Der Montag im Überblick Warum CEOs scheitern und wie Trump sich bereichert

Handverlesen, hochbezahlt, erfolglos: Viele CEOs scheitern nicht an den Widrigkeiten des Tagesgeschäfts, sondern an sich selbst. Warum gerade die Topposition im Unternehmen oftmals schwierige Persönlichkeiten anzieht , hat mein Kollege Michael Machatschke anhand einer Vielzahl grandios gescheiterter Chefs untersucht. Die meisten der prominenten Fälle lassen sich einem von vier Grundtypen zuordnen: Narzissten, Blender, Entrückte und Überforderte.

Narzissten stellen die wohl größte Gruppe: Selbstverliebte Egos wie bei Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp (81), die vor lauter Selbstbespiegelung Probleme übersehen und Sanierungsfälle hinterlassen. Hinzu kommen Blender wie Kasper Rørsted (64), der es bei Adidas zur Meisterschaft im Windmachen brachte. Die Entrückten wie Ex-Bayer-Chef Werner Baumann (63) beharren stur auf ihren eigenen Wahrheiten – bei der Übernahme von Monsanto wollte Baumann die Haftungsrisiken partout nicht sehen. Und es gibt die Überforderten wie Ex-BMW-Chef Harald Krüger (60), denen es schlicht nicht lag, im Mittelpunkt zu stehen. Unsere Liste der gescheiterten CEOs zeigt zugleich, wie man Fehlbesetzungen vermeidet: Narzissten, Blender, Überforderte – viele CEOs scheitern an sich selbst.

Erst gefeiert, dann gescheitert: Ex-Boeing-Chef Dennis Muilenberg, Ex-Bahn-Managerin Sigrid Nikutta und Ex-Adidas-CEO Kasper Rørsted (v. l.)

Fotos [M]: Anna Moneymaker / Bloomberg / Getty Images, Bertold Fabricius / Welt / ullstein bild, Christian Charisius / dpa / picture alliance

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Der deutsche Aktienindex Dax hat heute erstmals in seiner Geschichte die Marke von 26.000 Punkten überwunden. Nicht weil plötzlich die guten Nachrichten sprudeln, sondern weil Investoren ohne triftigen Grund hoffen, dass die schlechten Nachrichten bald ein Ende nehmen. Seit Januar 2025 hat der Dax rund 30 Prozent zugelegt.

  • Sie meinen, Sie könnten angesichts schöner Aktiengewinne früher in Rente gehen? Pustekuchen. Der Druck auf die Bundesregierung, die „Rente mit 63“ abzuschaffen, nimmt zu. Ein abschlagsfreier früherer Rentenbeginn wäre der Todeskuss für die geplante Rentenreform, warnen Ökonomen.

  • Der britische Pharmariese AstraZeneca prüft angeblich eine Übernahme des US-Konkurrenten Bristol Myers Squibb. Das Gerücht über eine mögliche 400-Milliarden-Dollar-Fusion bewegte zwar kräftig die Kurse der beteiligten Unternehmen, macht aus Sicht von Branchenexperten aber strategisch keinen Sinn: Es wäre der „Fifa-Privatisierungs-Moment“ der Pharmabranche.

  • Der angekündigte Abgang von Biontech-Chef Uğur Şahin (60) hatte im Frühjahr für große Unruhe im Unternehmen gesorgt. Nun soll Guido Oelkers spätestens zum 1. Februar 2027 auf Şahin folgen und den Umbau zum auf Krebsmedizin spezialisierten Pharmaunternehmen vorantreiben. Mehrere Biontech-Produktionsstätten in Deutschland sollen geschlossen werden.

Der Aufsteiger des Tages:

  • Donald Trump (80) hat einen Großangriff auf Iran abgesagt. Das ist zunächst einmal gut für die Menschen in Iran. Gut auch für Investoren weltweit (siehe Dax-Rekord) und richtig gut für Trump selbst, der für seine Nachrichten auf Truth Social inzwischen einen Bezahldienst eingerichtet hat (100.000 Dollar pro Monat für den „Realtime“-Zugang). Fünf Monate nach dem Angriff auf Iran hat Trump endlich einen Weg gefunden, daraus Geld für die Familienkasse zu ziehen. Zumal er die zahlenden Abonnenten mit täglichen kursrelevanten Nachrichten (Straße von Hormus auf / zu / vielleicht bald wieder auf oder zu) bei der Stange halten kann. Dass der Krieg neben vielen Menschenleben die USA bereits rund 40 Milliarden US-Dollar gekostet hat, ist für Trumps Stufenplan der Selbstbereicherung nicht relevant. Und dass Nachbarstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate ins Schlingern geraten, ist zwar irgendwie „BAD“, aber auch nicht wirklich wichtig. Noch sind die VAE ja nicht Teil der USA .

Ich greife an – oder doch nicht – oder später: US-Präsident Donald Trump macht börsenrelevante Informationen aus dem Weißen Haus inzwischen zu Geld

Foto: Julia Demaree Nikhinson / AP

Der Absteiger des Tages:

  • „Never try to fuck a fucker.“ Frei übersetzt: Versuche nie, einen Trickser auszutricksen. Diese WhatsApp-Nachricht erhielt der schillernde Investor Florian Fritsch (48) im Juli 2021 von seinem Bruder Nicolas: Die Brüder feierten sich offenbar dafür, dass sie einen tückischen Vertrag auf den Weg gebracht hatten. Ausgetrickst werden sollte wohl ein früherer Freund von Florian: der erfolgreiche Start-up-Gründer Markus Fuhrmann (46), der unter anderem den Lieferdienst Delivery Hero mitgegründet hatte. Meine Kollegen Martin Hesse und Timo Schober vom SPIEGEL berichten über einen 108-Millionen-Euro-Krimi, den Abstieg von Fritsch in die Trickserszene und über eine Freundschaft mit beinahe fatalen Folgen .

Ich greife auch an: Investor Florian Fritsch sah sich einst als deutscher René Benko

Foto: Sebastian Reich / picture alliance

Was Sie in Ihrer Karriere voranbringt:

  • Lob ist schön. Eine Gehaltserhöhung auch. Aber beide können die Motivation nur kurz steigern, wie die emeritierte Harvard-Professorin Teresa Amabile im Gespräch mit meiner Kollegin Wiebke Harms erklärt. Sie beschreibt in unserem Leadership Weekly detailliert, was Menschen wirklich motiviert – und was das für eine Führungskraft bedeutet.

Meine Empfehlung für den Abend:

Fahrradmontage bei Accell: Dieser Mann weiß noch, wie man ein Fahrrad zusammenbaut

Foto: Screenshot: Accell Group / Youtube
  • Ich vermisse Fahrräder ohne Akku. Vor allem Jugendräder der Marken Kalkhoff, Sprick, Pegasus oder Stevens sehe ich kaum noch im Stadtbild: Für viele Menschen scheint ein platter Reifen oder ein defektes Ventil ein unüberwindbares Hindernis zu sein (Frage an ChatGPT: Wie pumpt man ein französisches Ventil auf?). Das Rad wird damit offenbar irreparabel und zunehmend durch E-Roller verdrängt, die dann alle 50 Meter quer auf dem Gehsteig stehen. Inmitten dieser düsteren Stimmung gibt mir die Nachricht Hoffnung, dass der klamme niederländische Fahrradriese Accell durch den finanzstarken asiatischen Investor Tri Star übernommen wird. Eine Firmengruppe, die zuvor schon einige in Not geratene deutsche Fahrradhersteller eingesammelt hat . Der Deal ist für Accell von entscheidender Bedeutung, wie mein Kollege Lutz Reiche schreibt. Nun drohen harte Sanierungsschritte. Ich warte auf den Tag, an dem ein verschlanktes, schlagkräftiges Accell mit vielen tollen Marken den E-Scooter wieder von der Straße schubst.

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