Angriff von UniCredit Die Schlacht um die Commerzbank – eine Chronologie
Seit 2024 versucht sich die UniCredit an der Übernahme der deutschen Commerzbank. Es fing mit dem Kauf von Aktien an, die der Bund hielt. Der stieg inmitten der Finanzkrise Ende 2008/09 in einer Rettungsaktion ein. Zunächst über eine stille Einlage und im Zuge der Rettung auch mit 25 Prozent plus eine Aktie als Aktionär. Damals hatte die Pleite von Lehman Brothers die Finanzwelt erschüttert, die Commerzbank war jedoch auch mit der Übernahme der Dresdner Bank erhebliche Kreditrisiken eingegangen und so in Schieflage geraten. Nun droht sie selbst übernommen zu werden. Und so kam es dazu:
10. September 2024: Der Bund startet den Verkauf eines Teils seiner Commerzbank-Aktien.
11. September 2024: Die UniCredit erwirbt im Zuge eines Teilveräußerungsprozesses ein erstes Commerzbank-Aktienpaket vom Bund. Die italienische Großbank hat jedoch auch noch weitere Aktien am Markt gekauft. So kommt das italienische Bankhaus auf eine 9-prozentige Beteiligung, die Hälfte stammt vom Staat. Wie der UniCredit dieser überraschende Coup gelang, lesen Sie hier in der Rekonstruktion .
20. September 2024: Nach Kritik von der Commerzbank wie auch aus politischen Reihen beschließt der Bund, bis auf Weiteres keine Commerzbank-Aktien mehr zu verkaufen.
23. September 2024: Die UniCredit meldet, dass sie sich über Finanzderivate zusätzliche 11,5 Prozent gesichert und insgesamt (inklusive Derivate) eine deutlich höhere Position erreicht habe. Die Italiener beantragen bei der Bankenaufsicht, ihre Beteiligung auf bis zu 29,9 Prozent erhöhen zu dürfen. Arbeitnehmer im Commerzbank-Aufsichtsrat werten das Vorgehen als „völlig unangemessenen, aggressiven Akt“. Auch der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (67; SPD) übt Kritik an dem Vorgehen. Der Commerzbank-Vorstand kündigt an, weiter „strategische Optionen“ prüfen zu wollen.
1. Oktober 2024: Bettina Orlopp (55) tritt ihr Amt als Vorstandsvorsitzende der Commerzbank an und löst damit ihren Vorgänger Manfred Knof (60) ab. Wie die neue Chefin die Übernahmeversuche der UniCredit damals abwehren wollte, lesen Sie hier . Und hier ein Porträt, warum Orlopp 2025 vom manager magazin zur Managerin des Jahres gekürt wurde.
14. April 2025: Das Bundeskartellamt gibt die Übernahme eines Minderheitsanteils an der Commerzbank durch die UniCredit ohne Auflagen frei.
14. Mai 2025: Im Abwehrkampf einigt sich die Commerzbank mit dem Betriebsrat auf einen Stellenabbau von fast 4000 Stellen. Dafür wurde ein Sozialplan vereinbart. Ein Grund: Orlopp will die Wettbewerbsfähigkeit der Bank stärken, hofft damit auf einen höheren Aktienkurs, um den Preis für die UniCredit möglichst hoch zu halten.
10. Juni 2025: In einem Brief stellt sich Bundeskanzler Friedrich Merz (70) gegen die Übernahmepläne der UniCredit und hinter die Commerzbank. „Ich teile die Ansicht des Bundesministers der Finanzen, dass ein unabgestimmtes und unfreundliches Vorgehen wie das der UniCredit Group nicht akzeptabel ist“, schrieb Merz an den Vorsitzenden des Commerzbank-Konzernbetriebsrates, Sascha Uebel.
8. Juli 2025: Die UniCredit wandelt einen Teil von Instrumenten in Aktien um und wird zum dominierenden Aktionär. Die zuvor erworbenen Derivate seien in Commerzbank-Aktien getauscht worden, heißt es aus Mailand. Damit halte die UniCredit rund 20 Prozent der Anteile und der Stimmrechte – doppelt so viel wie bisher. Zuvor war der Bund mit 12 Prozent größter Aktionär der Commerzbank.
Angriffslustig: UniCredit-Chef Andrea Orcel
Foto: Remo Casilli / REUTERS6. August 2025: Die Commerzbank kündigt im Kampf gegen die Übernahme milliardenschwere Aktienrückkäufe an.
25. August 2025: Die UniCredit meldet, ihren direkten Aktienanteil an der Commerzbank auf rund 26 Prozent erhöht zu haben. Zugleich kündigte die Mailänder Großbank an, ihre verbleibenden Finanzinstrumente „zu gegebener Zeit“ ebenfalls in Commerzbank-Aktien umzuwandeln, womit sich der Anteil auf etwa 29 Prozent summieren würde. Die Commerzbank wehrt sich weiterhin gegen eine Übernahme.
Oktober 2025: Das manager magazin enthüllt , dass es 2024 in der ersten heißen Phase des Übernahmepokers zwischen der UniCredit und der Commerzbank zu einem geheimen Treffen der beiden CEOs – UniCredit-Chef Andrea Orcel (62) und der damalige Commerzbank-Chef Knof – kam. Arrangiert hatte es einer der größten Strippenzieher der italienischen Wirtschaft .
16. März 2026: Orcel kündigte ein freiwilliges Übernahmeangebot für die Commerzbank an. Es ist allerdings wenig lukrativ. Offiziell soll das Angebot voraussichtlich Anfang Mai vorgelegt werden, mit einer Angebotsfrist von vier Wochen. Der italienischen Großbank zufolge hält UniCedit „aktuell rund 26 Prozent an der Commerzbank direkt und 4 Prozent über Finanzinstrumente“. Damit würde der Anteil auf zusammen 29,9 Prozent steigen. Das Ziel ist, die 30-Prozent-Hürde zu erreichen.
Das jetzige Angebot wird von Experten als taktisches Manöver gewertet. Commerzbank-Betriebsratschef Uebel: „Das ist die nächste Stufe der Unverschämtheit. Das ist nicht nur unabgestimmt, das ist feindlich.“ Verdi warnt derweil, dass eine Übernahme den Abbau Tausender Stellen bei der Commerzbank bedeuten könnte.
18. März 2026: UniCredit-Chef Andrea Orcel hat das Übernahmeangebot für die Commerzbank verteidigt und erstmals Gesprächsbereitschaft für bessere Konditionen signalisiert.
20. April 2026: Die UniCredit hat Details zu der geplanten Übernahme der Commerzbank vorgelegt . Alles läuft auf einen Kulturkampf hinaus – und auf die Frage, ob das internationale Geschäft mit Mittelständlern unter einem CEO Andrea Orcel eine Zukunft hat.
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- Commerzbank-Chefin: Bettina Orlopp „überrascht“ von Treffen zwischen Vorgänger und UniCredit-Chef1 Min1 Min
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22. April 2026: Der frühere Commerzbank-Chef Manfred Knof hatte seiner Bank ein pikantes Treffen mit UniCredit-Chef Andrea Orcel verschwiegen. Dafür zahlt er jetzt eine Strafe.
5. Mai 2026: Die UniCredit legt ein offizielles Angebot für Commerzbank vor.
8. Mai 2026: Die Commerzbank gibt bekannt, nochmal 3000 Stellen abzubauen.
18. Mai 2026: CEO Bettina Orlopp und der Aufsichtsrat der Commerzbank empfehlen ihren Aktionären, das Angebot der UniCredit nicht anzunehmen. Trotzdem konnte das italienische Bankhaus ihren Anteil an der Bank auf 38,9 Prozent aufstocken.
3. Juni 2026: Etwa ein Drittel der Anteile sind der UniCredit schon sicher. Inklusive weiterer Finanzinstrumente haben sie womöglich sogar schon Zugriff auf mehr als 50 Prozent. Öffentlich wird gefragt, wer der UniCredit Commerzbank-Aktien zum Tiefpreis verkauft haben könnte. Die Commerzbank fordert die Bafin auf, den Vorgang zu prüfen.
9. Juni 2026: Die UniCredit baut ihren Commerzbank-Anteil weiter aus. Nachdem das Geldhaus aus Mailand bisher schon 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien gehalten hatte, steigt ihre Beteiligung mit den angedienten Aktien nun rechnerisch auf 37,68 Prozent.
10. Juni 2026: Die Commerzbank wirft der UniCredit vor, nicht sauber zu spielen und Aktien über verbündete Marktteilnehmer einzusammeln. Die UniCredit weist die Vorwürfe zurück.
12. Juni 2026: Der Betriebsrat der Commerzbank will eine Strafanzeige gegen die italienische Großbank stellen. Als Grund wird der Verdacht der Marktmanipulation und Irreführung angeführt.
16. Juni 2026: Der Übernahmekampf zwischen Commerzbank und UniCredit wird mit immer härteren Bandagen geführt. Die Staatsanwaltschaft soll einem Bericht von „Bloomberg“ zufolge Einzelheiten zu den Erklärungen der UniCredit gegenüber der Bafin prüfen. Es bestehe der Verdacht, dass die Informationen über den Stand des Übernahmeangebots die Märkte irregeführt haben könnten. Vom Bund, der immer noch 12 Prozent der Anteile hält, hieß es zudem, man unterstütze die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank und lehne „das aggressive Vorgehen“ der UniCredit ab.
17. Juni 2026: Es wird bekannt, dass die beiden CEOs – kurz bevor der Streit zwischen UniCredit und Commerzbank eskalierte – über eine friedliche Lösung samt höherem Angebot gesprochen haben. Doch die geheime Telefondiplomatie scheiterte, wie Recherchen vom manager magazin zeigen.
19. Juni 2026: Die UniCredit verlängert ihr Angebot zum Kauf aller Commerzbank-Aktien bis 3. Juli. Schon bis zum 16. Juni, dem ursprünglichen Angebotsende, will die Bank knapp 40 Prozent der Anteile an der Commerzbank halten. Mehr als 12 Prozent der Commerzbank-Aktionäre hätten den Italienern ihre Papiere angedient, hieß es.
25. Juni 2026: Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp widerspricht der UniCredt: Großinvestoren wie Vermögensverwalter seien der Bank treu geblieben. Die Commerzbank verdächtigt die italienische Großbank, ihre Aktienposition aufzublähen.
8. Juli 2026: Die UniCredit meldet, dass sie sich mit ihrem Aktientauschangebot mehr als 44 Prozent der Anteile an der Commerzbank sichern konnte. Über zusätzliche Optionen hätte sie die Möglichkeit, den Anteil auf knapp 48 Prozent aufzustocken.