Börse am Abend Hohe Ölpreise drücken Dax tief ins Minus
Der weiter steigende Ölpreis hat zur Wochenmitte die Kurse im deutschen Aktienhandel stark belastet. Der Dax fiel am Mittwoch bei hohen Umsätzen um 433 Punkte oder rund 1,7 Prozent auf 25.576 Zähler. Der Leitindex rutschte damit auf das Niveau von Ende Juli. Für den MDax der mittelgroßen Börsentitel ging es um 1,4 Prozent auf 32.078 Zähler nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte ebenfalls 1,6 Prozent leichter.
Die Investoren fürchteten weitere Störungen der Ölproduktion und -transporte und preisten folglich höhere Energiepreise für längere Zeit ein, schrieb Stratege Jim Reid von der Deutschen Bank. „Die Skepsis nimmt zu, dass die Ölpreise in den kommenden Monaten deutlich zurückgehen“.
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Die Marktteilnehmer dürften sich aber auch mit Blick auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag mit Aktienkäufen zurückgehalten haben. Erwartet wird die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr. Höhere Zinsen lassen Aktien gegenüber festverzinslichen Anleihen weniger attraktiv erscheinen.
Mit Blick auf Einzelwerte hatte die Deutsche Börse eine Wandelanleihe platziert. Damit sollen allgemeine Unternehmenszwecke und Verbindlichkeiten finanziert werden. Die Aktien des Börsenbetreibers verloren 2,3 Prozent.
Die Deutsche Bank hatte die Papiere von Beiersdorf zum Verkauf empfohlen. Die europäischen Konsumgüterkonzerne notierten relativ zum Gesamtmarkt auf dem tiefsten Niveau seit 18 Jahren, schrieb Experte Tom Sykes. Daher stelle er zwar immer wieder seine Underperformance-These auf den Prüfstand. Unglücklicherweise aber dürften die Geldbeutel der Konsumenten dem Wirtschaftswachstum auch künftig nicht folgen können, was die Gewinne und Bewertungen der Branche weiter unter Druck setze. Die Anteilsscheine von Beiersdorf fielen ebenfalls um 2,3 Prozent.
Unter den wenigen Gewinnern im Dax legten die Papiere von RWE um 1,7 Prozent zu. Am Markt wurde auf einen Stromabnahmevertrag zwischen dem Suchmaschinenbetreiber Google und dem finnischen Energieversorger Fortum verwiesen. Die Vereinbarung untermauere für die Versorgungsunternehmen in der Europäischen Union das Thema „Energie für künstliche Intelligenz“, schrieb Experte Ahmed Farman vom Analysehaus Jefferies. Er sprach von einem positiven Signal nicht zuletzt für RWE. Die Essener hätten bereits auf die potenziellen Chancen durch die Nachfrage von Rechenzentren hingewiesen.
Als Schlusslicht im MDax sackten die Aktien des Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1 um 6,5 Prozent ab. Für Verunsicherung hatte offenbar gesorgt, dass der Finanzchef Christian Wallentin sein Amt aus familiären Gründen niederlegt. Mitgründer und Vorstandschef Christian Bertermann übernimmt bis zur Nachbesetzung die Verantwortung für das Ressort.
Rüstungswerte unter Druck
Kursgewinne deutscher Rüstungsaktien vom Vortag nutzten Anleger am Mittwoch schon wieder für Verkäufe genutzt. Die Aktien von Rheinmetall, Renk und Hensoldt hatten am Dienstag noch gewonnen und notierten jetzt mit rund 3,7 Prozent in der Verlutzone.
Im Handel wird darauf verwiesen, dass die Aktien trotz der jüngsten Verluste noch immer hoch bewertet seien. Rheinmetall sind seit Jahresbeginn größter Verlierer im Dax mit minus fast 35 Prozent. Renk-Aktien haben im laufenden Börsenjahr fast ein Fünftel eingebüßt. Hensoldt sind eine Ausnahme mit einem Plus von 9 Prozent.
Wall Street: Hohe Energiepreise lähmen Anleger
Hohe Ölpreise und Zinssorgen ziehen die US-Börsen erneut nach unten. Der Dow Jones gab zuletzt 0,9 Prozent auf 52.405 Zähler nach. Der breiter gefasste S&P 500 verbuchte ein Minus von 0,6 Prozent. Der Tech-Index Nasdaq 100 büßte zuletzt noch 0,4 Prozent auf 29.425 Zähler ein. Wegen der Spannungen im Nahen Osten fürchteten Anleger anhaltend hohe Energiepreise. „Das große Thema des Tages sind die Ölpreise und sie belasten die Aktienmärkte“, sagte Peter Cardillo, Ökonom bei Spartan Capital Securities.
Meta legt deutlich zu, Apple-Aktie vor Präsentation im Minus
Bei den Einzelwerten zogen die Aktien von Meta rund 7 Prozent an, nachdem der Facebook-Mutterkonzern einen lange angekündigten KI-Assistenten eingeführt hat, der für Nutzer selbstständig E-Mails versenden, ein Auto verkaufen oder Reisen buchen kann. Apple-Aktien notierten vor der erwarteten Präsentation des neuen iPhones rund ein Prozent leichter. Der neue Konzernchef John Ternus wird voraussichtlich das erste faltbare iPhone vorstellen. Analysten versprechen sich von diesem kleinen, aber wachstumsstarken Markt für hochpreisige Smartphones steigende Gewinnmargen.
Ölpreise legen weiter zu
Der Ölpreis ist am Mittwoch erstmals seit Mitte Juli wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel gesprungen. Anleger befürchten wegen der eskalierenden Angriffe im Nahen Osten eine Unterbrechung der Öllieferungen aus der Region. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 2,2 Prozent auf 100,44 Dollar. Die US-Sorte WTI legte um 1,8 Prozent auf 94,73 Dollar zu.
Seit Anfang August ist der Preis für Brent-Öl um ein Viertel gestiegen, da die Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung des seit sechs Monaten andauernden Krieges zwischen den USA und dem Iran schwindet. Vor Beginn des Krieges hatte der Preis bei rund 70 Dollar gelegen.
Analysten zufolge könnten anhaltende Angriffe die Bemühungen erschweren, die Öllieferungen zu den Weltmärkten aufrechtzuerhalten, auch wenn Saudi-Arabien bereits einige Exporte um die Straße von Hormus herumgeleitet hat. Mehrere Banken, darunter Goldman Sachs, die Bank of America und HSBC, haben in den vergangenen Tagen ihre Ölpreisprognosen angehoben.
„Warnsignal für die gesamte Wirtschaft“
Höhere Ölpreise schüren an den Finanzmärkten Inflationsängste, da viele Volkswirtschaften stark von Energieimporten abhängig sind. „Ein Preis von 100 Dollar für Brent sollte nicht nur als psychologischer Meilenstein betrachtet werden. Dies ist ein Warnsignal für die gesamte Wirtschaft“, sagte Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova. Höhere Ölpreise führen zumeist auch zu höheren Benzinpreisen, was potenziell zu Unmut in der Bevölkerung über ihre jeweiligen Regierung führt.