VW-Chef Oliver Blume „Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des VW-Konzerns aufgesetzt“

VW-Konzernchef Oliver Blume (58) bereitet die Belegschaft auf einen harten Umbau vor. In der globalen Autokrise fordert er Geschlossenheit – und warnt: Die kommenden Wochen seien entscheidend für die Zukunft des Konzerns. „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen“, sagte er der „Bild am Sonntag“. „Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt.“

Nächste Woche findet eine Reihe von außerordentlichen Betriebsversammlungen bei Volkswagen statt. Die Arbeitnehmerseite hatte vor den Werksferien Details zu den Sparplänen verlangt.

„Die nächsten Jahre sind entscheidend“

„Die nächsten Jahre sind entscheidend, wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt“, sagte Blume weiter. Die Ursachen für den enormen Spardruck sieht er in einem fundamentalen Marktwandel und globalen Verwerfungen: „Die weltweite Autoindustrie ist in einer Mega-Krise. Und der Volkswagen-Konzern ist mittendrin. Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiver Wettbewerb fordern alle.“ Blume appellierte an den Kampfgeist der Belegschaft: „Für die Menschen, unser Unternehmen und die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland.“

Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ für VW zu arbeiten und dabei den Sparkurs deutlich zu verschärfen. Seitdem wird bei dem Konzern um vier Werke und bis zu 50.000 zusätzliche Stellen gebangt.

Blume hatte erst kürzlich in einem Interview im VW-Intranet gesagt, die Lage bei VW sei „mehr als kritisch“. Es gebe dringenden Handlungsbedarf. Die Rendite von 3,8 Prozent sei zwar solide, reiche aber bei Weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel für neue Technologien und Produkte sowie die Standorte zu erwirtschaften.

Vorstand tritt bei Betriebsversammlungen vor Belegschaft

Volkswagen steht vor einer heißen Phase. In den nächsten Tagen bis Ende August sind neun Betriebsversammlungen etwa in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal geplant, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Den Auftakt macht am 25. August Wolfsburg, Tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover.

Mit Blick auf die als bedroht bezeichneten Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm hatte Blume im Interview gesagt, dass es für diese Standorte heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre gebe. Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen sei nicht getroffen.

Die Volkswagen-Belegschaft geht derweil laut einer internen Umfrage hart mit der Außendarstellung des Unternehmens durch den Vorstand ins Gericht. Wegen der „desaströsen Kommunikation nach außen durch den Vorstand“ seien die Mitarbeiter und deren Familien „verunsichert und verängstigt“, heißt es in einem Intranet-Artikel, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

In der vom Betriebsrat initiierten Online-Erhebung zur Stimmungslage habe die Belegschaft in der vergangenen Woche (17. bis 21. August) im Intranet des Unternehmens die Möglichkeit gehabt, Kritik und Erwartungen an Konzernchef Blume und den übrigen Vorstand zu formulieren. Zu dem Aufruf habe die Möglichkeit gehört, per Like Zustimmung für die jeweiligen Vorschläge zu signalisieren.

Im Volkswagen-Konzern verschärft sich zudem der Machtkampf um die angeschlagene Softwaretochter Cariad. Ein angeblich von Audi angestoßener Bericht soll die Einheit massiv kritisieren und sogar Optionen für ihre Auflösung skizzieren. Während VW-Chef Blume an Cariad festhalten will, drängt Audi-Chef Gernot Döllner (57) auf externe Lösungen – etwa mit Nvidia für autonomes Fahren und Rivian für Fahrzeugsoftware.