Sparprogramm : Volkswagen muss den Porsche-Weg gehen
Tausende Stellen fallen weg, im Gegenzug erhält die Porsche-Belegschaft eine Beschäftigungsgarantie. In der VW-Zentrale gilt das als zu weitreichendes Zugeständnis. Tatsächlich eröffnet die Einigung aber auch neue Spielräume.
Seit Michael Leiters im Januar die Führung von Porsche übernommen hat, arbeitet er unter Hochdruck an einem Sanierungsplan für den Sportwagenhersteller. Jetzt schafft er erste Fakten. 5000 weitere Stellen sollen wegfallen, die Kapazität an den Standorten in Baden-Württemberg wird verringert. Im Gegenzug soll die Porsche-Belegschaft eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2035 bekommen, und genau das sorgt im Mutterkonzern Volkswagen für große Irritation.
Dort steht das Management um den Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume erst am Anfang eines langen, harten Machtkampfs um Einsparungen. Die Zugeständnisse an die Betriebsräte von Porsche engen nun Blumes Handlungsoptionen im Konzern ein, denn auch in Wolfsburg wird die IG Metall nun dasselbe Entgegenkommen einfordern, das die Kollegen in Stuttgart durchgesetzt haben. Zur Wahrheit gehört aber auch: Der Porsche-Weg kann einen Lösungskorridor für den ganzen VW-Konzern aufzeigen.
Porsche und Volkswagen sind schwer zu vergleichen
Zusammen mit den schon beschlossenen Einsparungen bei Porsche ergibt sich ein Abbau von fast 9000 Arbeitsplätzen. Das entspricht mehr als einem Drittel der Belegschaft an den Standorten in Weissach und Zuffenhausen und einem Fünftel der Beschäftigten in der ganzen Porsche AG. Solche Einschnitte sind nicht leicht zu verkraften, auch wenn klar ist, dass die Beschäftigten von Porsche – anders als die VW-Belegschaft – keine Werksschließungen fürchten müssen.
Der kleine Sportwagenhersteller ist eben nicht vergleichbar mit dem großen VW-Konzern, der in mehr als 100 Fabriken rund um die Erde produziert. Gemessen an der Größe des Konzerns wäre der kolportierte Abbau von mehr als 100.000 Stellen an den VW-Standorten in Deutschland und anderen Ländern von ähnlicher Dimension wie die Einschnitte bei Porsche. Und zur Wahrheit gehört auch, dass Porsche trotz aller Krisen bald wieder zweistellige Renditen einfahren könnte, wenn Leiters seinen Plan für eine straffere Modellpalette konsequent umsetzt.
VW-Chef Blume muss sich nun damit arrangieren, dass ihm ein Druckmittel aus der Hand genommen wurde. Wohl oder übel wird er den Belegschaften der Marken VW und Audi versprechen müssen, Arbeit bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein sicherzustellen. Das heißt aber nicht, dass die VW-Betriebsräte dafür keinen Preis zahlen müssen, im Gegenteil.
Auch wenn es wehtut: Die unterausgelasteten Fabriken in Emden, Hannover, Zwickau oder Neckarsulm werden sich nicht allein durch Zusagen auf dem Papier plötzlich wieder mit Autos füllen. Vielleicht tun sich der VW-Großaktionär Niedersachsen und die IG Metall sogar leichter damit, die Arbeit an einzelnen Standorten auslaufen zu lassen, wenn die verbleibende Belegschaft Sicherheit für die Zukunft bekommt. Blume und sein Management stehen vor harten Verhandlungen. Chancen auf einen Kompromiss haben sie aber durchaus.