Muse Charm : Warum Mark Zuckerberg auf KI-Schlüsselanhänger setzt

Statt nur auf dem Handy zu laufen, soll Künstliche Intelligenz eine neue physische Form bekommen. Das neue Meta-Produkt erfüllt dabei einen wichtigen strategischen Zweck.

Es erinnert etwas an eine Mischung aus Tamagotchi und Jellycat, das flauschige Wesen auf dem Display, das Mark Zuckerberg am Mittwoch in die Kameras hielt. Muse Charm heißt der neueste Versuch aus dem Hause des Instagram-Konzerns Meta, eine eigene Hardwareform für die Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Der Charm soll per Sprachsteuerung mit Metas KI-Modellen kommunizieren und im kompakten Format zum Alltagsassistenten werden.

Dass die KI nach einer neuen Form schreit, glauben derzeit viele, auch Open AI tüftelt an einer Lösung mithilfe des iPhone-Designers Jony Ive. Was das Ganze soll, mag man sich fragen, tut doch die KI auch auf dem Handy gute Dienste. Erste Versuche von Start-ups, eine eigene kompakte KI-Hardware zu entwickeln, sind krachend gescheitert.

Für Zuckerberg hat der Charm jedoch größere strategische Bedeutung. Es ist der nächste in einer langen Reihe von Versuchen, das Meta-Reich in die physische Welt zu erweitern. Denn so mächtig das Social-Media-Imperium im Netz ist, am Ende hat Meta keine Kontrolle darüber, wie auf seine Inhalte zugegriffen wird. Es ist abhängig von den Türstehern des Internets und das sind die Hardwareentwickler und Plattformbetreiber. Meta bekam das zu spüren, als Apple 2021 den Nutzern mehr Kontrolle darüber gab, wie sie auf dem iPhone über verschiedene Apps hinweg überwacht werden – ein herber Rückschlag für das Geschäftsmodell, das auf gezielter Werbung basiert.

Erst das Facebook Phone, dann die VR-Brillen

Deshalb versuchte Zuckerberg es immer wieder mit eigenen Plattformprodukten: Jahrelang arbeitete der Konzern an einem Facebook-Phone, das sich als Sackgasse entpuppte. Die Geräte ersetzten die übliche Android-Oberfläche durch „Facebook Home“, das schon ein Jahr nach seiner Veröffentlichung nicht mehr weiterentwickelt wurde. Zuckerberg kaufte dann Oculus, einen Anbieter von Virtual-Reality-Brillen, und versuchte – bisher ohne Erfolg – die Menschen davon zu überzeugen, dass das Metaverse das nächste große Ding wird. Dafür hätten sie dann seine VR-Brillen gebraucht. Er schloss eine Kooperation mit der Brillenmarke Ray-Ban und ließ smarte Brillen für den Alltag entwickeln. Auch die eingestellte Facebook-Währung Libra war so ein Versuch, die Kontrolle über eine wichtige Plattform, nämlich den Zahlungsverkehr, zu bekommen.

„Es ist einfach zu oft passiert, dass ich versucht habe, etwas zu bauen und dann mir vom Betreiber der Plattform gesagt wurde: Nee, das kannst du nicht wirklich bauen“, erklärte Zuckerberg 2024 in einem Gespräch mit Nvidia-Chef Jensen Huang seine Beweggründe. „Irgendwann denke ich mir: Nah, fuck that!“

Ob Zuckerberg dieses Mal den Nerv trifft, bleibt abzuwarten. Gleichzeitig mit dem Charm enthüllte er auch neue Brillen, die anders als bisherige Modelle ohne Kamera auskommen. Die Meta-Brillen waren zuletzt in Verruf gekommen, weil Nutzer die Brillen manipulierten und heimlich Aufnahmen von anderen machten.