Am 24. Februar 2022 hat Russland seinen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine begonnen. Ein Ende ist nicht absehbar. Die Entwicklungen im Ticker.

Die Ukraine hat bei einem EU-Aussenministertreffen in Irland neue Zusagen zur Unterstützung ihrer Flugabwehr erhalten. «Wir haben uns gefreut, heute Ankündigungen von Mitgliedstaaten zu hören, Luftverteidigung bereitzustellen», sagte die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas nach dem Ende der Beratungen in der Grafschaft Wicklow. Dies sei etwas, worum man seit langem gebeten haben.

Wer die neuen Zusagen machte und was sie konkret umfassen, wollte Kallas nicht verraten. Die Mitgliedstaaten, die entsprechende Ankündigungen gemacht hätten, würden diese auch selbst öffentlich bekanntgeben, sagte sie. «Aber für die Ukraine war es wichtig zu hören, dass es bei der Luftverteidigung tatsächlich Bewegung gibt.»

Kallas hatte am Vortag bei einem Verteidigungsministertreffen gesagt, man wisse, dass einige EU-Länder über Abfangraketen verfügten, deren Nutzungsdauer bald ablaufe. Es wäre deshalb gut, diese der Ukraine zu überlassen, die sie zum Schutz ihrer Bevölkerung vor russischen Luftangriffen einsetzen könne. Laut Diplomaten bezog sie sich damit vermutlich vor allem auf Griechenland.

Kaja Kallas, die Aussenbeauftragte der Europäischen Union. (Archivbild)

Die Ukraine überarbeitet ihr Luftalarm-System und führt ein zweistufiges Warnsystem ein. Je nach Art der Bedrohung werde künftig eine Warnung der Stufe gelb oder rot ausgegeben, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch in Onlinediensten mit. «In der Regel wird die Stufe gelb einen Drohnenangriff anzeigen, während die Stufe rot auf eine Raketenbedrohung hinweisen wird», erläuterte er.

Der Kreml hat Deutschland angesichts der angedrohten Sanktionen im Fall der nicht gezündeten Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle einen Eskalationskurs vorgeworfen. Es sei schwierig, die Anschuldigungen gegen Russland zu kommentieren, weil Deutschland für seine Schuldzuweisung keine Beweise vorgelegt habe, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. «Wenn solche schweren Anschuldigungen erhoben werden, sollten sie irgendwie untermauert werden», sagte Peskow.

Die deutsche Marine will die Reichweite ihrer Raketen deutlich vergrössern: Eine Fregatte hat im Nordatlantik einen zuvor geheim gehaltenen Test des israelischen Raketensystems Lora erfolgreich abgeschlossen. Das teilte ein Sprecher mit. Nun sollen Pläne für eine Beschaffung der Waffen mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern vorangebracht werden. Zwei deutsche Fregatten waren für die Erprobung in das Seegebiet zwischen Irland und Island verlegt worden. Die Vorbereitungen liefen weitgehend geheim, allerdings wurde der Schiffs- und Luftverkehr 45 Tage vor dem Test öffentlich gewarnt.

Von dem zunächst geheimgehaltenen Raketentest im Nordatlantik liegen keine Fotos vor. Hier zu sehen: die deutsche Fregatte Sachsen-Anhalt. (Symbolbild)

Das russische Generalkonsulat in Bonn wird zum 18. September geschlossen. Zudem werde der Vertrag für das Russische Haus in Berlin gekündigt, sagte der deutsche Aussenminister Johann Wadephul (CDU). Unter anderem mit diesen Konsequenzen reagiere man auf den Russland zugeschriebenen versuchten Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle.

Der deutsche Aussenminister Johann Wadephul bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Berlin.

Die Ukraine hat bei einem EU-Verteidigungsministertreffen in Irland keine neuen Zusagen für die Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen zum Schutz vor russischen Angriffen bekommen. Es habe Appelle und Gespräche gegeben, sagte die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas nach dem Ende der Beratungen in der Grafschaft Wicklow. Leider sei ein konkreter Erfolg aber ausgeblieben. Die Bemühungen würden fortgesetzt.

Den überarbeiteten Luftalarm-Regeln zufolge werden die Ausgangssperren in Kiew verkürzt. Zudem wird während einer Bedrohung der Stufe gelb eine U-Bahn-Linie, die den Fluss Dnipro überquert, vollständig in Betrieb bleiben. Die Massnahmen seien eine Reaktion auf «Russlands sich wandelnde Taktiken» und «den Einsatz von Drohnen, um das zivile Leben in unseren Städten zu zermürben und die normale wirtschaftliche Tätigkeit in unserem ganzen Land zu stören», erklärte Selenskyj weiter.

Der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin warf Deutschland vor, die Vorwürfe auch nicht durch Argumente belegt zu haben. «Dass Deutschland den weiteren Weg der Eskalation geht, das ist offensichtlich», sagte Peskow. Russland hatte stets bestritten, etwas mit der Leipziger Drohne zu tun zu haben. Moskau verwies vielmehr auf Kiew, das mit Stimmungsmache gegen Russland einen echten Nutzen ziehe aus dem hybriden Angriff.

Die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass Moskau Gegensanktionen ergreifen werde - wie bei früheren Fällen. Sie warf Deutschland vor, nur einen Vorwand gesucht zu haben, um etwa das Russische Haus in Berlin zu schliessen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat alle Fluggesellschaften vor Flügen über Russland gewarnt. «Der russische Luftraum wird vollkommen unsicher», sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Die Ukraine drohe dabei jedoch nicht der zivilen Luftfahrt oder einzelnen Flugzeugen. «Es wird einfach so viele Drohnen im russischen Luftraum geben, dass man dies berücksichtigen muss», erklärte der Staatschef. Der russische Luftraum werde «faktisch» geschlossen. Erst vergangene Woche hatte er den Einsatz von bis zu 1000 weitreichenden Drohnen täglich angedroht.

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Selenskyj bestätigte dabei Medienberichte, wonach die USA für vergangene Woche Dienstag, Mittwoch und Donnerstag um eine Unterbrechung von Angriffen auf Moskau und St. Petersburg gebeten haben. CIA-Chef John Ratcliffe reiste in der Zeit unangekündigt nach Moskau. Zudem ersuchte ein weiterer Staat laut Selenskyj um eine Pause für Angriffe auf Wladiwostok. In der russischen Grossstadt am Pazifik findet von Dienstag bis Freitag ein Wirtschaftsforum mit internationalen Gästen und einem Auftritt des russischen Präsidenten Wladimir Putin statt. Ukrainische Angriffe sind in der über 6.000 Kilometer von der Ukraine entfernten Region des Fernen Ostens bisher nicht erfolgt.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion und greift in ihrem Abwehrkampf immer wieder mit Drohnen auch weit entfernte Ziele im russischen Hinterland an.

Der misslungene Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle ist nach Erkenntnissen der Bundesregierung in russischem Auftrag verübt worden. Das sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und begründete dies mit polizeilichen Ermittlungsergebnissen, Tatmustern und nachrichtendienstlichen Erkenntnissen.

Kallas hatte zu Beginn der Beratungen am Montagmorgen gesagt, man wisse, dass einige EU-Länder über Abfangraketen verfügten, deren Nutzungsdauer bald ablaufe. Es wäre deshalb gut, diese der Ukraine zu überlassen, die sie zum Schutz ihrer Bevölkerung einsetzen könne.

Welche EU-Länder Abfangraketen abgeben könnten, sagte Kallas nicht. Nach Angaben von Diplomaten soll es vor allem um Griechenland und Spanien gehen.

Luftalarm vor Beginn des neuen Schuljahres: Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht erneut mit Raketen und Drohnen angegriffen. Der Gouverneur des Gebiets Kiew, Tymur Tkatschenko, warf den russischen Streitkräften vor, gezielt zivile Infrastruktur und Wohngebäude anzugreifen. Die Militärverwaltung der Millionenmetropole erklärte auf der Plattform Telegram, es seien drei Tote und fünf Verletzte zu beklagen.

Tkatschenko schrieb auf Telegram, in der Stadt Boryspil sei ein mehrstöckiges Wohnhaus beschädigt worden. 48 Menschen wurden demnach in Sicherheit gebracht. Ein Mensch sei ums Leben gekommen, als eine Industrieanlage in Boryspil getroffen worden sei. Tkatschenko rief die in viereinhalb Kriegsjahren immer wieder durch Angriffswarnungen aufgeschreckten Bewohner dazu auf, den Luftalarm nicht zu ignorieren und sich in Schutzräume zu begeben. In der Ukraine beginnt heute offiziell das neue Schuljahr.

Auch aus anderen Landesteilen gab es in der Nacht Berichte über russische Angriffe, darunter aus dem Raum Odessa am Schwarzen Meer. Die ukrainische Luftwaffe berichtete auf Telegram unter anderem über Angriffe auf Charkiw, Sumy und Saporischschja.

Die Millionenmetropole Kiew und ihr Umland stehen seit Jahren im Fokus der Angreifer und kamen in den vergangenen Tagen und Wochen aufgrund ständigen Luftalarms wegen anfliegender Drohnen oder Raketen kaum mehr zur Ruhe. Russland setzt auch verstärkt auf Angriffe mit ballistischen Raketen, die besonders schnell fliegen und nur schwer abzufangen sind. Der Ukraine fehlt es nach eigenen Angaben an Raketen für ihre Abwehrsysteme vom Typ Patriot, die für die Verteidigung gegen die ballistischen Raketen besonders effektiv sind.

Indiens Premierminister Narendra Modi hat bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Kirgistan die Notwendigkeit eines Kriegsendes angesprochen.

Indien unterstütze alle Friedensbemühungen, sagte Modi bei dem Gespräch am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Der Weg von einem endlosen Krieg hin zum Ende des Kriegs müsse eingeschlagen werden. Putin entgegnete, dass Russland auf dem Weg sei.

Modi hatte bereits in der Vergangenheit eine Beendigung des Kriegs gefordert. Indien und China gelten für Russland als verlässliche Handelspartner, während die USA und die EU das Land wegen Putins Krieg gegen die Ukraine mit Sanktionen belegt haben.

Russlands Präsident Wladimir Putin (r) und der indische Premier Narendra Modi während ihres Treffens in Bischkek.

Peter Kovalev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa