manage:mobility Kühnes Finale furioso und Lindners problematische Plattform
das Autogeschäft ist für viele Hersteller und Zulieferer so zäh geworden, dass sie sich nach neuen Betätigungsfeldern umsehen, um die Schwäche im Kerngeschäft abzufedern. Das Mantra dabei: Follow the Money. Wenn gewaltige Summen in die Verteidigung investiert werden, sollten doch einige Stücke vom Militärkuchen zu haben sein. Aumovio und Bosch, Mercedes und VW, MAN und Daimler Truck: Alle rüsten auf, um sich selbst zu retten. Doch der neue Weg könnte in die nächste Sackgasse münden. Lesen Sie hier unsere ausführliche Analyse, warum sich die olivgrünen Hoffnungen der Autoindustrie kaum erfüllen dürften .
Aufgerüstet, wenn auch nicht im militärischen Sinne, hat in den vergangenen Jahren auch die Kühne Holding. Um den späten Kaufrausch von Patron Klaus-Michael Kühne (89) und den möglichen Sinn dahinter dreht sich eins unserer Themen der Woche:
Warum Klaus-Michael Kühne eine Mini-Deutschland-AG formt
Wieso Christian Lindners neue Autoplattform zum Problem für ihn werden könnte
Wie hart die nächsten Einschnitte bei Porsche ausfallen
Thema der Woche: Warum Klaus-Michael Kühne eine Mini-Deutschland-AG formt
Stets Herr des Hauses: Logistik-Tycoon Klaus-Michael Kühne in seiner Firmenzentrale
Foto:Obwohl er sich selbst unlängst als „Pflegefall“ bezeichnete, ist Klaus-Michael Kühne (89) noch nicht reif für die Rente. Der Logistikmilliardär tritt in seinem Reich zwar kürzer, raus ist er aber bei Weitem nicht. Stattdessen mischte er nach ruhigen Zeiten mit seiner Kühne Holding zuletzt die deutsche Firmenlandschaft auf. Brenntag, Flix, Lufthansa, Kühne packte in den vergangenen Jahren die Kauflust. Aber worum geht es ihm bei der Ansammlung an Beteiligungen, die kaum Synergien erkennen lassen, und wozu dient der Fokus auf die Mobilitätsbranche? Mein Kollege Michael Machatschke blickt hinter die Kulissen und seziert verschiedene Motive für Kühnes Manöver: Geldvermehrung, Ansehen oder doch Macht?
Köpfe: Christian Lindner ++ Guillaume Faury ++ Dorothea von Boxberg ++ Martin Winterkorn
Autoverkäufer auf Onlinekurs: Vertriebschef und Ex-Minister Christian Lindner (l.) und Autoland-Gründer Wilfried Wilhelm Anclam wollen Auto.de groß machen
Foto:Christian Lindner (47) denkt auch als Autohändler groß. Der Ex-Finanzminister will als neuer Gebrauchtwagenguru Autoland zur Großmacht im deutschen Kfz-Gewerbe pushen. Mit neuen Filialen, aber auch mit einer neuen Onlinezentrale. Auto.de heißt die Plattform, die Autoland übernommen hat und die den Händler zum Digitaldominator befähigen soll. Vielleicht wird die Lindnersche Liaison statt für die Konkurrenz aber für ihn selbst zum Problem. Mein Kollege Caspar Schlenk berichtet: Auto.de beschäftigt wegen Ungereimtheiten in der Vergangenheit gleich mehrere Gerichte.
Airbus-Chef Guillaume Faury (58) will seine prallvollen Auftragsbücher vergolden. Rechnet der Manager im laufenden Jahr mit 7,5 Milliarden Euro Gewinn, sollen es 2029 bis zu 13 Milliarden Euro werden. Aufgehen kann der Plan nur dann, wenn Airbus seine Lieferkette besser in den Griff bekommt – und auch die Zahl der Auslieferungen abheben lässt.
Ihren Abflug aus der Luftfahrt macht Dorothea von Boxberg (52). Die Chefin von Brussels Airlines wird zum 1. September Personalvorständin bei BMW und löst dort Ilka Horstmeier (57) ab. Letztere hegte Insidern zufolge Ambitionen, in die allererste Reihe vorzurücken. Den Zuschlag für die Nachfolge von Oliver Zipse (62) als CEO bekam aber Milan Nedeljković (57).
Martin Winterkorns (79) Ägide als Autoboss liegt schon mehr als zehn Jahre zurück. Von einer geruhsamen Abkühlphase kann man beim ehemaligen Volkswagen-Chef nach seinem Sturz über den Dieselskandal aber nicht sprechen. 2021 hatten sich Konzern und „Wiko“ auf einen Vergleich verständigt: Winterkorn würde 11,2 Millionen Euro Schadensersatz zahlen. Die Hauptversammlung stimmte zu, der Bundesgerichtshof erklärte das Votum für nichtig, die Hauptversammlung 2026 bestätigte ihre Zustimmung vor wenigen Wochen. Winterkorn indes kann weiterhin nicht entspannen: Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) klagt gegen die entsprechenden Beschlüsse.
Unternehmen: Porsche ++ Deutsche Bahn ++ Italo ++ Tesla
Einigung mit dem Betriebsrat: Porsche-Chef Michael Leiters
Foto: PorscheBegriffe wie „Dismantling“ oder „Rightsizing“ sind im Porsche-Wortschatz noch recht neu. Schließlich ging es für die Sportwagenmarke lange nur nach oben. Inzwischen muss man aber auch in Zuffenhausen vor der eigenen Haustür kehren. CEO Michael Leiters (54) boostet den Stellenabbau um weitere 5000 Stellen auf insgesamt rund 9000. Droht da noch mehr? Michael Freitag berichtet: In der Diskussion um Werksschließungen schlägt Leiters einen Weg ein, den man anderswo im Volkswagen-Konzern mit großem Interesse wahrnehmen wird.
Deutsche-Bahn-Chefin Evelyn Palla (53) will künftig nicht mehr nur in vereinzelten Großstädten, sondern an allen deutschen Bahnhöfen Alkohol verbieten. Von der Karte der ICE-Bordrestaurants werden Pils und Rheinland Dry Gin aber offenbar erst einmal nicht verschwinden.
Alkohol kann Palla verbieten, Wettbewerb nicht. Die Bundesnetzagentur hat DB InfraGO verpflichtet, auf stark genutzten und jetzt schon ausgelasteten Streckenabschnitten künftig nicht mehr als 60 bis 75 Prozent der Kapazität an ein einzelnes Unternehmen zu vergeben. Nutzen will das beispielsweise der italienische Bahnkonzern Italo und Zug um Zug in den deutschen Fernverkehr vordringen. Bei Siemens bestellte Italo dafür jetzt 26 Hochgeschwindigkeitszüge.
Tesla baute in Grünheide im vergangenen Jahr 202.000 Autos und damit fast 9000 weniger als 2024. Folgerichtig sank auch der Umsatz des Werks. Trotzdem blieb am Ende mehr Gewinn hängen: Der Jahresüberschuss stieg um gut 20 Millionen auf 77,1 Millionen Euro.
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Zahl der Woche: 10,7
Asiens Frontrunner: Chinesische Autobauer haben im zweiten Quartal erstmals mehr Neuwagen in Europa abgesetzt als die japanische Konkurrenz
Foto: Bloomberg / Getty ImagesAsiatische Machtablösung in Europa: Chinesische Autobauer haben im zweiten Quartal erstmals mehr Fahrzeuge auf dem Kontinent abgesetzt als japanische Marken. BYD, MG, Chery und Co. schraubten ihren kumulierten Marktanteil am europäischen Neuwagenmarkt auf 10,7 Prozent nach oben. Koreanische Hersteller wie Hyundai und Kia waren schon Ende 2025 fällig, jetzt müssen auch Toyota und Co. die Konkurrenz von nebenan ziehen lassen.
Deepdrive: Elektroautodeflation
Einer der Hauptgründe für die Ablehnung von Elektroautos war in den vergangenen Jahren der Preis. Stromer seien zu teuer, hieß es. Ein Blick in die Daten zeigt: Das Argument verliert an Schlagkraft. Zwischen 2020 und 2025 sind die E-Listenpreise laut einer Fraunhofer- und ICCT-Analyse inflationsbereinigt um 18 Prozent gesunken – während die für Verbrenner um 2 Prozent stiegen. Noch bleibt aber eine Lücke: Mit Preisparität vergleichbarer Stromer und Verbrenner rechnen die Studienautoren erst 2030.
Geisterfahrer der Woche
Bild aus der Vergangenheit: Nio hat sein House in Hamburg geschlossen
Im freien Fall sind hierzulande weiter die Verkaufszahlen des chinesischen Autobauers Nio. Ganze 15 Neuwagen brachte die Marke im ersten Halbjahr unter die Leute. Schon vor Monaten berichteten wir, dass Nio ob der Flaute und exorbitanter Kosten den Auszug aus seinen pittoresken „Houses“ plane . Der erste Dominostein ist jetzt gefallen, seit dem 20. Juli hat der Nio-Tempel in unmittelbarer Nähe des Hamburger Jungfernstiegs geschlossen. Offizielle Begründung: „Aktuelle Gegebenheiten auf dem Automobilmarkt“ und eine Baustelle vor der Tür. Das eigentliche Hindernis dürfte aber die eigene Strategie sein.
Ihnen wünsche ich nun eine baustellenfreie Woche.
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