Stilkritik Die große Mode-Revolte im Frauengolf
Ausnahmsweise ist es ein gutes Zeichen, dass es im Damengolf aktuell viel um Mode geht. Die Stars der LPGA (Ladies Professional Golf Association) wie Nelly Korda (28), Ina Kim-Schaad (42) oder Danielle Kang (33) nutzen die großen Turniere für in der preppy Golfwelt eher unübliche Fashionmomente.
Sie schlagen in weiten Karopants und Sweatshirts ab, tragen Oversized-Hemden statt ordentlicher Polos oder binden verspielte Scrunchies ins Haar. Die aktuelle Weltranglistenerste Korda setzte bei ihrem US-Open-Sieg im Juni sogar ganz frech auf Tiger-Woods-Rot – ganz nach dem Motto: Legende kann ich auch.
Die Message ist klar: Golf ist viel cooler und vor allem weiblicher als sein Image. Und die aktuelle Generation von Topgolferinnen vertraut nicht nur aus Selbstmarketingzwecken auf betont durchgestylte Outfits – man will auch das historische Frauenproblem des Sports anpacken.
Da wären etwa die Preisgelder, die auf der Damentour um ein Vielfaches geringer ausfallen als die der Männer, da wäre der geringe Anteil an Hobbygolferinnen, und da wäre die berüchtigte „Grass Ceiling“ – die „gräserne Decke“, eine Anspielung auf männlich dominiertes Freizeit-Netzwerken.
Aber: Es tut sich was in dieser männerdominierten Szene – und es beginnt mit Mode. Zumindest steht der individuelle, modemutige Style vieler Golferinnen für ein neues Selbstbewusstsein. Man passt sich nicht mehr an, man verzichtet auf Understatement, man hat keine Angst, dass die eigene Leistung mit auffälligen Outfits in den Hintergrund tritt.
Und das zeigt Wirkung: Hippe Golflabels wie Malbon, Fore The Girls oder Macade Golf konzentrieren sich auf eine weibliche Zielgruppe, die sich auf dem Platz mehr traut als blaue Shorts, weißes Polo. In den USA bilden sich exklusiv weibliche Social Clubs, deren Mitglieder zusammen golfen gehen und den Lifestyle um den Sport feiern, etwa der Cherry Golf Club in New York City. Und Unternehmer wie Alexis Ohanian (43) oder Steve Cohen (70) investieren im großen Stil in Teams der neu gegründeten Women’s Team Golf League, die mit schnellen Formaten und gehypten Events die Generation TikTok abholen will.
- meinung meinung •Stilkritik: Echt jetzt? Das Hipster-Comeback der Segelschuhe Eine Kolumne von Julia Hackober2 Min2 Min
- 2 Min
- 2 Min2 Min
Wird auch Zeit. Golf gehört nicht nur den Gentlemen, die auf der Feierabendrunde über Immobilienpreise und Aktiendepots diskutieren wollen. Golf gehört auch den Ladys, die einfach Spaß an diesem Sport haben und nebenbei übers Business reden wollen. Und dazu passen auch fantastische Looks.
Der Coup
Wie der UniCredit-Boss die Commerzbank bezwang – Inside-Recherche zum Bankenkrimi