Der Mittwoch im Überblick Beben bei Berenberg, Milliarden für PayPal

Die Hamburger Berenberg Bank kann auf mehr als 300 Jahre Bankentradition zurückblicken – viele davon waren hanseatisch unaufgeregt. Zuletzt allerdings sorgte das Geldhaus für Schlagzeilen der wilderen Sorte: Der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Mark Branson (57), entmachtete Mitte Juni die komplette Geschäftsleitung.

Was Branson zu diesem spektakulären Schritt veranlasste, haben meine Kollegen Katharina Slodzyk, Michael Freitag und Dietmar Palan recherchiert . Die Hauptrolle in der Geschichte spielt der ehemalige Starbanker Hendrik Riehmer (58). Riehmers Geschäftsgebaren und seinen recht handfesten Investmentstil hatten meine Kollegen schon 2017 in ihrem Porträt „Wolf of Jungfernstieg“ dargelegt. Wie Riehmer aus dem gediegenen Vermögensverwalter Berenberg schrittweise Deutschlands aggressivste Investmentbank machte – und sich dabei selbst ins Aus beförderte –, lesen Sie hier .

Geld verbindet: Hendrik Riehmer (l.) und Hans-Walter Peters waren lange das Duo an der Berenberg-Spitze

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Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Wachstumsschock: Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit den 90er-Jahren nicht mehr – wenn man den offiziellen Zahlen glauben darf. Während Industrie und Exporte boomen, sieht es bei der Inlandsnachfrage und im Immobiliensektor wenig rosig aus.

  • Milliardentransfer: PayPal gehört zu den Urgesteinen der internationalen Zahlungsabwickler – allerdings hat der Aktienkurs gelitten. Eine Gelegenheit, die sich Konkurrent Stripe nicht entgehen lassen will. Zusammen mit dem Finanzinvestor Advent will Stripe PayPal übernehmen.

  • KI-Flaute: Dass es so etwas auch gibt, musste IBM-Chef Arvind Krishna (63) gerade schmerzlich erfahren. Weil Anleger fürchten, dass neue KI-Investitionen traditionelle Technologieausgaben verdrängen werden, brach die IBM-Aktie zuletzt um mehr als 25 Prozent ein. Unter dem Strich ein Börsenwertverlust von 69 Milliarden Dollar.

Ein Aufsteiger und ein Absteiger:

  • Läuft bei ihm: Der KI-Boom und die Nachfrage nach Maschinen für die Chipproduktion von Halbleiterriesen wie TSMC oder Micron lassen auch in Europa die Umsätze sprudeln. Profiteure sind ASML-Chef Christophe Fouquet (53) und dessen Anleger. Der Franzose hat zum zweiten Mal in diesem Jahr die Prognose angehoben: ASML will nun 43 bis 45 Milliarden Euro umsetzen.

  • Potenzieller Bonusverlierer: Fast vier Jahre ist es her, dass der heutige Hugo-Boss-Aufsichtsrat Stephan Sturm (63) bei Fresenius als Chef ausschied. Seine vollständigen Boni hat Sturm allerdings bis heute nicht erhalten. Fresenius wirft Sturm vor, bei der inzwischen verkauften Projektentwicklungstochter Vamed seine Pflichten verletzt zu haben. Deshalb will das Unternehmen noch ausstehende Boni in einstelliger Millionenhöhe einbehalten , wie mein Kollege Dietmar Palan erfahren hat. In der anderen Ecke des Rings, an Sturms Seite, steht die Allianz, bei der Fresenius ihren Manager einst abgesichert hatte. Das Ringen um die Boni dürfte also noch andauern. Drei Sieger stehen allerdings schon jetzt fest: Die Kanzleien Latham & Watkins, Kirkland & Ellis und Linklaters, die Fresenius im Bonistreit angeheuert hat.

KI-Profiteur: Die Nachfrage nach den Produktionsmaschinen von ASML-Chef Christophe Fouquet ist ungemindert stark

Foto: Abdul Saboor / REUTERS

Was Sie in Ihrer Karriere voranbringt:

  • Wieso wehren sich Menschen so vehement gegen Veränderung? Wie lässt sich aus Altem und Neuem eine Synthese kreieren, die Innovation zulässt, ohne zu viel Altbewährtes aufzugeben? Über dieses Thema hat meine Kollegin Sara Mously vom Harvard Business Manager mit Kristina Sassenscheidt, der Geschäftsführerin des Hamburger Denkmalvereins, gesprochen. Ein Gespräch, aus dem sich auch für die Unternehmenswirklichkeit der eine oder andere Denkanstoß mitnehmen lässt .

Meine Empfehlung für den Abend:

Höllenkräfte: Noch entweicht aus dem Stahlwerk von Thyssenkrupp in Duisburg viel CO₂

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  • Das Geschäft mit Stahl lief schon mal besser. Mit der Krise in der Autoindustrie bricht der Branche gerade einer der wichtigsten Abnehmer weg. Eine Nachfrage, die die Rüstungsindustrie mit ihrem Stahlbedarf für Panzer oder Fregatten nicht wettmachen kann. Hinzu kommen Milliardenkosten für den grünen Umbau. Dementsprechend: rote Zahlen allerorten. Während Thyssenkrupp nach dem Abbruch der Übernahmeverhandlungen mit der indischen Jindal Steel über eine Abspaltung samt möglichem Börsengang der Stahlsparte nachdenkt, hat in der Politik einmal mehr die Idee einer Stahl-AG mit Staatsbeteiligung Konjunktur. Wie die aussehen könnte, wer daran mitschmiedet und welches Unternehmen den Kern bilden könnte, hat meine Kollegin Kirstin Bialdiga recherchiert .

Ihnen jetzt erst einmal einen möglichst krisenarmen Abend

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