KI-Chips sind Trumpf : Gewaltiger Gewinnsprung für Samsung

Der KI-Boom beschert dem koreanischen Elektronikkonzern ein Rekordergebnis – und sorgt für Unruhe an der Börse. Die Regierung schiebt dem hektischen Treiben einen Riegel vor.

Der koreanische Elektronikkonzern Samsung hat mit einem steilen Ergebnissprung das zweite Quartal beendet. Während der Erlös in den zurückliegenden drei Monaten gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres von 74 Billionen Won auf 171 Billionen Won (103 Milliarden Euro) zulegte, sprang der operative Gewinn von 4,7 auf 89,5 Billionen Won (54 Milliarden Euro). Den Reingewinn für das Quartal wies der Vorstand mit 71,6 Billionen Won aus.

Der Überschuss des vom Kühlschrank bis zum Computer überaus breit aufgestellten Konzerns geht nahezu vollständig auf sein Geschäft mit Chips zurück. Die Konsumelektroniksparte von Samsung arbeitet derzeit mit einem leichten Verlust. Die restlichen Sparten waren hauchdünn im Plus. Grund für den Erfolg mit Chips ist vor allem die hohe Nachfrage der IT-Konzerne in Amerika. Sie bauen auf ihrem Heimatmarkt für Hunderte Milliarden Dollar riesige Datenzentren für ihre KI-Dienste auf. Dafür brauchen sie unter anderem spezielle Chips zum Speichern der Daten.

China schiebt eigene Anbieter in den Markt

Samsung ist neben der koreanischen SK-Hynix-Gruppe und dem US-Konzern Micron Technology einer der großen Anbieter dieser Chips. Darüber hinaus hat China mit Yangtze Memory und Changxin Memory mittlerweile gleich zwei große Anbieter für Speicherbausteine am Markt – und das lässt viele Investoren derzeit auf die Bremse treten. So übertraf Samsung mit seinem jüngsten Ergebniswerk zwar die Erwartungen vieler Anleger und Analysten. An der Börse von Seoul aber ging der Kurs der Aktie am Donnerstag mit einem Minus aus dem Handel.

In diesem Markt seien Rekordergebnisse offenbar nicht mehr genug, sagte Jung In Yun von Fibonacci Asset Management. Die Wettbewerber im Reich der Mitte gewinnen an Schlagkraft. „Auch sehen wir den bereits seit zwei Jahren anhaltenden Sonderzyklus der Speicherchiphersteller Ende 2028 auslaufen“, erklärte Peter Fintl, Chipspezialist vom Beratungshaus Capgemini.

So hatte bereits Anfang der Woche der Samsung-Konkurrent SK Hynix nach der Bekanntgabe seiner jüngsten Rekordergebnisse und eines zumindest mittelfristig positiv gestimmten Ausblicks auf die weiteren Quartale einen deftigen Dämpfer für den Kurs seiner Aktie erhalten. Der Kurs rutschte vorübergehend fast 20 Prozent ab. „Der koreanische Markt war in diesem Monat ausgesprochen hart“, sagte James Fletcher von Ethos Investment Management. Dabei seien die Fundamentaldaten beider Konzerne so stark wie seit zwei Jahrzehnten nicht.

Hektik an der Börse

Viele Kleinanleger an der koreanischen Börse sehen das etwas anders – und drücken auf ihre Verkaufsknöpfe. Sie machen mittlerweile ein so großes Handelsvolumen aus, dass ihre Entscheidungen sofort auf die Kurse durchschlagen. Dabei spulen sie ihre Aktiengeschäfte oft über Kredite und komplizierte Hebelprodukte ab. Bei steigenden Kursen lassen sich damit außerordentlich hohe Gewinne erzielen. Allerdings können bei schwachen oder unsicheren Märkten die Verluste auch rascher anschwellen.

Darüber hinaus sind bei Kleinanlegern in Korea sogenannte Single-Stock-ETF-Fonds sehr beliebt. Sie bilden die Kursbewegung einer einzigen Aktie mithilfe eines speziellen Finanzinstruments ab. Sie sind rechtlich wie ein Indexfonds abgesichert, streuen aber das Risiko nicht. Vielmehr setzen sie nur auf einen Wert und wirken so wie ein spekulatives Wetten auf einzelne Unternehmen. Erst im Mai zugelassen, schiebt die Regierung in Seoul diesen Hebel-ETFs genannten Finanzprodukten nun wieder einen Riegel vor.

Nach dem Vorbild der Gesetze und Regeln an der Börse von Hongkong sollen Kleinanleger von sofort an höchstens 20 Prozent ihres Anlagevermögens in diese speziellen Fonds stecken dürfen. Darüber hinaus werden die Preise für diese Finanzprodukte angehoben, um den Handel mit ihnen zu bremsen. Neue Produkte auf Einzelaktien und die Werbung für diese Fonds sind bereits verboten. Künftig sollen Anleger den Handel mit Hebel-ETFs erst in einer Simulation testen, bevor sie ihn an der Börse ausführen.

In das derzeit etwas hektische Börsentreiben von Seoul suchen auch Samsung und SK Hynix etwas Ruhe zu bringen, durch den Abschluss langfristiger Verträge mit ihren Kunden. So hat Samsung mit dem US-Chip-Designhaus Broadcom gerade einen 200 Milliarden Dollar großen Vertrag bis zum Jahr 2030 zur Lieferung modernster Speicherchips abgeschlossen. Seitens SK Hynix hieß es zuvor schon, es habe zehn Großkunden, mit denen es ungewöhnlich langfristige Lieferverträge eingegangen sei. Angesichts des Booms rund um KI bleibe die Chip-Nachfrage hoch.