Neue Pixel-Geräte : Google rüstet seine Handys weiter mit KI auf
Trotz überschaubarer Marktanteile investiert der Internetkonzern Google weiter in neue Hardwareprodukte. Bei der Vorstellung neuer Pixel-Geräte stellt er aber KI-Funktionen in den Vordergrund.
Ungeachtet dieser Partnerschaft versucht Google weiter, Apple mit eigenen Handys Konkurrenz zu machen. Am Mittwoch stellte der Konzern in New York neue Modelle von Pixel-Smartphones und Pixel-Digitaluhren vor. In der vom amerikanischen Comedy-Star Trevor Noah moderierten Veranstaltung vermittelte Google aber den Eindruck, dass es ihm nicht in erster Linie um die Geräte an sich geht, sondern dass er sie als Vehikel für seine KI-Angebote sieht. Die Pixel-Handys seien „für Gemini-Intelligence entwickelt“, hieß es. Gemini biete Pixel-Nutzern „proaktive Hilfe“ über Dutzende verschiedener Anwendungen hinweg.
Rick Osterloh, der unter anderem das Hardwaregeschäft von Google verantwortet, sagte: „Man konnte Gemini schon immer nach Informationen fragen, aber jetzt kann man es auch bitten, Aufgaben zu erledigen.“ Gemini könne zum Beispiel genutzt werden, um Aktivitäten mit Freunden zu organisieren. Die Google-KI verfasse automatisch E-Mails mit Treffpunkt und Uhrzeit, und sie beobachte, wer zusagt. „Das macht sie alles im Hintergrund“, sagte Osterloh. Gemini könne auch in einem Chat mit Freunden einen Tisch in einem Restaurant reservieren und eine Fahrgelegenheit bestellen.
Osterloh nannte solche KI-Anwendungen einen „Game Changer“, auch wenn er zugab, dass sie bislang noch nicht von vielen Menschen genutzt würden. Weiter sagte er: „Dein Pixel kennt dich. Es weiß, was du brauchst und wann du etwas brauchst.“ Gleichzeitig behauptete Google, Pixel-Geräte böten mehr Datenschutz als jedes andere Handy. Das ist bemerkenswert, weil Apple regelmäßig reklamiert, führend im Datenschutz zu sein. Google sagte, Pixel habe mehr Instrumente, um Nutzerdaten zu sichern, und teile keine Informationen, es sei denn, das werde von den Nutzern gewünscht. Außerdem könnten KI-Funktionen abgeschaltet werden.
Faltbare Handys
Google nutzt Gemini auch, um seine Kamera zu verbessern. Beispielsweise gibt es die Funktion „Magic Capture“, die mit einer einzigen Berührung des Auslösers gleichzeitig Fotos und Videos aufnimmt und sie auch bearbeiten kann.
Seine neuen Handymodelle zeigte Google wenige Wochen, bevor wohl auch Apple wieder neue iPhone-Modelle vorstellen wird. Es wird weithin damit gerechnet, dass Apple erstmals ein faltbares iPhone enthüllen wird. Google hat schon seit 2023 ein faltbares Pixel-Handy im Angebot.
Google hat für die neuen Handys die Preise angehoben. Die Standardversion Pixel 11 hat jetzt einen Startpreis von 899 Euro, beim Pixel 10 waren es 799 Euro. Auch die teureren Pro-Varianten kosten jeweils 100 Euro mehr. Dies dürfte mit den branchenweit gestiegenen Preisen für Speicherchips zu tun haben. Das billigste Pixel-Modell hat diesmal eine doppelt so hohe Speicherkapazität wie der Vorgänger. In der Branche wird spekuliert, dass auch die nächsten iPhone-Modelle teurer werden könnte. Für andere Geräte wie Macintosh-Computer und iPads hat Apple die Preise schon erhöht.
Nach Angaben der Marktforschungsgruppe Statcounter hat Google mit seinen Pixel-Geräten am globalen Smartphone-Markt einen Anteil von weniger als zwei Prozent. Apple erreicht mehr als 30 Prozent. In einigen einzelnen Märkten steht Google besser da. In Deutschland beträgt der Marktanteil mehr als fünf Prozent, in Japan mehr als zehn Prozent. Google selbst macht keine detaillierten Angaben dazu, wie die Pixel-Geräte sich im Verkauf entwickeln. Die mit ihnen erzielten Umsätze sind in einer Sparte mit anderen Produkten zusammengefasst.
Insgesamt ist Hardware aber gemessen am Umsatz von untergeordneter Bedeutung für Google. Der Konzern macht den mit Abstand größten Teil seines Umsatzes mit Onlinewerbung. Dagegen steht das iPhone für rund die Hälfte des Gesamtumsatzes von Apple. Das Geschäft mit dem iPhone hat sich nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase zuletzt wieder sehr gut entwickelt. In seinem jüngsten Quartalsbericht wies Apple für das iPhone ein Umsatzwachstum von 22 Prozent aus.
Trotz überschaubarer Marktanteile setzt Google weiter auf eigene Hardware. Das zeigt sich auch daran, dass das Unternehmen nach dem Vorbild von Apple ein Netz von Geschäften aufbaut, in denen die Geräte verkauft werden. Im Moment gibt es zehn Google Stores in den Vereinigten Staaten. In dieser Woche hat Google in Tokio das erste Geschäft außerhalb seines Heimatmarktes eröffnet.