Höchster Gaspreis seit Ende 2022 EZB-Direktorin sieht Spielraum für weitere Zinserhöhungen

EZB-Direktorin Isabel Schnabel (55) hat Sorge über die gestiegenen Energiepreise geäußert und gleichzeitig den geldpolitischen Kurs offengelassen. Ob es mit der Zinserhöhung von voriger Woche getan sei, müsse sich zeigen, sagte sie am Montag auf einer Veranstaltung des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin.

„Die nächsten Entscheidungen werden auf der Grundlage hereinkommender Daten getroffen“, sagte Schnabel. Sie betonte, die jüngsten Preisanstiege im Bereich Energie seien „ziemlich besorgniserregend“. Dies gilt nicht nur für Öl, sondern auch für raffinierte Produkte wie Diesel und auch für Gas, das ein sehr hohes Preisniveau erreicht habe.

Gaspreise ziehen deutlich an

Der Preis für europäisches Erdgas stieg am Montag wegen Angebotssorgen durch Lieferausfälle aus den Fördergebieten am Persischen Golf deutlich an. Der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat sprang an der Börse in Amsterdam im frühen Handel mehr als 5 Prozent nach oben und erreichte bei 83,75 Euro je Megawattstunde (MWh) den höchsten Stand seit Ende 2022.

Das slowakische EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir (58) warnte vor einer stärkeren als erwartet steigenden Inflation im Euroraum. „Die Inflationsrisiken sind eindeutig nach oben gerichtet. Mein Augenmerk gilt nun weniger den Öl- und Kraftstoffpreisen, sondern zunehmend den Gas- und Strompreisen“, schrieb Kazimir in einem Blogbeitrag. Der Währungshüter ‌forderte zwar nicht unmittelbar weitere Zinserhöhungen, Kazimir ist aber für eine straffere Geldpolitik bekannt.

Auch der lettische Notenbankchef ⁠Martins Kazaks ⁠(52) sagte, es könne Spielraum für weitere Zinserhöhungen geben, da die Energiepreise und die Inflation hoch blieben. „Die Argumente ‌für eine weitere Straffung mehren sich.“ Die ​Notenbank könne ‌es sich jedoch leisten, ohne Eile vorzugehen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Donnerstag den ‌Leitzins auf 2,50 Prozent angehoben und viele ihrer ​Inflationsprognosen nach oben ‌korrigiert. Dies nährte am Markt Spekulationen auf weitere Zinsschritte.

Die Erdgaspreise befinden sich auf einem Vierjahreshoch. Grund dafür ist, dass europäische Staaten im Sommer mit dem Befüllen ihrer Gasspeicher gezögert hatten, ‌in der Hoffnung, der Iran-Konflikt würde beigelegt und die Preise sinken. Da die Füllstände nun weit unter dem historischen ‌Durchschnitt liegen, wird eilig Gas eingelagert, ​was die Preise in ‌die Höhe treibt.

Der nächste Zinsentscheid der EZB ‌steht ​Ende Oktober an. An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung zu diesem Zeitpunkt auf über ​60 Prozent taxiert, während ein ⁠Zinsschritt bis zum Jahresende ​bereits weitgehend eingepreist ​ist.