Machtkampf UniCredit will offenbar Führungsspitze der Commerzbank kippen
UniCredit-Chef Andrea Orcel (63) strebt Insidern zufolge im Zuge der Übernahme der Commerzbank die Ablösung der Führungsspitze des Geldhauses an. Vorstandschefin Bettina Orlopp (56) solle nach seinem Willen den Hut nehmen, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Orcel spreche sich zudem gegen Forderungen der Bundesregierung aus, zwei Sitze im Aufsichtsrat der Commerzbank zu behalten.
Die italienische Großbank, die sich nach ihrem spektakulären Coup einer Übernahme des deutschen Konkurrenten nähert, wolle auch, dass Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann (58) seinen Posten räume, hieß es von zwei der Insider. UniCredit und die Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab. Das Bundesfinanzministerium wollte sich ebenfalls nicht weiter äußern. Finanzminister Lars Klingbeil (48) sagte indes am Nachmittag, das Ministerium wolle in den Gremien der UniCredit vertreten sein. Die Aktie der Commerzbank zog am Dienstagnachmittag leicht an.
Klingbeil und Orcel hatten sich am Montag in Berlin getroffen. „Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt – sowohl in Deutschland als auch international“, hatte Klingbeil nach dem Gespräch gesagt. Die Bundesregierung hatte sich lange gegen ein solches Treffen gestemmt, weil sie das Vorgehen der italienischen Großbank als aggressiv und feindlich empfand. Mittlerweile kontrollieren die Mailänder aber rund 50 Prozent der Commerzbank-Anteile, sodass eine Übernahme nicht mehr aufzuhalten ist.
Wie einigen sich Orcel und der Bund?
In Kreisen des Ministeriums hieß es zudem, der Bund wolle seine zwei Vertreter im Aufsichtsrat behalten, solange er Anteile an der Bank hält. Weil Deutschland künftig der größte Markt für die UniCredit sein wird, solle die Commerzbank auch in den Führungsgremien der UniCredit vertreten sein. Betriebsbedingte Kündigungen will der Bund verhindern. Der Bund hält nach den jüngsten Veränderungen 13,3 Prozent an der Commerzbank.
Orcel hatte nach dem Treffen gesagt, er sei dankbar für die Gelegenheit, seine Prioritäten erläutern zu können und erstmals auch die Sichtweise Klingbeils zu verstehen. „Wir hatten ein gutes und konstruktives erstes Gespräch, dem rasch weitere folgen werden.“ Nun sei es Aufgabe beider Seiten, zu klären, wie ein Weg nach vorn gefunden werden könne.
Ein Sprecher des Finanzministeriums hatte zudem in Berlin gesagt, beide Banken seien mittlerweile in einer neuen Phase. Es werde jetzt konkret über eine Transaktion verhandelt, also ein Zusammengehen. „Das heißt, da geht es jetzt gerade nicht nur um eine feindliche Übernahme, sondern darum, den besten Weg für beide Banken zu finden.“
- 17 Min
- 3 Min
- 3 Min
Orlopp hatte in der Vergangenheit Kritik am Vorgehen der UniCredit geübt und auf die Unabhängigkeit der Commerzbank gepocht. Zuletzt hatte sie zu ihrer eigenen Rolle gesagt, ihr Vertrag laufe bis 2029. Eine Zusammenarbeit sei jedoch an ein Vertrauensverhältnis und eine gemeinsame Strategie mit dem Aufsichtsrat geknüpft. Sollte es hierbei zu keiner Einigung kommen, müssten Konsequenzen gezogen werden.
Hier lesen Sie den Inside-Bericht über den Commerzbank-Coup des UniCredit-Chefs.