Börse am Abend VW-Aktie schießt hoch, Dax knapp unter Tageshoch

Der Dax hat sich nach drei Verlusttagen am Donnerstag stabilisiert und beendet am Donnerstag den Xetra-Handle auch dank einer festen Wall Street knapp unter dem Tageshoch bei 26.003 Punkten. Ermutigende Aussagen des Fed-Gouverneurs Christopher Waller zu Inflation und Zinsen gaben den Aktienbörsen am Nachmittag Auftrieb und bremsten zugleich den zuletzt starken Anstieg der Zinsen an den Anleihemärkten. Einer stärkeren Erholung der Aktienkurse stand jedoch der Ölpreis im Weg, der auf das höchste Niveau seit Anfang Juni kletterte.

Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,9 Prozent auf knapp 32.257 Punkte hoch. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verbesserte sich um 0,3 Prozent auf 6382 Zähler. An der New Yorker Wall Street legten die wichtigsten Aktienindizes zum Xetra-Schluss jeweils um mehr als ein Prozent zu.

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US-Börsen deutlich im Plus

In der Hoffnung auf eine anhaltende Zinspause der US-Notenbank Fed griffen die Anleger an der Wall Street bei Aktien zu. Der Dow Jones, der ‌breiter gefasste S&P 500 gewannen jeweils rund 1,1 Prozent hinzu. Fed-Direktoriumsmitglied Christopher Waller sagte, sollten weitere Fortschritte in Richtung des Zwei-Prozent-Inflationsziels der Federal Reserve erkennbar sein, sei er für eine weitere ​Zinspause.

Händler sahen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank im September danach bei etwa 54 Prozent ⁠gegenüber ⁠etwa 62 Prozent vor Wallers Aussagen. Die Wetten auf steigende Zinsen hatten an den Terminmärkten in der vergangenen Woche aufgrund der hohen Energiepreise und der Spannungen im ‌Nahen Osten stark zugenommen.

Software-Aktien waren nach einem ermutigenden ​Ausblick von Snowflake gefragt. ‌Die Papiere des Anbieters von Cloud-Datenplattformen gewannen knapp 21 Prozent und waren so teuer wie seit Dezember 2021 nicht mehr. Der Konzern hob seine Prognose für den jährlichen Produktumsatz an. Dies stärkte das Vertrauen der Anleger, ‌dass KI-bezogene Ausgaben ein starker Wachstumsmotor für Softwareunternehmen sein könnten. Papiere von ServiceNow gewannen im Zuge dessen zuletzt mehr als 5 Prozent, Titel von ‌Salesforce rückten um 3 Prozent vor.

VW-Aktien mit Schlussspurt

Aktien von Volkswagen setzten sich mit einem Plus von 3,6 Prozent an die Spitze des Dax. Auslöser der Kursgewinne war laut einem Händler ein Bericht der „Wirtschaftswoche“, dem zufolge sich die Wolfsburger von Beteiligungen an Unternehmen trennen könnten.

Deutsche Telekom gewannen 1,1 Prozent. Der aktivistische US-Investor Elliott habe einen beträchtlichen Anteil aufgebaut und angedeutet, dass die Bonner ihre Pläne für eine Fusion mit der US-Mobilfunktochter T-Mobile US fallen lassen sollten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Vorabend unter Berufung auf Kreise. Stattdessen sollten andere Maßnahmen ergriffen werden, um den Wert des Unternehmens für die Aktionäre zu steigern - etwa über eine deutliche Ausweitung der Aktienrückkäufe. Alle Beteiligten hätten die Angelegenheit nicht kommentieren wollen.

SAP nach Snowflake-Prognose im Aufwind

Die Aktien der Softwareunternehmen SAP und Teamviewer gewannen jeweils 2,3 Prozent. Sie profitierten von euphorisch aufgenommenen Umsatzprognosen des US-Cloud-Softwareanbieters Snowflake.

Ansonsten sorgten Analystenaussagen für Kursbewegungen. Die Aktien von Auto1 erholten sich mit plus 4,8 Prozent vom jüngsten Tief seit Mai. Die US-Banken JPMorgan und Goldman Sachs bestätigten ihre positiven Anlageempfehlungen für den Online-Gebrauchtwagenhändler.

Eine gestrichene Verkaufsempfehlung des Analysehauses Kepler Cheuvreux verhalf dem Schmierstoffhersteller Fuchs zu einem Kursanstieg von 3,2 Prozent. Zeitweise erreichten die Titel den höchsten Stand seit Ende Oktober.

Bei Flatexdegiro sorgte eine Hochstufung für ein Kursplus von 3,5 Prozent. Die US-Bank Morgan Stanley riet zum Übergewichten der Aktien des Online-Brokers im Portfolio.

Ölpreise steigen

Die Ölpreise sind am Donnerstag gestiegen. Nachdem die Notierungen im frühen Handel noch gefallen waren, knüpften sie im Tagesverlauf an ihre jüngsten Gewinne an. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November wurde bei 96,12 US-Dollar gehandelt und damit ein halbes Prozent höher als am Vortag.

Zeitweise stieg der Preis für Nordsee-Öl bis auf 97,62 Dollar je Fass und damit auf den höchsten Stand seit einem Monat. Seit Montag hat sich Rohöl der Sorte Brent um mehr als 7 Prozent verteuert, nachdem der Iran-Krieg mit gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran wieder aufgeflammt war.

Der Iran-Krieg bleibt beim Handel mit Öl das bestimmende Thema. Am frühen Morgen ist der Golfstaat Kuwait erneut Ziel iranischer Angriffe geworden. Die Luftabwehr wehre „feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab“, teilte das Militär des mit den USA verbündeten Landes auf der Plattform X mit.

„Die jüngste Eskalation dürfte den Markt stützen“, sagte Dennis Kissler vom Finanzdienstleister BOK Financial Securities. Allerdings wies er auch darauf hin, dass sowohl die USA als auch der Iran nach Wegen zur Deeskalation suchen. „Weitere Friedensgespräche könnten die Preise schnell wieder sinken lassen.“