Reparaturauftrag : Rheinmetall macht Fregatte flott

Große Hoffnungen hatte Rheinmetall in einen Auftrag für Fregattenbau gesetzt. Doch das Verteidigungsministerium blies das F126-Projekt ab. Jetzt wird in einer anderen Werft aber modernisiert.

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat von der deutschen Marine einen Auftrag bekommen, die Fregatte Bayern zu modernisieren. Das 143 Meter lange Schiff ist schon seit 1996 im Einsatz und soll der Marine bis mindestens 2035 erhalten bleiben. Daher soll Rheinmetall die Fregatte aus der F123-Klasse bis zum Jahr 2029 umfassend überholen. Der Auftragswert liege im dreistelligen Millionenbereich, teilte Rheinmetall am Donnerstag mit.

Die Fregatte liegt derzeit schon an der Pier der Neuen Jadewerft in Wilhelmshaven, weil aktuell Großkomponenten ausgebaut werden. Danach soll die Bayern ins Dock verholt werden. Dort soll das Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FÜWES) erneuert werden, also das System, in dem alle wichtigen Fähigkeiten eines Kriegsschiffs zusammenlaufen und koordiniert werden. Im FÜWES wird etwa die Sensorik des Radars mit den Waffensystemen und den Kommunikationsdaten verknüpft. Neben der Modernisierung der Radarsensorik wird auch die Technik des Schiffs wie etwa Antriebe überholt und die U-Boot-Abwehr nachgerüstet.

Anders als andere Werften kann Rheinmetall als Waffen- und Munitionshersteller mehr Teile eines Schiffsauftrags aus einer Hand anbieten. Für den Rüstungskonzern kommt der Modernisierungsauftrag knapp fünf Wochen nach einem großen Rückschlag für die neu integrierte Marinesparte. Das Bundesverteidigungsministerium hatte das Milliardenprojekt zum Bau der Fregatten 126 abgebrochen und in anderer Form an den Konkurrenten TKMS vergeben.

„Wir konzentrieren uns jetzt mit voller Kraft auf die termingerechte Ablieferung“, sagte Tim Wagner, der Vorstandsvorsitzende der Division Naval Systems. Die Neue Jadewerft verfüge über „langjährige Erfahrung in der Modernisierung und Instandsetzung von Marineschiffen“, sagte Wagner. Der Standort wird bald 80 Jahre alt.

Rheinmetall hatte Ende April die frühere Marinewerft-Tochtergesellschaft NVL von der Lürssen-Gruppe für 1,5 Milliarden Euro übernommen. Während in der Peene-Werft in Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern und bei Blohm + Voss in Hamburg vor allem neue Marineschiffe gebaut werden sollen, wird in der Neuen Jadewerft in Wilhelmshaven und auf der Norderwerft in Hamburg repariert und modernisiert.