Ifo-Studie : Demographischer Wandel treibt Sozialausgaben nach oben
Die deutschen Sozialausgaben steigen seit den Neunzigern kontinuierlich an. Etwa 70 Prozent des Sozialbudgets fließen mittlerweile in Alten- und Krankenfürsorge.
Die Folgen des demographischen Wandels machen sich immer stärker in den Sozialausgaben bemerkbar. Das geht aus einer Studie des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung hervor. Demnach machen Ausgaben für Alter und Gesundheit mittlerweile etwa 70 Prozent des Sozialbudgets aus, Anfang der Neunziger waren es noch 60 Prozent. Seit 1992 stiegen sie somit in absoluten Zahlen um 80 Prozent an und treiben die Sozialausgaben insgesamt in die Höhe.
In der Studie nehmen die Forscher auf Basis von Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales die Entwicklung der deutschen Sozialausgaben in den Blick. Diese umfassen alle staatlich organisierten oder in Tarifverträgen vereinbarten Leistungen. Der Trend der vergangenen Jahrzehnte zeige eindeutig: Immer mehr Geld wird für die sozialen Sicherungssysteme ausgegeben.
Renten- und Krankenversicherungen tragen die Hauptlast
„Der gesamtwirtschaftliche Fußabdruck der Sozialausgaben hat sich deutlich vergrößert“, resümieren die Wirtschaftsforscher. Mehr als die Hälfte der Ausgaben läuft über die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung. Die Ausgaben für die Rentenversicherung verdoppelten sich seit 1992, die Krankenversicherung verzeichnete einen Anstieg von 75 Prozent. Das sei eine erwartbare Folge des demographischen Wandels, resümieren die Forscher am Ifo-Institut. Mit steigendem Alter seien immer mehr Menschen auf Fürsorge und Behandlung angewiesen.
Nicht nur für Rente und Gesundheit stiegen die Ausgaben an. Insgesamt sind es verglichen mit 1992 heute preisbereinigt etwa 70 Prozent mehr Mittel für Soziales. Auch anteilig am Bruttoinlandsprodukt wachsen die Ausgaben. Waren es 1992 noch etwa 26 Prozent der Wirtschaftsleistung, flossen vergangenes Jahr 32 Prozent in Sozialleistungen – eine Summe von über 1,4 Billionen Euro. Gerade in den vergangenen Jahren seit der Corona-Pandemie sei das Verhältnis gestiegen, was allerdings auch auf die schwache Konjunktur zurückzuführen sei.
Arbeitslosengeld verliert an Bedeutung für Sozialetat
In anderen Bereichen hält sich der Anstieg von Leistungen dagegen in Grenzen. Die Ausgaben für Arbeitslosengeld rückten in den Hintergrund. Dazu betonen die Wissenschaftler, dass das deutsche Sozialsystem in Krisenzeiten puffernd gewirkt habe. So stiegen Sozialausgaben in Phasen von Wirtschaftskrisen an, zum Beispiel zur Finanzkrise 2009 oder zur Corona-Pandemie 2020. Das habe zur Stabilisierung der Wirtschaft beigetragen.
„Die Belastung durch Sozialbeiträge und Einkommensteuern steigt, was die junge Generation im arbeitsfähigen Alter belastet“, schreiben die Wirtschaftsforscher. Das System stehe insgesamt unter Reformdruck, wobei die Wissenschaftler davor warnen, Ausgaben nur umzubenennen und so ein Nullsummenspiel zu betreiben. Reformen müssten dagegen auf Einnahmeseite die Last von Sozialversicherungsbeiträgen nehmen. Stattdessen könnten Einnahmen für Sozialleistungen aus Steuereinnahmen generiert werden, was für Teile der Bevölkerung entlastend wirken könnte.