Geschäftsmodell implodiert Bitcoin-Treasury-Firmen verlieren 80 Milliarden Dollar an Wert

„Es war von Anfang an zum Scheitern verurteilt“, sagt Kryptoexperte Adam Morgan McCarthy, Forschungsleiter beim Handelsunternehmen LO:TECH. „Der Hype ist vorbei, ich glaube nicht, dass er wiederkommt.“

McCarthy spricht vom Geschäft sogenannter Bitcoin-Treasury-Unternehmen, Firmen also, deren Geschäftszweck es ist, professionell Bitcoins und andere Kryptowerte zu erwerben und anzuhäufen. Die Unternehmen sind in der Regel an der Börse notiert und nehmen laufend Eigen- und Fremdkapital auf, um ihre Investments zu finanzieren. Vorbild ist die Firma Strategy des US-Milliardärs Michael Saylor (61), der dieses Geschäftsmodell soweit bekannt erfunden hat.

Dutzende Unternehmen weltweit sprangen in den vergangenen Jahren auf den Trend auf: Sie gaben ihre vorherigen Geschäftstätigkeiten auf und verlegten sich auf Kryptoinvestments. Darunter befanden sich Unternehmen aus den verschiedensten Branchen wie etwa Filmproduktion, Einzelhandel, E-Zigaretten oder Elektrofahrzeuge. Sie alle einte der Glaube an den fortwährenden Boom des Bitcoins.

Doch inzwischen ist der Traum für viele der Firmen geplatzt, und damit auch für deren Aktionäre und Geldgeber. Das Problem: Die Investmentstrategie funktioniert nur, solange die Kryptokurse steigen, denn nur dann lassen sich immer neue Investoren finden.

Zwar stieg auch der Bitcoin nach einer überraschenden Intervention der US-Regierung an den Anleihemärkten zuletzt wieder bis auf das Niveau von 80.000 Dollar, weil Anleger das Vertrauen in Staatspapiere verloren und in Gold und Kryptowerte flohen. Seit seinen Höchstkursen jenseits der 120.000 Dollar aus dem Jahr 2025 ist es mit dem Bitcoin jedoch deutlich abwärts gegangen. Damit rutschten auch die Aktienkurse der Bitcoinfirmen in den Keller, wobei deren Kursverluste angesichts von Hebelwirkungen etwa nach Fremdkapitaleinsatz oft noch drastischer ausfielen.

Wie die „Financial Times“ errechnet hat, ist der Börsenwert der 50 größten Bitcoin-Treasury-Firmen weltweit seit Mitte vergangenen Jahres um zusammen mehr als 80 Milliarden Dollar gefallen. Die Marktkapitalisierung der Unternehmen sei von 150 Milliarden Dollar im Juli 2025 auf nur noch 67 Milliarden Dollar heute eingebrochen, so die Zeitung. In den vergangenen zwölf Monaten sank sie demnach um 57 Milliarden Dollar.

Laut „FT“ notieren die Aktien von 43 der 50 Unternehmen heute sogar niedriger als vor der Ankündigung ihrer Bitcoin-Treasury-Strategie. Bei 35 Aktien sei der Kurs um mindestens die Hälfte gefallen. Als Konsequenz werfen viele der Unternehmen das Handtuch: Sie verkaufen ihre Token und kehren zu ihrer früheren Geschäftstätigkeit zurück.

Die 50 größten Bitcoin-Besitzer, allen voran Strategy, wandelten sich im Juli dieses Jahres von Nettokäufern zu Nettoverkäufern, so der Bericht. Daten von BitcoinTreasuries.net zeigen demnach, dass die Unternehmen im Juli insgesamt 2500 Bitcoins mehr verkauften, als sie gekauft haben.

Selbst Bitcoin-Guru Saylor musste klein beigeben: Stets hatte der Kryptoenthusiast ausgeschlossen, jemals Bitcoins verkaufen zu wollen. In diesem Sommer jedoch begann auch Strategy, seine Bestände zu reduzieren. Das Unternehmen verkaufte laut „FT“ zwischen Ende Juni und Mitte August fast 7000 Bitcoin für insgesamt 430 Millionen Dollar. Der Grund: CEO Saylor brauchte Liquidität, um die Inhaber verzinster Strategy-Wertpapiere auszuzahlen.

Sein Mantra „Niemals verkaufen“ beziehe sich auf private, nicht auf Unternehmensbeteiligungen, rechtfertigte der Unternehmer seine Kehrtwende. „Strategy ist ein börsennotiertes Unternehmen, nicht mein Geldbeutel“, schrieb er auf X.

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Experten fällen angesichts der Entwicklung ein vernichtendes Urteil über Strategy und andere Bitcoin-Treasury-Firmen. Schließlich wird in der Krise offenbar, dass dem Geschäftsmodell die Substanz fehlt. „Wozu das Ganze?“, fragt etwa Eric Benoist, ein Technologie- und Datenexperte bei Natixis CIB. „Wenn man Investoren auf der ganzen Welt ansprechen will, muss man ihnen das Gesamtbild vermitteln, denn sonst wird es immer schwieriger, die Kapitalakkumulation zu finanzieren.“