Handelsstreit mit den USA Kanada verhängt Gegenzölle – Trump droht Flugzeugbauer Bombardier
Zuerst haben die USA Zölle verhängt, nun sind die von Kanada verhängten Gegenzölle in Kraft getreten. Die Aufschläge in Höhe von 15 bis 50 Prozent betreffen eine Reihe von US-Waren im Gesamtwert von 20 Milliarden Dollar, darunter Stahl- und Aluminiumprodukte sowie Milchprodukte. Betroffen sind nach früheren Angaben auch Haushaltsgeräte, landwirtschaftliche Ausrüstung, Zellstoff und Papier sowie Elektronik. Einige Meeresfrüchteprodukte wurden von der ursprünglichen Liste jedoch gestrichen.
Handelsgespräche zwischen den USA und Kanada waren zuletzt gescheitert. Die USA hatten danach im August Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar verhängt – darunter etwa Hockeyschläger, Möbel, Honig und Wein. Kanada kündigte daraufhin die Gegenzölle an.
US-Präsident Donald Trump (80) machte unterdessen Stimmung gegen den kanadischen Flugzeugbauer Bombardier. Er droht damit, dem Unternehmen den Vertrieb seiner Maschinen in den USA zu untersagen, sofern es nicht im Land produziert. „Kein Verkauf von Bombardier mehr in den Vereinigten Staaten! Ihre Produkte sind nicht gut genug!“, erklärte Trump am Montag auf seiner Onlineplattform Truth Social. Wenn der Konzern den US-Markt wolle, müsse er auch dort fertigen und aufhören, Amerika wie ein „Sparschwein“ zu behandeln.
Das US-Präsidialamt äußerte sich zunächst nicht dazu, wie ein solches Verbot umgesetzt werden könnte. Auch von Bombardier lag keine Stellungnahme vor.
Auslöser ist Streit über US-Rivalen Gulfstream
Branchenexperten bezweifelten, dass sich ein Verkaufsstopp rechtlich durchsetzen lässt. Die Flugzeuge von Bombardier sind von der US-Luftfahrtbehörde FAA zugelassen und fallen unter das von Trump in seiner ersten Amtszeit mitausgehandelte Freihandelsabkommen USMCA.
Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist global stark vernetzt und blieb von Trumps Zollpolitik bislang weitgehend verschont. Der US-Sektor verzeichnete zuletzt einen Handelsüberschuss von 109,2 Milliarden Dollar.
Bombardier, ein Rivale des US-Herstellers Gulfstream, ist entgegen Trumps Vorwürfen bereits stark in den USA vertreten. Das Unternehmen aus Montreal beschäftigt dort 3500 Mitarbeiter, arbeitet mit 2800 Zulieferern zusammen und betreibt mehrere Werke sowie Servicezentren. Unter anderem werden in Texas die Tragflächen für das Flaggschiff Global 8000 gefertigt, während in Kansas eine Rüstungssparte angesiedelt ist. Etwa die Hälfte der weltweit 5100 im Einsatz befindlichen Bombardier-Maschinen befindet sich in den USA.
Bereits im Januar hatte Trump gedroht, Geschäftsflugzeugen der Kanadier die Zulassung zu entziehen und Strafzölle von 50 Prozent zu verhängen, um die kanadische Zertifizierung für mehrere Gulfstream-Modelle zu erzwingen. Trump stieß sich damals daran, wie Kanada mit dem US-Hersteller von Geschäftsflugzeugen, Gulfstream, umgegangen sei. Seinen damaligen Worten zufolge habe das Nachbarland mehreren Modellen des Bombardier-Konkurrenten keine Betriebsgenehmigungen erteilt.
Trump postet provokante Karte
Zuvor hatte Trump bereits eine geografische Karte Nordamerikas auf Truth Social gepostet. Auf dieser war Kanada auch in die Farben der US-Flagge gehüllt. Trump brachte in der Vergangenheit immer wieder ins Spiel, dass das Nachbarland 51. Bundesstaat der USA werden könnte.