Verstorbener Ministerpräsident : Zhu Rongji trieb Chinas Aufstieg voran

Unter Mao wurde er als Abweichler verfolgt. Später bestimmte er Chinas Modernisierung mit und wurde Bürgermeister von Shanghai, Zentralbanker und schließlich Ministerpräsident der Volksrepublik.

Selbst Jahrzehnte nach seiner politischen Karriere ist das Wirken von Zhu Rongji in China noch immer zu spüren. Der frühere Ministerpräsident, Zentralbanker und hochrangige Kader der Kommunistischen Partei trug entscheidend dazu bei, dass die Volksrepublik heute die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist.

Chinas Umbau zu einer Marktwirtschaft und der Eintritt in die Welthandelsorganisation (WTO) gehören zu seinem Vermächtnis. Nun ist der Reformer im Alter von 97 Jahren in Peking gestorben. Viele Weggefährten, darunter der einstige US-Außenminister und China-Kenner Henry Kissinger oder Altbundeskanzler Helmut Kohl, schätzten Zhu. Für ein 2015 erschienenes Buch von Zhu schrieben beide das Vorwort.

Eine schmerzhafte Transformation

Seit Beginn der 1990er-Jahre stemmte Zhu sich als Vizeministerpräsident und Zentralbanker gegen die grassierende Inflation. 1998 erhob ihn die Partei zum Ministerpräsidenten. In seiner Amtszeit bis 2003 privatisierte er das staatliche Wohnungswesen und begann ehrgeizige Reformen in der Regierung, im Finanzwesen und in den Staatsbetrieben. Zhu galt als Pragmatiker, war aber auch berüchtigt für seine Ungeduld. Er hatte keine Zeit für höfliches Gerede, sondern kam sofort zur Sache. Vor allem Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 zog enorme Investitionen aus dem Ausland nach China und markierte den Beginn eines rasanten Wirtschaftswachstums, mit dem das Land zur Handelsgroßmacht aufstieg.

1928 wurde Zhu in der zentralchinesischen Provinz Hunan in Changsha geboren. Mit der Gründung der Volksrepublik China 1949 durch Revolutionsführer Mao Zedong trat Zhu in die Kommunistische Partei (KP) ein. Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der Eliteuniversität Tsinghua in Peking begann er seine Karriere in der staatlichen Planungskommission.

Karriere mit Rückschlägen

Ende der 1950er-Jahre kritisierte Zhu Maos Wirtschaftspolitik und wurde als Rechtsabweichler gebrandmarkt, aus der Partei ausgeschlossen und aufs Land geschickt. Während Maos Kulturrevolution widerfuhr ihm erneut ein ähnliches Schicksal. „Diese Erfahrung war für mich sehr lehrreich, aber auch nicht sehr angenehm“, sagte er später.

Doch Zhu fand den Weg zurück in die Politelite. In den 1980er-Jahren war er an der Planung der Industriestrategie beteiligt. Chinas großer Reformer Deng Xiaoping wurde auf ihn aufmerksam und machte ihn im April 1988 zum Bürgermeister von Shanghai. Ein Jahr später sorgte die Niederschlagung der Demokratiebewegung mit dem Massaker am Tiananmen-Platz in Peking für weltweites Entsetzen. Zhu schaffte es in Shanghai dagegen, die Lage durch Zurückhaltung zu entschärfen.

Seine Ernennung zum stellvertretenden Ministerpräsidenten im April 1991 verlieh seiner Karriere dann einen entscheidenden Schub. Bereits ein Jahr später stieg er in das zentrale Machtorgan der KP auf, den mächtigen Ständigen Ausschuss des Politbüros. Auf dem 15. Parteitag 1997 rückte er zur Nummer drei der Machthierarchie auf.