VereIN für Socialpolitik : Ökonomenpreise für Felbermayr, Roth und Born

Ein Handelsökonom, ein Verhaltensökonom und ein Geldökonom erhalten in diesem Jahr die prestigereichen Preise des Vereins für Socialpolitik.

Der Verein für Socialpolitik, die Vereinigung der Ökonomen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, hat Gabriel Felbermayr mit dem Gustav-Stolper-Preis ausgezeichnet. Der 50 Jahre alte Ökonom leitet das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WiFo) in Wien und gehört seit diesem Jahr dem deutschen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an. Felbermayr bringe die Erkenntnisse internationaler Spitzenforschung dorthin, wo sie gebraucht werde: in die wirtschaftspolitische Debatte, sagte der Vereinsvorsitzende, Klaus Schmidt, auf der Jahrestagung des Vereins in Innsbruck.

Der freiheitlich gesinnte Felbermayr ist einer der profiliertesten Kenner der Außenwirtschaftslehre und -politik und hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend geoökonomischen Fragen zugewandt. Wie jeder gute Außenwirtschaftsökonom wirbt er für die wohlstandschaffenden Wirkungen des internationalen Handels. Der Preis erinnert an den deutsch-österreichischen Volkswirt Gustav Stolper (1888 – 1947), der als Ökonom und als Wirtschaftsjournalist tätig war. Der Verein für Socialpolitik wird für den Gustav-Stolper-Preis von der FAZIT-Stiftung unterstützt.

Wann wirken Verbote von sozialen Medien?

Den Hermann-Heinrich-Gossen-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen mit internationaler Ausstrahlung erhielt Christopher Roth von der Universität zu Köln, der auf dem Sprung an die Ludwig-Maximilians-Universität in München ist. Der deutsche Jurist Hermann Heinrich Gossen (1810 bis 1851) legte Grundlagen für die Grenznutzenschule und die Bestimmung von Werten und Preisen am Markt.

Der Preisträger hat viel geforscht darüber, wie Menschen Erwartungen bilden und sich dabei von Narrativen, die Politiker oder Ökonomen erzählen, beeinflussen lassen. Das kann zum Beispiel Notenbanken helfen, ihre Geldpolitik besser zu erklären. Glauben Menschen etwa, dass politisches Missmanagement die Inflation dauerhaft hochhalte, erschwert das der Notenbank, die Inflation unter Kontrolle zu bringen.

Viel Aufmerksamkeit erhalten Roths Forschungen über soziale Medien und die Schwierigkeiten, Verbote für Jugendliche durchzusetzen. Solange soziale Medien „cool“ seien und die Strafen für die Unternehmen nicht hoch genug, um politisch gesetzte Verbote durchzusetzen, griffen solche Regeln nicht, sagte Roth der F.A.Z. in Innsbruck. Er hält andere Regeln für erfolgversprechender, wie zum Beispiel eine automatische Abschaltung der Programme nach zwei Stunden Nutzung.

Wie reagieren Unternehmen auf Zinssenkungen?

Benjamin Born von der Universität Bonn wurde mit dem Carl-Menger-Preis für seine Forschung im Bereich der monetären Makroökonomik und der Geldpolitik geehrt. Der Preis erinnert an Carl Menger (1840 – 1921), den Vater der österreichischen Schule der Nationalökonomie, der in der wirtschaftlichen Analyse besonderen Wert darauf legte, von den individuellen Entscheidungen der Menschen auszugehen.

Der 44 Jahre alte Born untersuche, „wo die Politik beiße“, hieß es in Innsbruck. So hat der Ökonom untersucht, welche Bevölkerungsgruppen nach der Mehrwertsteuersenkung im Jahr 2020 – wie von der Politik erhofft – ihre Ausgaben steigerten. Das ist eine Abkehr von der klassischen Makroökonomik, in der nicht auf heterogene Gruppen, sondern auf gesamtwirtschaftliche Aggregate wie den Konsum geschaut wird. Mit Daten der Ifo-Befragungen ermittelte der Ökonom, wie sehr Unternehmen mit ihren Investitionsplänen auf Zinssenkungen der EZB reagieren. Born ist zugleich Forschungsdirektor am Ifo-Institut in München. Der Carl-Menger-Preis ist von der Deutschen Bundesbank, von der Oesterreichischen Nationalbank und von der Schweizerischen Nationalbank gestiftet.