Der Montag im Überblick Klaus-Michael Kühne – Abschied von einem kantigen Original
Klaus-Michael Kühne, einer der mächtigsten Unternehmer Deutschlands, ist in der Nacht zu Montag im Alter von 89 Jahren gestorben. Seine Spedition Kühne + Nagel hatte er zu einem weltweit führenden Logistikdienstleister im Luft- und Seeverkehr ausgebaut. Mit seiner Kühne Holding hält er Anteile an Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Brenntag und der Lufthansa. Die Stiftung des Milliardärs, der nun praktisch sein gesamtes Erbe zufällt, wird eine der größten karitativen Einrichtungen Europas sein. Einblicke in seine Karriere hat mein Kollege Michael Herold hier in einer Bilderstrecke zusammengestellt.
Der umstrittene Umzug seiner Spedition Ende der 1960er-Jahre von Deutschland in die Schweiz hat Kühne, so scheint es, zeitlebens nur fester an seine Heimatstadt Hamburg gebunden. Immer wieder hat er sich mit prestigeträchtigen Bauprojekten (Elbtower, neue Oper) als Investor und Mäzen ins Spiel gebracht und seinen geliebten HSV mit Millionen unterstützt. Mein Kollege Michael Machatschke kennt Kühne gut; er hat ihn in den vergangenen Jahren mehr als ein Dutzend Mal getroffen. Zum Abschied beschreibt er einen durchsetzungsstarken Vollblutunternehmer, der aneckte, der egoistisch und selbstherrlich wirken konnte, der sperrig, mitunter polternd im Auftritt und keineswegs ohne Widersprüche war. „Glatt geschliffene Manager gibt es überreichlich, Originale vom Schlag eines Kühne nur noch selten“, schreibt Michael in seiner Nahaufnahme eines Ausnahmeunternehmers .
Unangepasst und pflichtbewusst: Klaus-Michael Kühne (Foto von 2015)
Foto:Die Wirtschaftsnews des Tages:
Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann (58) hat nach dem Einstieg des italienischen Rivalen UniCredit eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts gefordert.
Der Autobauer Porsche verkauft seine Management- und IT-Beratung MHP vollständig an den indischen Mischkonzern Tata. Der Sportwagenbauer will sich stärker auf das Kerngeschäft fokussieren.
Der Goldpreis ist auf den höchsten Stand seit drei Monaten gestiegen. Hintergrund: Angesichts von US-Anleihekäufen macht sich Sorge vor einem schwächeren Dollar breit – und Anleger greifen zu Gold.
Die Anschlussreisende des Tages:
Hier spricht Ihre Bahnchefin: Evelyn Palla will das große Bauen besser organisieren
Foto:Mehr Realismus, weniger Sperrungen zur gleichen Zeit, Kostenbremse – so will Bahn-Chefin Evelyn Palla (52) den Anschluss der Baupläne an die Realität bewerkstelligen. Die Bahn habe „Erwartungen geweckt, die nicht einlösbar waren“, räumt sie im manager-magazin-Interview mit meinem Kollegen Michael Machatschke ein. Für Ihren Anschluss als Bahnreisende bedeutet das: Es bleibt spannend. Denn die Sanierung wird sich laut Palla noch deutlich länger hinziehen .
Was Sie in Ihrer Karriere voranbringt:
Auch wenn von Ihrer Führung kein Menschenleben abhängt, können Sie von Intensivstationen jede Menge lernen. Das sagt Coach Heinz Sonnenschein, der einst selbst als leitender Fachkrankenpfleger auf der Intensivstation arbeitete. Später wechselte er in den Medizintechniksektor, bevor er Berater wurde. Mitgenommen hat er: Strukturen sind (über-)lebenswichtig, denn sie halten das Team handlungsfähig – auch in kritischen Situationen. Wer jetzt glaubt, der Blick in eine Krankenhausserie ersetze das nächste Führungscoaching, liegt allerdings falsch. Denn die Erzählungen dieser Serien bilden die Realität nicht ab. Im Gegenteil: Nicht das Charisma eines Einzelnen garantiert den Erfolg. Wie Sie die Strukturen optimieren, lernen Chefinnen und Chefs in unserem neuen Leadership Weekly .
Meine Empfehlung für den Abend:
Gilt als nicht zimperlich: Restrukturierungsberater Frank Günther
Foto:Schuhe24, Taschen24, Avocadostore – drei Beispiele für Onlineshops, die zum Reich von The Platform Group (TPG) zählen. Das Plattformprinzip geht dabei so: Über die verschiedenen Shops können lokale Händler ihre Produkte verkaufen. Doch das börsennotierte E-Commerce-Unternehmen steht seit Monaten unter Druck. Zuletzt hatten gleich mehrere Banken kurzfristig und außerordentlich Darlehen gekündigt und Geld zurückgefordert, wie das manager magazin im Juni exklusiv berichtete . Meine Kollegin Sarah Heuberger bleibt dran und hat erfahren, dass CEO Dominik Benner (44) einen umstrittenen Sanierer an Bord holte, der sich nun wohl nach wenigen Wochen schon wieder verabschiedete. Frank Günther (68) sollte offenbar die Gespräche mit den Banken übernehmen. Mehr als fraglich, ob er seinen Job in so kurzer Zeit abgeschlossen hat .
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend
Ihre Claudia Witte
Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter [email protected] .
Diesen Newsletter finden Sie auch auf unserer Website.