Cybercab : Teslas erste Robotaxis fahren – doch ist Waymo besser?
Kein Lenkrad und keine Pedale: Tesla bietet jetzt Fahrten in seinem neuen „Cybercab“ an – allerdings noch in sehr überschaubarem Rahmen. Die Konkurrenz fühlt sich überlegen.
Das Cybercab verkörpert Musks Vision vom autonomen Fahren. Das goldfarbene Auto mit Flügeltüren hat weder Lenkrad noch Pedale, und Musk hat gesagt, es werde langfristig für den größten Teil von Teslas gesamter Produktion stehen. Vor fast zwei Jahren hat Musk es zum ersten Mal vorgestellt, in den vergangenen Monaten begann seine Produktion, und nun setzt Tesla es zum ersten Mal als Robotaxi zur Beförderung von Passagieren ein.
Einsatz in einem „begrenzten Gebiet“
Das wird zunächst noch in sehr überschaubarem Rahmen geschehen: Die Cybercabs werden vorerst in einem „begrenzten Gebiet“ in Austin verfügbar sein, und Tesla hat bislang 45 von ihnen für den Einsatz als Robotaxis bei den zuständigen texanischen Behörden registriert. Sie ergänzen eine Flotte selbstfahrender Versionen von Teslas Model Y, die seit vergangenem Jahr in der Stadt unterwegs sind. Wer nun in Austin über Teslas Robotaxi-App eine Fahrt bestellt, bekommt von Tesla entweder ein Cybercab oder ein autonomes Model Y zugeteilt.
Die Veranstaltung in Austin ist mit Spannung erwartet worden. Musk versucht schon seit einiger Zeit, den Blick der Öffentlichkeit weg von Teslas traditionellem Kerngeschäft mit Elektroautos und hin zu Robotaxis und humanoiden Robotern zu lenken. Er beschreibt diese Gebiete als erheblich aussichtsreicher. Gerade mit Blick auf autonomes Fahren macht er seit Jahren große Versprechungen. Schon 2019 stellte er in Aussicht, Tesla werde im Jahr danach eine Million Robotaxis auf der Straße haben. Davon ist das Unternehmen noch heute weit entfernt.
Als Musk das Cybercab vor zwei Jahren zum ersten Mal vorstellte, sagte er, es solle sowohl als Robotaxi eingesetzt als auch an Endverbraucher verkauft werden. Er stellte einen Verkaufspreis von weniger als 30.000 Dollar in Aussicht, was billiger wäre als alle bisherigen Tesla-Modelle. Für den Verkauf an Privatkunden gibt es aber noch regulatorische Hürden. Zunächst einmal wird Tesla seine Cybercabs für seine eigene Robotaxiflotte nutzen, aber offenbar ist das Unternehmen auch daran interessiert, sie anderen Flottenbetreibern anzubieten. Tesla stellte ein Formular auf seine Internetseite, auf dem Interesse am Kauf einer „Cybercab-Flotte“ signalisiert werden kann.
Die Cybercabs sind zwar autonom unterwegs, stehen aber noch immer unter menschlicher Aufsicht in einem Kontrollzentrum. Bei den zu Robotaxis umgerüsteten Fahrzeugen des Typs Model Y saßen zunächst auch noch Sicherheitsfahrer am Steuer. Die Tests mit diesen Robotaxis hat Tesla in den vergangenen Monaten auf einige andere amerikanische Städte ausgeweitet. All diese Tests beschränken sich bislang aber noch auf überschaubare Flotten von Fahrzeugen. Ansonsten bietet Tesla seit Jahren Fahrassistenzsysteme an, die kein vollautonomes Fahren ermöglichen, auch wenn sie sehr aggressiv vermarktet werden. Zum einen gibt es die standardmäßig in allen Neuwagen installierte „Autopilot“-Funktion, zum anderen das technisch aufwendigere und kostenpflichtige System „Full Self-Driving“.
Viel Konkurrenz im Markt
Tesla sieht sich im autonomen Fahren harter Konkurrenz gegenüber. Waymo, eine Schwestergesellschaft des Internetkonzerns Google in der Alphabet-Holding, betreibt heute schon eine Flotte von rund 4000 Robotaxis, die ganz ohne Fahrer unterwegs sind, allerdings anders als das Cybercab noch immer ein Lenkrad haben. Das Unternehmen ist schon in mehr als einem Dutzend amerikanischer Städte vertreten und hat auch eine Expansion in ausländische Märkte wie London und Tokio angekündigt. Erst im August teilte es mit, demnächst in München mit Tests zu beginnen.
Tesla und Waymo verfolgen sehr verschiedene Ansätze. Tesla verwendet nur Kameras und Künstliche Intelligenz, um das Umfeld seiner Autos zu erfassen, Waymo und andere Wettbewerber setzen daneben auch Radartechnologie und sogenannte Lidar-Sensoren ein. Tesla argumentiert, seine Technik sei viel billiger und lasse sich auch sehr schnell auf eine große Flotte hochskalieren. Waymo beschreibt dagegen seine Technik als überlegen. Das Unternehmen grenzte sich erst kürzlich in einem Blogeintrag von seinem Wettbewerber ab und schrieb, ohne ihn direkt beim Namen zu nennen: „Kameras sind unglaublich, aber sie sind nicht ausreichend.“
Der Aktienkurs von Tesla fiel am Freitag im Handelsverlauf um mehr als zwei Prozent. Er war zuletzt nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase wieder im Aufwind, seit Ende Juli ist er um mehr als 20 Prozent gestiegen. Insgesamt wird das Unternehmen an der Börse mit knapp 1,2 Billionen Dollar bewertet.
In jüngster Zeit haben sich Spekulationen gemehrt, dass Tesla mit SpaceX fusioniert werden könnte, dem seit wenigen Monaten ebenfalls börsennotierten Raumfahrtunternehmen aus Musks Imperium. Musk hat dies bei der Vorlage von Geschäftsergebnissen im Juli selbst nicht ausgeschlossen und darauf hingewiesen, dass Tesla und SpaceX schon heute auf vielen Gebieten zusammenarbeiteten.