Der Freitag im Überblick Rückschläge für Lidls Tech-Traum – und für Europa
Der deutsche Discounter Lidl hatte zum Angriff auf Big Tech geblasen: ein deutsches Silicon Valley in der württembergischen Provinz als Keimzelle für Cloud- und Sicherheitslösungen, mit KI-Modellen und Kommunikationssoftware, betrieben in heimischen Rechenzentren und vermarktet mit der Zusage, dass Daten nicht in die US-amerikanische Rechtssphäre abgleiten. Es ist eine der ambitioniertesten Aufholjagden, die Europa bisher gesehen hat.
Doch der Hochlauf von Schwarz Digits stottert. Ideen für ein „Betriebssystem der Freiheit“ gibt es viele, aber die Umsetzung bleibt auf der Strecke, schreiben meine Kollegen Martin Mehringer und Caspar Schlenk. Die Frage laute nicht mehr, ob sich Inhaber Dieter Schwarz (86) und Schwarz-Boss Gerd Chrzanowski (54) vielleicht zu viel vorgenommen haben, sondern eher, ob sie bereits gescheitert sind. Anhand vieler Beispiele ziehen Martin und Caspar Bilanz eines Projekts mit Bedeutung für ganz Europa. Begibt sich der alte Kontinent endgültig in die Abhängigkeit der Supermächte USA und China – oder kann die europäische Industrie doch noch eine eigene Technologie-Infrastruktur aufbauen? Die Analyse: Lohnt sich Lidl bei Tech?
Alternative zu Lösungen der US-Tech-Elite: Kann Schwarz-Digits-Chef Christian Müller das ehrgeizige Projekt retten?
Foto: Fotos [M]: Nico Kurth / laif, Arnulf Hettrich / imageBROKER / picture alliance, Jennifer Kramer / dpa / picture allianceDie Wirtschaftsnews des Tages:
Für das Bosch-Werk in Bühl im Schwarzwald gibt es neue Hoffnung: Zuletzt wurden dort immer mehr Jobs gestrichen. Nun werden demnächst Mitarbeiter benötigt, die humanoide Roboter fertigen.
Das Manöver wirkt etwas hilflos: US-Finanzminister Scott Bessent (64) will US-Anleihen aufkaufen, um die Rekordrenditen am Bondmarkt zu drücken und damit den Schuldendienst der hoch verschuldeten USA zu erleichtern. Doch erreicht hat Bessent bisher das Gegenteil: Das Vertrauen in den Dollar schwindet weiter, und Gold und Bitcoin legen kräftig zu. Kein Wunder, meint ein Marktbeobachter: „Bessent versucht, einen Flächenbrand mit einem Eimer Wasser zu löschen.“
Für eine weitere Schiffspassage wird es eng. Während der Suezkanal und die Straße von Hormus immer wieder angegriffen werden, müssen die Durchfahrten am Panamakanal wegen zu geringer Regenfälle beschränkt werden.
Die Absteigerin des Tages:
Mit ihrem Unternehmen The Female Company zelebriert Ann-Sophie Claus (34) gern den lauten Auftritt. Ihre Spezialität: aktivistisch-feministisches Marketing. Ihr Onlineshop für Periodenunterwäsche und Still-BHs profitierte zunächst stark davon, doch jetzt ist Claus bei dem Versuch, unliebsame Investoren herauszudrängen, offenbar gescheitert. Sie hat faktisch die Kontrolle über ihr Start-up verloren. Meine Kollegin Sarah Heuberger mit exklusiven Innenansichten eines misslungenen Machtkampfs .
Der Absteiger des Tages:
„Ich bin aus allen Wolken gefallen“, berichtet Andreas Olmes (58) von dem Moment, als ihm der Aufhebungsvertrag vorgelegt wurde. Zuvor hatte der Investmentmanager des halbstaatlichen High-Tech Gründerfonds (HTGF) eine Ermahnung erhalten, weil er sich auf LinkedIn unter anderem kritisch über die Politik von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (53; CDU) geäußert hatte. Abserviert wegen kritischer Haltung – mein Kollege Caspar Schlenk hat den Fall recherchiert.
Tipp für das Wochenende:
Der Oldtimermarkt spaltet sich: Ein Supersportwagen wie der McLaren F1 GTR (Baujahr 1996) wurde während der Monterey Car Week in diesem Monat für 34 Millionen Dollar versteigert. Oldtimerklassiker wie der Mercedes 300 SL oder der Rolls-Royce Silver Shadow verkaufen sich dagegen nicht mehr so gut wie früher. Meine Kollegin Alexandra Knape hat mit Experten darüber gesprochen, welche Modelle derzeit besonders gut laufen . Spoiler: Ein Ferrari Enzo gehört dazu.
Das Beste aus dem „Economist“:
Instagram fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu! Facebook tötet! Derlei Warnhinweise muten gewöhnungsbedürftig an, doch unsere Kollegen vom britischen „Economist“ erklären, warum Mark Zuckerbergs Meta bereits mit der Tabakindustrie verglichen wird . Die Prozesse in den USA gegen Meta dürften erst der Anfang sein.
Meine Empfehlung für das Wochenende:
Bereit für die nächste Staffel: Traden, was der Bildschirm bietet
Foto:Gehören Sie zu den Film- und Serienfans, die am Wochenende vor dem Bildschirm aufs Sofa sinken? Netflix ist dabei einen zweiten Gedanken wert – nämlich als Anlageobjekt. Die Story hinter der Aktie ist filmreif: Der globale Meister des Streamings war an der Börse abgehoben, nach dem Allzeithoch im vergangenen Sommer ging es allerdings wieder bergab. Hat Netflix seinen Zenit überschritten? Unser Kolumnist Baki Irmak sieht in dem gefallenen Superstar viel Potenzial, die Aktie hält er nach dem Kursverfall für attraktiv bewertet. Vier Gründe, die für einen Einstieg bei Netflix sprechen, lesen Sie in unserem neuen Extra „Geldanlage“ .
Ob Sie schauen, traden oder was auch immer auf dem Sofa tun, ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende
Ihre Claudia Witte
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