Der Mittwoch im Überblick Streichkonzert bei BMW, Ströer wirbt um neue Eigentümer
Nun also auch BMW. Am Autobauer aus München schien die Absatzkrise zunächst abzuperlen, doch jetzt schalten die Bayern in den gleichen Sanierungsmodus wie Mercedes-Benz und Volkswagen. Der neue BMW-Chef Milan Nedeljković (57) zurrt gerade das größte Sparpaket seit der Finanzkrise vor fast 20 Jahren fest. 8000 Mitarbeiter sollen gehen – und zwar bereits bis Ende 2027.
Nedeljković zielt beim Abbau vor allem auf die leitenden Mitarbeiter ab, wie mein Kollege Franz Anko-Hubik berichtet. Der Dax-Konzern leistet sich bei 155.000 Beschäftigten weltweit fast 12.600 Managerinnen und Manager auf vier Führungsebenen. Unterhalb des Vorstands gliedert sich BMW in fast 70 Bereiche mit dazugehörigen Haupt- und Unterabteilungen. Der CEO will die Strukturen im Führungskader kräftig entschlacken, wie manager magazin von Insidern erfahren hat. Wie genau der Abbau funktionieren soll und welche Bereichsleiter wohl bald ein Personalgespräch führen werden, erfahren Sie hier .
8000 Jobs weg bis Ende 2027: Der neue BMW-Chef Milan Nedeljković will die Konzernhierarchie im Eiltempo verschlanken
Foto: Sven Hoppe / dpa / picture allianceDie Wirtschaftsnews des Tages:
Die Deutsche Bank verdient derzeit glänzend. Der Vorsteuergewinn war im zweiten Quartal mit 1,6 Milliarden Euro fast so hoch wie im Rekordjahr 2007. CEO Christian Sewing (56) erwartet, dass nach jahrelanger Sanierung die Erholung weitergeht und die Ziele für 2028 übertroffen werden.
Der Chemiekonzern BASF beschleunigt den Stellenabbau und kauft eigene Aktien im Wert von einer Milliarde Euro zurück. Beide Maßnahmen stützen den Aktienkurs. „Im ersten Halbjahr 2026 haben wir mehr Stellen abgebaut als in den beiden Vorjahren zusammen“, erklärte Konzernchef Markus Kamieth (56).
Der Sportwagenbauer Porsche streicht wie berichtet bis 2035 insgesamt 9000 Jobs, 5000 mehr als zunächst geplant. Der sozialverträgliche Abbau samt Abfindungen kostet viel Geld: Welche Summe die VW-Tochter damit langfristig einsparen will, hat nun Finanzchef Jochen Breckner (48) vorgerechnet.
Drei, zwei, eins … Shitstorm. Ein Blogger-Ehepaar aus den USA, das kritisch über Ebay berichtet hatte, wurde daraufhin jahrelang von Mitarbeitern der E-Commerce-Plattform tyrannisiert – offenbar auf Anweisung des ehemaligen CEO. Zu den Mitteln der Wahl zählten eine Schweinemaske, ein Trauerkranz und lebende Kakerlaken. Nun zahlt Ebay dem Ehepaar 50 Millionen Dollar in einem Vergleich.
Der Einsteiger des Tages:
Rund 14 Millionen Euro hat der ehemalige UBS-Technikvorstand Mike Dargan (48) nach unseren Informationen in die Berliner Digitalbank N26 investiert. Genug Geld und Einfluss, um das zuletzt mit Problemen kämpfende Unternehmen aufzumischen. Seit April führt Dargan N26 persönlich, hat also eine Millionenwette auf sich selbst abgeschlossen. Nach Informationen meiner Kollegin Katharina Slodczyk wird dagegen Finanzchef Arndt Schwierholz (56) die Bank verlassen. Dargan ändert einiges, insbesondere beim Personal, schreibt Slodczyk. Nur eines fehle noch: eine neue Strategie.
Setzt 14 Millionen Euro auf sich selbst: Der neue N26-Chef Mike Dargan
Foto: PRDer Aussteiger des Tages:
Am Bodensee gibt es Wellen meist bei Westwind, beim Zulieferer ZF Friedrichshafen sind sie dagegen Dauerzustand. Wer glaubte, nach der Trennung von CEO Holger Klein (56) kehre erst einmal Ruhe ein, sieht sich getäuscht: Urgestein Peter Holdman (57), erst im April als Technikchef im Vorstand installiert, wird ZF Ende August verlassen. Holdmann habe zuletzt häufiger mit dem Betriebsrat über die Sparmaßnahmen gestritten, berichtet mein Kollege Christoph Seyerlein, der bei ZF auch die kleineren Wellenschläge aufmerksam registriert. Die Wechselspiele am Bodensee haben für den neuen Vorstandschef Mathias Miedreich (57) unmittelbare Folgen – unabhängig von der Windrichtung.
Die Zahl des Tages:
Satte 1,5 Billionen Dollar Börsenwert haben die drei großen Speicherchiphersteller SK Hynix (Südkorea), Micron (USA) und Samsung (Südkorea) in den vergangenen Tagen eingebüßt. Prozentual haben sie zwischen 27 und 46 Prozent an Wert verloren (den deutschen Hersteller Infineon hat es ähnlich hart erwischt). Trotz der jüngsten Verkaufswelle sollten vermeintliche Schnäppchenjäger vorsichtig sein: Mein Kollege Christoph Rottwilm erklärt, warum.
Was Sie in Ihrer Karriere voranbringt:
KI killt vor allem Juniorstellen, heißt es: Warum noch jüngere Kollegen für Einstiegstätigkeiten einstellen, die auch künstliche Intelligenz erledigen kann? Doch was sich hier kurzfristig als Produktivitätserfolg verkauft, kann für Unternehmen langfristig teuer werden: Wir zeigen Ihnen vier Hebel, mit denen Sie trotz KI erfolgreich Nachwuchs aufbauen.
Meine Empfehlung für den Abend:
Finanzinvestoren wollen die Kontrolle übernehmen: Der Werbekonzern Ströer wird nicht aus den Innenstädten und Bahnhöfen verschwinden – aber möglicherweise von der Börse
Foto: Andreas Arnold / dpa / picture allianceMit Werbung auf Litfaßsäulen, Bushäuschen und auf der Newsplattform T-Online ist der Kölner Werbekonzern Ströer bundesweit sichtbar. Der Börsenwert war im Frühjahr dennoch auf ein Zehnjahrestief abgesackt, und Großaktionär Udo Müller (64) versuchte verzweifelt, strategische Investoren anzuwerben. Nun scheint der schillernde Werbeprofi Müller am Ziel: Nach Informationen meines Kollegen Christoph Neßhöver schicken sich die Private-Equity-Investoren „I Squared Capital“ aus London und „InfraVia Capital Partners“ aus Paris an, die Kontrolle bei Ströer zu übernehmen. Mit Gründersohn Dirk Ströer (56), der Insidern zufolge sein gesamtes 20-Prozent-Paket veräußern will, sei man sich praktisch einig, heißt es. Die Aktie zog am Mittwoch bereits kräftig an. Was die möglichen neuen Inhaber mit Ströer vorhaben, lesen Sie hier.
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