Kontrollgremium komplett Volkswagen holt Marianne Heiß in den Aufsichtsrat zurück

Einen Tag vor der möglicherweise wegweisenden Sitzung des VW-Aufsichtsrats ist das Kontrollgremium wieder vollzählig. Marianne Heiß (53) kehre in den Aufsichtsrat zurück, teilte der Konzern mit. Sie sei mit sofortiger Wirkung gerichtlich bis zur nächsten Hauptversammlung bestellt worden. Die Managerin und Mehrfach-Aufsichtsrätin übernimmt einen vakanten Sitz aufseiten der Eigentümer. Heiß sei darüber hinaus zur Prüfungsausschuss-Vorsitzenden gewählt worden, hieß es.

Eine Mehrheit verschafft die Personalie der Kapitalseite zwar nicht, sie stellt aber das übliche Kräfteverhältnis wieder her. Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat 20 Mitglieder. Zehn Sitze entfallen auf die Anteilseigner – darunter die Vertreter des Landes Niedersachsen. Die zehn restlichen Mitglieder werden von der Arbeitnehmerseite gestellt. Bei einem Patt kann Chefaufseher Hans Dieter Pötsch (75) mit seiner Doppelstimme entscheiden.

Die gebürtige Österreicherin Heiß war bereits von Februar 2018 bis Juli 2025 Mitglied des VW-Aufsichtsrats – und folgt auf ihre eigene Nachfolgerin. Denn die frühere Vorstandschefin des Rüstungskonzerns Renk, Susanne Wiegand (54), hatte vor der VW-Hauptversammlung im Juni die Kandidatur zur Wiederwahl kurzfristig zurückgezogen. Sie war nur ein Jahr Mitglied im VW-Aufsichtsrat.

Heiß war jahrelang bei der Werbegruppe BBDO tätig, bis 2023 führte sie dort das Deutschlandgeschäft. Aktuell sitzt sie in mehreren Aufsichtsräten, etwa bei Ritter Sport oder dem Maschinenbauer Pafinger.

Eskalation über Sparpläne droht

Der VW-Aufsichtsrat berät am Freitag erneut über die Sparpläne des Vorstands um Konzernchef Oliver Blume (58). Zur Debatte steht unter anderem die Zukunft vier deutscher Werke und ein zusätzlicher Abbau von weltweit bis zu 50.000 Jobs.

Bei der Sitzung könnte es zu einem heftigen Schlagabtausch kommen. Das Land Niedersachen und die Arbeitnehmer stehen auf einer Seite – und lehnen die Pläne ab. (Lesen Sie hierzu: So könnte ein Kompromiss bei der VW-Aufsichtsratssitzung aussehen ). Ob sich die Akteure auf eine gemeinsame Lösung einigen können oder der Streit über die Zukunft von VW völlig eskaliert, war zunächst offen.