Einigung in Wolfsburg : Ein erster Schritt zur Rettung von VW – und ein Sieg für Blume
Der Aufsichtsrat hat sich überraschend auf einen Sanierungsplan verständigt. Konzernchef Oliver Blume hat jetzt ein stärkeres Mandat. Die Beschäftigten müssen weiter zittern.
Als sich die Mächtigen in Wolfsburg vor anderthalb Jahren auf ein erstes Sparprogramm für Volkswagen verständigten, fiel das Ergebnis durchwachsen aus. Zehntausende Stellen wurden abgebaut, Werksschließungen aber durch das Land Niedersachsen und den Betriebsrat verhindert.
Der neue Rettungsplan für Europas größten Autokonzern ist umfassender. Er ist mit konkreten Zielen hinterlegt und zeigt einen Weg, wie VW aus der Krise kommen kann. Die Kosten sollen sinken, bis zu 50.000 weitere Stellen abgebaut werden. Damit hat der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume ein stärkeres Mandat für seinen Umbau – auch deshalb sprang der Aktienkurs am Freitagmorgen nach oben.
Vier Werke ohne Perspektive
Auch für die vier gefährdeten Standorte in Deutschland werden die Schwierigkeiten nun erstmals benannt. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm hat VW nach aktuellem Stand keine Fahrzeuge, die dort künftig noch zu wettbewerbsfähigen Kosten gebaut werden können.
Der Aufsichtsrat nimmt das „zur Kenntnis“ – eine fein austarierte Formulierung, die es den Arbeitnehmervertretern und dem an VW beteiligten Land Niedersachsen erlaubt, abermals davon zu sprechen, dass Werksschließungen abgewendet worden seien.
Doch die Beschäftigten müssen weiter zittern. Denn dass sich der Automarkt plötzlich erholt und die Fabriken wieder füllt, ist Wunschdenken. Auch neue Geschäftsfelder wie die Rüstung werden nur einen Teil der Arbeitsplätze auffangen können.
Die Marktrealität lässt sich nicht wegdiskutieren. Die Nachfrage hat sich schwächer entwickelt als noch vor einigen Jahren prognostiziert. Chinas aufstrebende Automarken drängen nach Europa. Hier hat das politische Hin und Her um das Verbrenner-Aus nicht nur die Verbraucher verunsichert, sondern auch die Industrie in Schwierigkeiten gebracht.
Gleichzeitig sorgen Trumps Zölle dafür, dass sich der Export aus hiesigen Fabriken nach Amerika kaum noch lohnt. Auch wenn es wehtut: Die Autobranche wird weitere Wertschöpfung aus Deutschland in andere Länder verlagern, um ihre Zukunft zu sichern. Blume hat jetzt einen ersten Konzeptbeschluss in der Hand. Nun muss er beweisen, dass daraus eine echte Sanierung wird.