Geldnote : Bürger bestimmen, wie der neue Euro aussieht
Der EZB-Rat lässt die Bürger der Eurozone neue Motive für die Euroscheine wählen. Die Notenbank verspricht sich mehr Fälschungssicherheit. Bis die Scheine gedruckt werden, dauert es allerdings noch.
Nicht, dass sie bei der Wahl der neuen Eurobanknoten einen Favoriten hätte durchblicken lassen. Da stand die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde am Donnerstagnachmittag neben zwei transparenten Tafeln, auf denen die neuen Eurobanknoten aufgereiht hingen, und sagte, nun sei es ohnehin an den mehr als 350 Millionen Bürgern der Eurozone. Sie können zwischen dem Motivset „Europäische Kultur“, das auf einem der Scheine die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner zeigt, oder der Kombination „Flüsse und Vögel“, bei dem unter anderem der Basstölpel abgebildet ist, entscheiden.
Sechseinhalb Minuten zeigte Lagarde die neue Generation aus Geldscheinen. Die Bürger können über die neuen Motive bis zum 21. September auf der Website der Währungsbank abstimmen. Die EZB verspricht einen demokratischen Abstimmungsprozess. Lagarde sagte, sie wolle „sichergehen, dass die Stimmen der Europäer gehört werden“. Die EZB drucke zwar das Geld – und doch gehöre es den Menschen.
Eisvogel und Weißstorch
Wenn das Set der Vögel das Rennen macht, würden auf den Vorderseiten unter anderem der Mauerläufer auf dem Fünf-Euro-Schein zu sehen sein, ebenso wie der Eisvogel (zehn Euro), der Bienenfresser (20 Euro) oder der Weißstorch (50 Euro). Und auf den Rückseiten das EU-Parlament – oder auch die EZB.
Die Motive der „Europäischen Kultur“ stechen durch die Konterfeie der Sopranistin Maria Callas (fünf Euro), des Komponisten Ludwig van Beethoven (zehn Euro) oder des Malers Leonardo da Vinci (100 Euro) hervor. Dabei herrscht zwischen den Geschlechtern Parität.
Die EZB geht zwar an die Motive ran, nicht aber an die Beschaffenheit des Geldes. Gleich bleiben die Farben der Banknoten und der Baumwollstoff, aus dem die Banknoten gemacht sind. Warum also neue Geldscheine drucken?
Mehr Fälschungssicherheit
Die EZB begründete die Neugestaltung mit dem Lebenszyklus von Banknoten und der Fälschungssicherheit. Schon 2021 sei in Frankfurt entschieden worden, die Scheine umzumodeln. Seither läuft der vielstufige Prozess, an dessen Ende das neue Geld stehen soll. Es wäre die erste grundlegende Änderung der Euroscheine, denn 2013 änderte die Zentralbank die Noten nur minimalinvasiv. Die Motive der derzeitigen Scheine stammen aus 2002, als der Euro eingeführt wurde. Damals wurden weder echte Personen noch Gebäude abgedruckt. Die zwölf Regierungen der frischgeborenen Währungsunion konnten sich seinerzeit nicht auf reale Motive verständigen. Wer in sein Portemonnaie greift, sieht daher: Brücken, Tore und Fenster. In der Realität existieren diese nicht. Das ändert sich bald.
Ende 2026 will der EZB-Rat entscheiden, welches Motiv auf die neuen Geldscheine kommt. Doch vor 2030 sei mit den neuen Geldnoten nicht zu rechnen, sagte Banknoten-Direktorin Doris Schneeberger. Es werde „keinen Big-Bang-Tag“ geben. Vielmehr wolle die Zentralbank sie Stück für Stück auf den Markt bringen. Die alten Modelle bleiben freilich gültig.