Ermittlungen wegen Sabotage RWE-Kraftwerksblöcke nach mutmaßlichem Anschlag lahmgelegt

Die deutsche Energieinfrastruktur ist erneut Ziel eines Sabotageaktes geworden. Nach dem Anschlag in Brandenburg sei ‌es am Dienstagabend auch im rheinischen Rommerskirchen im Umfeld der Amprion-Umspannanlage zu einem Vorfall gekommen, teilten der Energiekonzern RWE und der Anlagenbetreiber Amprion am Mittwoch mit.

Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen, erklärte ein Polizeisprecher. RWE teilte mit, infolge des Vorfalls seien fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke im Rheinischen Revier mit einer Kapazität ‌von 4200 Megawatt (MW) vom Netz gegangen. Die Stromversorgung der Bevölkerung sei aber nicht beeinträchtigt gewesen.

Inzwischen wird wegen verfassungsfeindlicher Sabotage ermittelt. Unbekannte hätten Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (74; CDU). „Das war Absicht. Wer da ran geht, greift unser Land an“, so Reul. „Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus.“

Brandenburgs Innenminister nimmt „linksextremes Spektrum“ und „fremde Mächte“ ins Visier

Der Zwischenfall in Rommerskirchen ereignete sich kurz nach dem Anschlag auf ein Umspannwerk nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg. Unbekannte haben dort den ‌Behörden zufolge versucht, einen großflächigen Stromausfall auszulösen, indem sie leitfähiges Material in ein Umspannwerk schossen. Ein größerer Ausfall wurde verhindert, aber ein Kraftwerksblock fiel kurzzeitig aus.

Gegen 7.30 Uhr am Dienstag war eine mögliche Sachbeschädigung an einer Leitung festgestellt worden. Ein Feuerball sei zu sehen gewesen, sagte Brandenburgs Innenminister ‌Jan Redmann (46). Dabei habe es sich vermutlich um einen Kurzschluss in einer Höchstspannungsleitung gehandelt, der dann ins Erdreich gegangen sei. „Es ist nicht so, dass wir bislang bestätigen können, dass hier ein Sprengsatz detoniert sei.“

Redmann sprach von einem systematischen Vorgehen ​und keinem „Kinderstreich“. Eine Sprecherin des Netzbetreibers 50Hertz ‌erklärte, nach bisherigen Erkenntnissen seien selbstgebaute Flugkörper eingesetzt worden, die handelsüblichen Silvesterraketen ‌ähnelten. Das ​Landeskriminalamt (LKA) hat inzwischen die Ermittlungen übernommen.

„Kein Kinderstreich“: Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sucht die Schuldigen für den Anschlag im linken Spektrum oder vermutet „fremde Mächte“ dahinter

Foto: Gaby Schuetze / ZUMA Press Wire / IMAGO

Im Fokus der Ermittler steht nun unter anderem, wie spezialisiert das Wissen der Täter gewesen ist. „Ob es beispielsweise Bauanleitungen für solche Geräte auch im Internet gibt“, sagte Redmann.

Wer hinter den Angriff steckte, sei noch unklar. „Gegenwärtig laufen die Ermittlungen in alle Richtungen“, sagte der Minister. „Wir wissen natürlich, dass es in der Vergangenheit in der Region insbesondere aus dem linksextremen Spektrum Anschläge auf das Stromnetz gab.“ Genauso wenig könne man ausschließen, „dass fremde Mächte hinter diesem Anschlag stecken oder Dritte, die wir heute noch gar nicht kennen“.

Laut 50Hertz ist der Angriff glimpflich ausgegangen

Laut Netzbetreiber 50Hertz ist der Angriff glimpflich ausgegangen. So gab es durch die Sabotage keinen Stromausfall. „Wir nehmen den Vorfall sehr, sehr ernst, weil die Art und Weise der Tatbegehung natürlich geeignet gewesen wäre, größere Schäden zu verursachen“, so Redmann.

In dem Umspannwerk Preilack im Landkreis Spree-Neiße unweit der Landesgrenze zu Sachsen wird der Strom, der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugt wird, überregional und regional verteilt. Nach Angaben des Energieunternehmens Leag wurde das Kraftwerk Jänschwalde 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet. Ende 2028 sollen alle Kraftwerksblöcke endgültig stillgelegt werden.

  • Mutmaßlicher Anschlagsversuch: Sprengvorrichtungen an Umspannwerk von 50Hertz und Leag gefunden3 Min3 Min
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In den vergangenen Monaten gab es mehrere Vorfälle im Zusammenhang mit der Stromversorgung. Im Januar zündeten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2200 Geschäfte und Firmen sowie Krankenhäuser und Pflegeheime waren tagelang ohne Strom. Zu dem Brandanschlag bekannten sich die linksextremistischen sogenannten „Vulkangruppen“, die als Ziel den Kampf gegen Kapitalismus angaben.

Im März 2024 hatte eine Gruppe Feuer an einen großen Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt.