt ein klein wenig die europäische Finanzsouveränität. Nimm das, Donald.
Drogeriekette dm: PayPal ist nicht alles
Foto:Die Protestler des Tages:
US-Bürger begehren auf. Der Widerstand wächst gegen die Rechenzentren , die Techriesen wie Amazon, Meta oder Oracle in diversen Klein- und Großstädten der USA hochziehen. Die Milliardeninvestitionen in die KI-Datacenter stützen zwar Jobmarkt und Wirtschaftsleistung, treiben aber von Lärm und Schmutz geplagte Nachbarn auf die Barrikaden, wie meine Kollegin Claudia Witte berichtet. Über Parteigrenzen hinweg wächst die Zahl derjenigen, die den KI-Boom skeptisch sehen : Sie haben Angst um Jobs, kritisieren den gigantischen Strom- und Wasserbedarf und fürchten, dass mit einem Platzen der KI-Blase auch ihre eigene Altersvorsorge abgeräumt werden könnte. Immer mehr Städte, Gemeinden und Bundesstaaten wenden sich gegen einen weiteren Ausbau und fordern Mitsprache. Für die Trump-Regierung kommt die Debatte kurz vor den Midtermwahlen ungelegen.
Was Sie im Unternehmen voranbringt:
Wenn die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg stockt, lautet die Erklärung schnell: kulturelle Unterschiede. Doch oft verbergen sich dahinter ganz andere Probleme. Vier Denkfehler, die internationale Teams ausbremsen – und wie Sie sie fixen.
Meine Empfehlung für den Abend:
Wefox-CEO in Manndeckung der Investoren: Von „Joe Müller unchained“ kann keine Rede sein
Foto:Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die „Malen nach Zahlen“-Sets von Craft Master. Schon Leonardo da Vinci reichte im 15. Jahrhundert durchnummerierte Skizzen an seine Gehilfen weiter. Die Ergebnisse der Ausmalerei waren meist ansehnlich, doch der kreative Gestaltungsspielraum war äußerst begrenzt – das gilt für da Vincis Schüler ebenso wie für die Malen-nach-Zahlen-Künstler der 70er-Jahre. Das gleiche Schicksal droht nun auch dem Chef des krisengeplagten Versicherungs-Start-ups Wefox: Investoren haben Wefox-CEO Joachim „Joe“ Müller (54) weitgehend entmachtet und an die Kette gelegt , wie meine Kollegen Jonas Rest und Dietmar Palan recherchiert haben. Der ehemalige Starmanager der Allianz hatte den Chefposten vor knapp zwei Jahren übernommen und sich darauf gefreut, befreit von starren Konzernstrukturen Neues aufzubauen. Doch interne Dokumente zeigen, dass die Wefox-Geldgeber inzwischen nahezu jede strategische Entscheidung kontrollieren, offenbar aus Sorge um ihr Geld. Welche Brandherde Wefox löschen muss und wie das neue Regime vorgeht, lesen Sie hier .
Ich wünsche Ihnen einen kreativen Abend
Ihr Kai Lange
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