Versicherungsprämien : Noch keine spürbare Entlastung für die Endkunden
In Monte Carlo treffen sich derzeit die Rückversicherer mit ihren Kunden, den Erstversicherern. Trends über die Prämienhöhe im nächsten Jahr zeichnen sich ab. Die Folgen für Endkunden sind schwerer zu prognostizieren.
Es ist ein bisschen verkehrte Welt. Seit Jahren warnen die Rückversicherer vor den Folgen des Klimawandels. Aber ausgerechnet nach einem Sommer, in dem der Klimawandel auch in Deutschland im wörtlichen Sinne spürbar war, zeichnen die Schäden durch Naturkatastrophen und Extremwetter ein anderes Bild.
So lagen die versicherten Schäden durch Naturkatastrophen und Extremwetter sowohl im gesamten vergangenen Jahr als auch in der ersten Jahreshälfte dieses Jahres deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt und auch deutlich unter den Beträgen, mit denen die Rückversicherer gerechnet haben. Hauptgrund war: Das US-Festland, wo Wirbelstürme immer besonders hohe versicherte Schäden anrichten, weil dort auch mehr Gebäude versichert sind und die Bevölkerungsdichte hoch ist, blieb im vergangenen Jahr verschont.
Das macht die Verhandlungen zwischen den Rückversicherern, Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück auf der einen Seite und den Erstversicherern, wie Allianz, Axa und Zurich in diesem Jahr so komplex. Einhelliger Tenor: Die Prämienhöhen sinken in vielen Fällen. Der Markt ist nicht hart, wenn die Nachfrage die zur Verfügung stehende Kapazität übersteigt, und auch nicht weich, wenn mehr Rückversicherungskapazität im Markt ist, als Nachfrage besteht.
Und die Lage bleibt diffus. Zwar fielen die Schäden, etwa durch die Waldbrände im Frankreich, mit 500 Millionen Euro vergleichsweise gering aus. Aber werden Hitzesommer zum neuen Normal, kommen weitere Versicherungsschäden dazu: Betriebsunterbrechungen durch Niedrigwasser in den Flüssen etwa. Und auch in der Lebens-Rückversicherung muss ob erhöhter Sterblichkeit neu kalkuliert werden. Was das alles für Endverbraucher bedeutet, ist noch nicht absehbar. Mit einer spürbaren Entlastung über die gesamte Bandbreite der Versicherungswirtschaft hinweg ist aber nicht zu rechnen.