manage:mobility Ein Trump-„Gigant“ will BMW einen Zolldeal einfädeln
bevor wir uns – natürlich nur beim Newsletter – bis zum 20. August eine kurze Sommerpause gönnen, gibt es noch mal die volle Ladung Autodrama. Die Halbjahresbilanzen fallen trist bis dramatisch aus: rückläufige Gewinne bei Volkswagen, bei Mercedes brach das operative Ergebnis im Autogeschäft gar um satte 94 Prozent ein. Premiumwettbewerber Audi kappte seine Prognose für das weitere Jahr.
Und BMW? Die Münchner legen ihre Halbjahresbilanz am heutigen Donnerstag vor, und auch die bajuwarischen Zahlen werden überhaupt nicht glänzen. Vorab berichtete mein Kollege Franz Anko-Hubik bereits, wie Neuchef Milan Nedeljković (57) die Zügel anziehen wird. Bis 2027 streicht der Konzern 8000 Stellen und siebt im Topmanagement aus. Was neben dem Sparen helfen könnte? Vielleicht ja prominente Unterstützung aus den USA. Mehr dazu in einem unserer Themen der Woche:
Wie Volvo die Marke Polestar zurückgewinnt
Wie ZF Friedrichshafen schon wieder den Vorstand umbaut
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Thema der Woche: Wie BMW gegen die Zölle in den USA schmeichelt
Hofft auf einen Zolldeal: BMW-Chef Milan Nedeljković Ende Juni im US-Werk in Spartanburg
Foto: Jason Walle / APChina? Wird für BMW (wie für die anderen deutschen Autobauer) bis auf Weiteres nicht mehr die Cashcow sein. Europa? Wird immer umkämpfter. Bleiben noch die USA. Dort steigerte BMW seinen Absatz im ersten Halbjahr um 5 Prozent, alles könnte wunderbar sein. Eigentlich. Den Partycrasher spielt Donald Trump (80). Hält der Präsident an seinem 15-Prozent-Einfuhrzoll fest, wird das BMW in diesem Jahr wohl mehr als eine Milliarde Euro Gewinn kosten. Besonders bitter in Zeiten, da der Konzern ohnehin Tausende Jobs streicht. Helfen wollen jetzt in den USA mächtige Autohändler. Hier erfahren Sie, wie sie die US-Regierung in einem zweiseitigen Brief umschmeicheln.
Köpfe: Mathias Miedreich ++ Michael Leiters ++ Maria Grazia Davino ++ Ralph Petersen
Künftig auch Chassis-Chef: ZF-CEO Mathias Miedreich
Foto: Felix Kästle / ZF / dpaVor Friedrichshafen fegte gerade eine gewaltige Wasserhose über den Bodensee, und auch beim ortsansässigen Zulieferer ZF Friedrichshafen weht schon wieder eine steife Brise. Erst musste Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich (58) vor dem Ravensburger Arbeitsgericht erscheinen. Die Christliche Gewerkschaft Metall wollte ihn aus dem Amt entheben lassen, weil er Betriebsrats- und IG-Metall-Interessen vermische. Vor Gericht zog die CGM ihren Antrag zurück, Anhänger feierten Dietrich als „Campione“. Dann ging es im Vorstand zur Sache: Die Wechsel und Beförderungen in den großen Divisionen für Fahrwerke und Getriebe betreffen auch CEO Mathias Miedreich (51) .
Bei Porsche arbeitet seit Jahresbeginn Michael Leiters (54) an der Sanierung des Sportwagenherstellers. Erste Hürden konnte der neue Chef nehmen, mit dem Betriebsrat hat er sich gerade auf den Abbau weiterer 5000 Stellen verständigt . Porsches jüngste Zahlen signalisieren zumindest etwas Stabilität: Leiters bekräftigte am Mittwoch die Jahresprognose, Porsche rechnet mit einer Umsatzrendite zwischen 5,5 und 7,5 Prozent.
Es gibt nur wenige Automarken, die sich in den vergangenen Jahren in Europa gegensätzlicher entwickelt haben als BYD und Ford. Die einen (BYD) auf einem aggressiven Eroberungskurs, die anderen (Ford) im freien Fall. In der Gemengelage lässt ein Personalwechsel aufhorchen: Mit Maria Grazia Davino (48) wechselt eine der prägenden BYD-Managerinnen ausgerechnet zu: Ford . Sie wird Europa-Vertriebschefin. 再见 (tschüss) neue und hello again alte Autowelt.
Customcells wollte einst Batterien für Supersportwagen und Flugtaxis bauen, manövrierte sich damit aber in die Insolvenz. Im vergangenen Sommer rettete ein Investorenkonsortium das Unternehmen aus Itzehoe. Seitdem heißt die neue Richtung: Rüstung. Customcells will den Verteidigungssektor mit „hochindividuellen“ Akkus ausstatten. Das Kommando übernimmt dabei Ralph Petersen. Der frühere Chef der Werft Blohm+Voss wird neuer Customcells-Geschäftsführer.
Unternehmen: Volvo ++ Mobileye ++ Volkswagen ++ Toyota ++ Boeing
Countdown für den Ruhestand: Volvo-CEO Håkan Samuelsson
Foto: Adam Ihse / TT NEWS AGENCY / picture allianceIn der Autoindustrie würde so mancher liebend gern die Zeit zurückdrehen. Bei Volvo bleibt es nicht bei der Sehnsucht nach vergangenen Zeiten. Dort versucht man es offenbar tatsächlich mit einem Retrokurs. Altgediente Manager sind zurückgekehrt, allen voran Langzeitchef Håkan Samuelsson (74). Der hatte Volvo einst Polestar einverleibt, ließ die Tochter wenig später aber von der Leine. Wirklich stabil steht die Marke seither nicht, und schon scheint es, als werde auch Polestar bald wieder im sicheren Mutterhafen Volvo anlegen. Und nicht nur das: Auch personell könnte Polestar bei der Suche nach einem endgültigen Nachfolger für Samuelsson eine entscheidende Rolle spielen.
Auf einen ehemaligen CEO wird der Technologiekonzern Mobileye bei der Suche nach einem neuen Chef kaum stoßen: Seit der Gründung vor 27 Jahren ist Amnon Shashua (66) der starke Mann bei den Israelis. Nun hat Shashua seinen Rücktritt angekündigt, sobald ein Nachfolger für ihn gefunden ist. Mobileye ist unter anderem für Volkswagen ein Partner für Fahrerassistenzsysteme und Technik fürs autonome Fahren.
Wo wir schon bei Volkswagen sind, noch einmal kurz zurück zum Sparprogramm bei Porsche. CEO Leiters streicht zwar Stellen, gibt den deutschen Standorten im Gegenzug aber eine Bestandsgarantie bis 2035. Und das in Zeiten, da Konzernchef Oliver Blume (58) gleich eine ganze Reihe deutscher VW- und Audi-Werke infrage stellt. Der Boss gibt sich unbeeindruckt: Bis Ende des Jahres will er seinen Sparplan festzurren.
Anders als an selbstfahrende Autos glauben in der Pkw-Welt nur noch wenige an den großen Durchbruch von Wasserstofffahrzeugen. Bessere Chancen könnte die Antriebstechnik bei Nutzfahrzeugen haben. Darauf hofft beispielsweise Toyota und steigt neben den bisherigen Investoren Daimler Truck und Volvo gleichberechtigt beim Brennstoffzellenhersteller Cellcentric ein.
Der Auftrag, eine Präsidentenmaschine zu bauen, klingt für einen Flugzeughersteller nach Prestige. Für Boeing entwickelt sich das Projekt Air Force One stattdessen zum Desaster. Die neuen „fliegenden Festungen“ für Donald Trump verzögern sich weiter, zum Ärger des US-Präsidenten. Die Mehrkosten summieren sich inzwischen auf mehr als 3 Milliarden Dollar und halten Boeing trotz einer ansonsten gar nicht mal so schlechten Bilanz in den roten Zahlen.
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Deepdrive: Elons Glaskugel
Reichster Mensch der Welt: Unternehmer Elon Musk mag steile Thesen
Foto: Brendan Smialowski / AFPGinge es nach Elon Musk (55), sollte man nur einen Menschen fragen, wenn man Antworten darauf haben will, wie die Zukunft aussieht: Elon Musk. „Die Leute begreifen nicht, dass das, was ich sage, eintreffen wird“, zeichnet der Tesla- und Space-X-Boss das Selbstbild einer modernen Cassandra. Auch sonst war Musk im Interview mit dem „Economist“ um knallige Aussagen nicht verlegen. Geld? Hält er in zehn Jahren für irrelevant. Extreme rechte Bewegungen in Europa? Für Musk „normale Menschen“, die von den Medien falsch dargestellt werden. Großbritannien? Sieht Musk innerhalb der nächsten 20 Jahre im Bürgerkrieg versinken. Und ansonsten? Dreht es sich vor allem um KI. Zur Nachlese geht es hier.
Geisterfahrer der Woche
Der Kanzler und sein Notkandidat: Friedrich Merz (l.) mit dem neuen Verkehrsminister Steffen Bilger
Foto: Filip Singer / EPAMit ihrem Reformpaket schien die Bundesregierung nach einer enttäuschenden Startphase ein wenig Tritt zu fassen. Bei Instagram feierte die CDU Friedrich Merz (70) schon als lässigen „Reformkanzler“. Stehen die Zeichen endlich auf Aufbruch? Nicht so eilig. Denn wo ein Merz, da oft ein Schmerz. Mit der Posse um die geplante Entlassung des Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder (58; CDU), die in dessen Rücktritt mündete, vergrätzte Merz Teile seiner eigenen Partei. Die niedersächsische CDU will sich mit dem Kanzler vorerst nicht mehr treffen. Schnieders hoffnungslosen Kampf mit der Deutschen Bahn darf nun Steffen Bilger (47; CDU) übernehmen. Aber auch nur, weil Merz’ Wunschkandidat Fritz Güntzler (60; CDU) absprang. Im Bahn-Jargon könnte man sagen: Zugausfall wegen verpatztem Personalwechsel.
Kommen Sie pünktlich durch die nächste Zeit. Wir hören uns wieder am 20. August.
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