Weniger Zölle : EU und Philippinen einigen sich auf Handelsvertrag

Die EU vertieft ihre Beziehungen in den Indopazifik. Die Einigung mit den Philippinen ist nicht nur ökonomisch von Bedeutung.

Die Europäische Union weitet ihr Netz aus Handelsabkommen aus. In der Nacht zum Dienstag haben die EU und die Philippinen eine weitgehende Einigung über ein neues Handelsabkommen erzielt. Damit sollen 97 Prozent der Zölle entfallen. Die EU erhält als erster Handelspartner Zugang zu öffentlichen Aufträgen. Auch Menschenrechte und Klimaschutz seien „wesentliche Elemente“ des Abkommens, wie die Europäische Kommission mitteilte.

„Das Abkommen schafft eine moderne, zukunftsorientierte Partnerschaft zwischen der EU und den Philippinen, die unseren Exporteuren und Investoren neue Möglichkeiten eröffnet, unsere Lieferketten stärkt und die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen auf lange Sicht vertieft“, sagte EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič. „Und das zu einer Zeit, in der Diversifizierung und Widerstandsfähigkeit wichtiger denn je sind.“

Das endgültige Abkommen soll in einigen Monaten stehen. Es gehe jetzt noch um die technische Umsetzung, sagte Šefčovič. Die Kernpunkte ständen. Bis das Abkommen endgültig in Kraft treten kann, dürften noch ein bis zwei Jahre vergehen, da Europaparlament und Mitgliedstaaten noch darüber abstimmen müssen. Šefčovič hob hervor, dass das Abkommen einen Beitrag dazu leiste, die EU unabhängiger von der Einfuhr aus China zu machen, freilich ohne das Land zu nennen. Das gelte insbesondere für Halbleiter.

Lange: Europäische Handelspolitik entwickelt Sogwirkung

Auch wenn noch nicht alle Details bekannt sind, ist die deutsche Wirtschaft auf den Philippinen froh, dass es nun endlich ein Freihandelsabkommen mit dem Land gibt. Schließlich haben die Philippinen mit anderen Ländern aus der Region wie Japan oder Südkorea längst Handelsschranken abgebaut. Am meisten importiert das Land aus China. Und auch wenn US-Präsident Donald Trump philippinische Exporte mit einem Zollsatz von 19 Prozent belegt hat, bleibt Manila dem langjährigen Verbündeten in Washington nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich eng verbunden.

Für die EU wiederum ist das Abkommen ein weiterer Baustein in ihrem Versuch, die Beziehungen mit den indopazifischen Ländern auszubauen. „An Südostasien führt kein Weg vorbei“, sagte Šefčovič. Mit Indonesien hat sich die EU im vergangenen Jahr auf ein Abkommen geeinigt. Die Gespräche mit Thailand kommen gut voran. Auch mit Malaysia verhandelt die EU intensiv. Innerhalb der vergangenen Monate hat sich die EU zudem mit Indien und Australien auf Handelsverträge verständigt. „Unsere europäische Handelspolitik entwickelt eine Sogwirkung“, sagte der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD).

Der Präsident der deutschen Auslandshandelskammer in Manila, Christian Scheld, bezeichnete die weitgehende Einigung als „Meilenstein“. Als die Kammer deutsche Unternehmen auf den Philippinen zuletzt zu dem geplanten Abkommen befragt hatte, habe die Hälfte angegeben, ihre Investitionen auf dem Archipel ausweiten zu wollen. Fast alle Mitglieder fänden das Abkommen wichtig, schließlich suche die deutsche Wirtschaft in Zeiten von Energiekrisen und „einem sich fragmentierenden globalen Handelsumfeld“ neue Märkte und stelle ihre Lieferantennetzwerke neu auf.

Deutschland will mehr Konsumgüter und Klimatechnik einführen

Das Handelsvolumen zwischen der EU und den Philippinen betrug zuletzt rund 17,6 Milliarden Euro für Güter und rund 10,3 Milliarden Euro für Dienstleistungen. Beide Seiten gehen von einem deutlichen Zuwachs aus. Das Handelsministerium in Manila hatte im Frühjahr geschätzt, dass ein Abkommen für zusätzliche Exporte in die EU über zwölf Milliarden Dollar sorgen könnte – ein Wert, der Fachleuten als überaus hoch erscheint. Neben Halbleitern und anderer Elektronik exportieren philippinische Unternehmen vor allem im Land weiterverarbeitete Maschinen zurück in die EU, zudem Agrarprodukte wie Kokosöl.

In umgekehrter Richtung kommen aus Deutschland neben Elektronik vor allem Industrieanlagen, Chemie und Pharmazeutika. Deutsche Autohersteller und -zulieferer haben auf dem Inselstaat in Südostasien indes nichts zu melden. Eine heimische Autoindustrie gibt es nicht. Der heimische Fahrzeugmarkt wird von Toyota beherrscht, dahinter kommt neben anderen asiatischen Herstellern nur noch Ford mit seinen Pick-ups.

Im Konsumgütermarkt hoffen deutsche Unternehmen auf größere Marktanteile, wenn die Zölle fallen. Ebenso wie auf hohe Gewinne bei Technik für die Energiewende – schließlich wollen die Philippinen, die praktisch ihr gesamtes Öl importieren und nach Ausbruch des Irankriegs die Vier-Tage-Woche für Beamte eingeführt haben, um Energie zu sparen, diese endlich schaffen.