Nach sieben Jahren : Die Deutsche Bahn sieht nicht mehr rot

Das verflixte siebte Jahr wird für die Deutsche Bahn zu einem erfolgreichen: Erstmals seit 2019 schreibt der Konzern wieder schwarze Zahlen. Doch die Kunden wollen nicht nur im Rechenwerk Verbesserungen sehen.

Gute Nachrichten von der Deutschen Bahn? Sie waren zuletzt Mangelware. Umso mehr kann man es Konzernchefin Evelyn Palla abnehmen, wenn sie sagt: „Ich freue mich sehr über diesen wichtigen Meilenstein.“

Der Meilenstein besteht darin, dass der Staatskonzern zum ersten Mal nach sieben Jahren und damit seit Beginn der Corona-Krise wieder einen Gewinn ausweist. In der Bilanz des ersten Halbjahres 2026, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, verbuchte die DB einen Nachsteuergewinn von 147 Millionen Euro. Das sind mehr als 900 Millionen Euro mehr als im ersten Halbjahr 2025. Damals schlug noch ein Verlust von unterm Strich 760 Millionen Euro zu Buche.

Die Trendumkehr dürfte im Bahntower für mehr als ein Lächeln sorgen, doch klar ist für Palla eben auch: Ihre Kunden wollen nicht nur im Rechenwerk, sondern vor allem auf der Schiene Verbesserungen sehen. Daher fügte sie einschränkend hinzu: „Ich bin erst zufrieden, wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt.“

Bilgers erstes Treffen mit Palla

Diesen Satz dürfte sich auch der neue Verkehrsminister Steffen Bilger zu eigen machen – im Wissen, dass das noch lange dauert. Ihm hat das Schicksal seines tragischen Vorgängers Schnieder verdeutlicht: Über die Bahn kann man als Ressortchef schon einmal stolpern. Welche Rolle Bilger deshalb dem Konzern beimisst, wurde schon an seinem zweiten Amtstag deutlich: Am Donnerstag traf sich der gerade inthronisierte Verkehrsminister laut eigener Ankündigung mit Palla und den Chefs der Bahngewerkschaften.

Dabei dürfte auch das Sechsmonatsergebnis ein Gesprächsthema gewesen sein, schließlich ist der Bund Eigner der DB. Im „Morgenmagazin“ der ARD nannte Bilger die vorgelegten Zahlen erfreulich. Nach den aktuellen Planungen will das Bahnmanagement auch das Gesamtjahr positiv abschließen. Trotz der Risiken besonders beim Güterableger DB Cargo etwa durch die konjunkturelle Entwicklung erwarte man am Ende schwarze Zahlen, hieß es.

Den Wechsel in die Gewinnzone hat laut DB die bessere operative Entwicklung aller Geschäftsfelder möglich gemacht. Auch erste Kostensenkungen sowie der geplante und sogar schneller als vorgesehen umgesetzte Personalabbau in der Konzernleitung und bei den internen Dienstleistern hätten dazu beigetragen. „Die Ziele für 2028 sind bereits jetzt zu rund 30 Prozent erfüllt“, betonte die Bahn.

Ein Sanierungsmarathon bis 2035

Vor einem Monat hatte Palla dem Aufsichtsrat eine Strategie für die nächsten zehn Jahre vorgestellt – „DB 2035“. Demnach sei 2026 das Jahr des Umbaus, bis 2030 würden das Schienennetz saniert und der Betrieb stabilisiert. 2035, im Jahr des 200-Jahre-Eisenbahn-Jubiläums in Deutschland, soll der „Sanierungsmarathon“ weitgehend abgeschlossen sein. Im Fernverkehr schaffe man dann eine Pünktlichkeit von 80 Prozent, bis 2030 von 69 bis 72 Prozent. Heute sind es in vielen Monaten nicht einmal 60 Prozent. Dafür saniere die Netzgesellschaft Infrago in den kommenden vier Jahren 24 wichtige Gleiskorridore und 2500 Kilometer Streckennetz.

Für die Bilanz hatte die Bahnchefin das Ziel „positives Ergebnis nach Steuern“ von 2026 an ausgegeben. Bis 2030 soll sich das operative Ergebnis des Unternehmens um mehr als eine Milliarde Euro auf 1,7 Milliarden Euro verbessert haben. In diesem Jahr sieht sie eine „wichtige Wegmarke erreicht“. So soll sich die positive wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Monaten festigen. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von etwa 28 Milliarden Euro, zwischen Januar und Juni waren es 13,6 Milliarden Euro (plus 1,8 Prozent). Das operative Ergebnis (Ebit bereinigt) erreichte im Halbjahr 415 Millionen Euro, für das Gesamtjahr sind rund 600 Millionen Euro angepeilt. 2025 waren es 297 Millionen Euro.

DB Cargo bleibt ein Sorgenkind

Alle Transportbereiche trugen zu den besseren Geschäftszahlen bei. DB Fernverkehr erreichte ein positives operatives Ergebnis von 148 Millionen Euro nach einem Minus von 59 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Seit April hätten hier die Ticketverkäufe zugelegt. Allerdings heizte die DB mit einer Vielzahl von Sonderangeboten seit Mai die Nachfrage an. DB Regio profitierte den Angaben zufolge von den hohen Spritpreisen. Viele Pendler stiegen demnach vom Auto in den Zug um, sodass die Regionalsparte der Bahn einen operativen Gewinn von 89 Millionen Euro einfahren konnte. Insgesamt nutzten mehr als 960 Millionen Reisende im ersten Halbjahr 2026 die Züge der DB – rund 17 Millionen oder 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Frachtsparte DB Cargo blieb dagegen überwiegend das Sorgenkind, das sie schon seit Jahren ist. Allerdings setzt die Güterbahn gerade einen umfassenden Sanierungsplan um. In Deutschland sollen bis 2030 rund 6200 der insgesamt 14.000 Stellen wegfallen. Nun sei im operativen Ergebnis mit einem Minus von einer Million Euro die von der EU-Kommission geforderte schwarze Null „zum Greifen nahe“. Die gemeinwohlorientierte Infrastrukturgesellschaft DB Infrago wiederum schloss das Halbjahr mit einem operativen Ergebnis von minus 66 Millionen Euro ab. Die Betriebsleistung auf dem Schienennetz sank angesichts der zahlreichen Baustellen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um ein Prozent.

Noch nie so viel Geld investiert

Das umfangreiche Baugeschehen auf den Gleisen spiegelt sich im Zahlenwerk wider: Die Bruttoinvestitionen im Halbjahr stiegen um 18 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Dies sei der höchste Halbjahreswert in der DB-Geschichte. Die eigenfinanzierten Nettoinvestitionen legten um 89 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zu. Die Schattenseite der Ausgabenrekorde: steigende Schulden. Zum 30. Juni haben sich diese im Vergleich zum Jahresbeginn um rund eine Milliarde Euro auf 21,6 Milliarden Euro erhöht.

„Noch nie haben Bund und Bahn in einem Halbjahr so viel Geld in die Schieneninfrastruktur investiert“, betonte Bahnchefin Palla. „Wenn wir auf diesem Niveau weiterbauen, legen wir das Fundament für eine nachhaltig stabile Bahn.“ Von den für dieses Jahr 28.000 geplanten Baustellen wurden zum Halbjahr rund 14.000 fertiggestellt.

Ob Pallas „Neustart“ letztlich von Erfolg gekrönt ist, bleibt abzuwarten. Schon ihr Vorgänger Richard Lutz hatte relativ erfolglos versucht, die Verspätungs- und Betriebsprobleme in den Griff zu bekommen. Die neue Strategie wird jedoch als tiefgreifender eingeschätzt als die bisherigen Versuche. Trotzdem müssen Kunden weiter viel Geduld mitbringen. Verkehrsminister Bilger drängt unterdessen auf Tempo und schnelle Verbesserungen für die Fahrgäste. Laut der Sendung „Frühstart“ von ntv/RTL geht es dabei auch um die weiterhin gravierenden Zugverspätungen. „Ich kann jetzt nicht als neuer Minister sagen, ich will einfach mehr, wenn es nicht möglich sein sollte“, sagte er. „Aber gemeinsam mit der Bahn müssen wir dran arbeiten, dass wir schneller besser werden, auch was die Pünktlichkeitswerte anbelangt.“