Fifa-Machtkampf Die Uefa bereitet Strafanzeige gegen Gianni Infantino vor

Inmitten des Machtkampfes mit Gianni Infantino (56) erhöht die Europäische Fußball-Union (Uefa) den Druck massiv und bereitet im Zusammenhang mit dem inzwischen verworfenen Investorenplan eine Strafanzeige gegen den FIFA-Chef vor. Dies geht aus einem 60-seitigen Dokument hervor, über das britische Medien am Donnerstag zuerst berichteten und das dem SID vorliegt.

Darin heißt es: Die Uefa und andere interessierte Parteien bereiteten derzeit „die Einleitung eines Strafverfahrens in der Schweiz gegen Infantino und möglicherweise weitere FIFA-Funktionäre und -Berater wegen krimineller Misswirtschaft gemäß Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuches“ vor.

Uefa wirft Infantino vor, sich an der Fifa bereichern zu wollen

In dem Antrag verlangt die Uefa zudem Unterlagen von der Investmentfirma Thrive Capital des Unternehmers Joshua Kushner (41). Das Unternehmen war als Hauptinvestor für Infantinos Plan vorgesehen, mit dem der Fifa-Präsident einen Anteil an den kommerziellen Rechten des Weltverbands veräußern wollte . Sein Ziel war, die Vermarktungsrechte an den Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften sowie an der Klub-WM in eine neue Gesellschaft namens Fifa Forward Enterprise (FFE) zu übertragen.

Zudem kritisiert die Uefa den in diesem Zusammenhang „absurd niedrig“ angesetzten Unternehmenswert von rund 20 Milliarden US-Dollar. Der Plan sei dazu gedacht gewesen, Infantino und einem kleinen Kreis „eine dauerhafte Beteiligung an den wertvollsten Vermögenswerten der Fifa zu verschaffen und ihnen anderweitig Gewinne daraus zu ermöglichen – zum Nachteil der Fifa, ihrer Mitglieder und anderer Akteure innerhalb der Fußballfamilie“, hieß es.

Das Vorgehen erinnert an den Sturz von Infantinos Vorgänger Joseph Blatter (90) im Jahr 2015. Der langjährige Fifa-Boss gab sein Amt auf, nachdem die US-Justiz in zahlreichen Fällen ermittelt hatte. Blatter selbst wurde nie verurteilt, aber sein Führungskonzept war nicht mehr tragbar.

Nach wie vor fordert die Uefa Infantinos Rückzug. Die Boykott-Drohung der Uefa – der Verband wollte jegliche sportliche und kommerziellen Verbindungen zur Fifa kappen – ist dagegen wohl vom Tisch. Hintergrund ist die angebliche Zusage der Fifa, wonach etwas Vergleichbares wie der Investorenplan von Infantino nie mehr auf den Tisch kommen werde.

Infantino will sich am 18. März 2027 zum vierten Mal zum Fifa-Chef wählen lassen. Unter den stimmberechtigten 211 FIFA-Mitgliedsländern gibt es derzeit keine klare Mehrheit für oder gegen ihn. Ein Alternativkandidat konnte von der Uefa bislang nicht benannt werden.