Elliott-Hedgefonds Paul Singer steigt offenbar beim Linde-Konkurrenten Air Liquide ein

Der aktivistische Hedgefonds Elliott hat offenbar mal wieder in Europa zugeschlagen und eine Beteiligung an dem französischen Industriegasekonzern Air Liquide aufgebaut. Das berichten die „Financial Times “ und Reuters unter Berufung auf Insider.

Demnach hat der von Paul Singer (82) gegründete Hedgefonds in den vergangenen Wochen Gespräche mit Air Liquide aufgenommen, nachdem er zuerst eine Position an dem Unternehmen aufgebaut habe. Wie groß der Anteil Elliotts ist, wurde zunächst nicht berichtet.

Die Aktie von Air Liquide zog am Dienstag kräftig an und notierte zuletzt knapp 3 Prozent im Plus. Erst im Juli hatte das Papier sein jüngstes Rekordhoch markiert. Der Gaskonzern ist mit einer Marktkapitalisierung von 111 Milliarden Euro Frankreichs achtgrößtes Unternehmen und zählt zu den weltweit größten Anbietern von Gasen wie Sauerstoff, Wasserstoff und Stickstoff, die vorwiegend in der Schwerindustrie eingesetzt werden.

Von Linde abgehängt

Die Gewinnmargen des französischen Konzerns hinken jedoch seit Langem denen des größten Konkurrenten Linde hinterher. Linde kommt auf eine Marktkapitalisierung von 226 Milliarden Dollar. Vor acht Jahren vereinbarte der deutsche Konzern Linde eine Fusion mit dem US-Unternehmen Praxair. Die Transaktion diente als Ausgangspunkt für eine umfassende Neuordnung und Optimierung der Geschäftstätigkeit – und war Grundstein von Lindes Triumph über Air Liquide.

Laut Reuters-Insidern habe Elliott in den monatelang andauernden Gespräche mit Air Liquide darauf gedrängt, die Margenlücke zum Rivalen Linde zu schließen. Analysten von Bernstein bezeichneten Air Liquide zwar als „keinen ⁠offensichtlichen Kandidaten ⁠für eine traditionelle aktivistische Kampagne“, aber es gebe „Raum für schrittweise Verbesserungen“, etwa durch einen Aktienrückkauf.

Elliotts aktivistische Kampagnen sind berüchtigt

Elliott verwaltet ein Vermögen von 80,3 Milliarden Dollar (knapp 70 Milliarden Euro) und war in den vergangenen Jahren in Europa sehr aktiv. Die aktivistischen Kampagnen des Investors sind berüchtigt: 2018 etwa hatte der Hedgefonds nach dem Aufbau einer Beteiligung von 2,5 Prozent Veränderungen beim Spirituosenhersteller Pernod Ricard gefordert. Anfang dieses Jahres drängte Elliott auf einen Managementwechsel bei Norwegian Cruise Lines, nachdem er einen 10-Prozent-Anteil an dem Unternehmen erworben hatte.

Besonders im Industriesektor blickt Elliott auf langjährige Erfahrung: Zuletzt hatte der Hedgefonds die Dreiteilung des US-Konzerns Honeywell maßgeblich beeinflusst, außerdem hielt er Beteiligungen an dem Londoner Ölkonzern BP, der London Stock Exchange Group sowie am deutschen Energieunternehmen RWE.

Air Liquide verfügt auch über eine Elektroniksparte. Sie ist weltweit der größte Anbieter von hochreinen Gasen, die bei der Herstellung von KI-Chips eingesetzt werden, und erwirtschaftet rund 10 Prozent des Konzernumsatzes. Analysten forderten zuletzt mehr Informationen von Air Liquide, wie diese Sparte von der Geldflut aus dem KI-Boom profitieren kann. Die Bank of America prognostiziert für das Geschäft jährliche Wachstumsraten von 15 bis 20 Prozent.