Kurssturz an den Börsen Nasdaq bricht ein – erst SpaceX-IPO, dann Ausverkauf?

Ausverkauf an den Techbörsen: Der US-Techindex Nasdaq 100 ist am Freitag um 4,7 Prozent oder knapp 1500 Punkte abgestürzt. Binnen weniger Stunden wurden damit die Gewinne der vergangenen vier Wochen wieder vernichtet. Der Nasdaq Composite stürzte um 4,2 Prozent auf 25.709 Punkte ab. An der US-Techbörse war es der größte Tagesverlust seit Trumps „Zollhammer“ Anfang April.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,4 Prozent tiefer auf 50.867 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 2,6 Prozent auf ‌7384 Zähler nach und beendete damit eine neunwöchige Gewinnserie.

Steigende Zinsen sind Gift für die Nasdaq

Anlass für den Ausverkauf war ein überraschend starker Arbeitsmarktbericht in den USA: Im Mai wurden nach Angaben des Arbeitsministeriums 172.000 neue Stellen und damit mehr als doppelt so viele wie von Analysten erwartet geschaffen. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,3 Prozent. Die robusten Daten machen jedoch zugleich die Hoffnungen der Börsianer auf baldige Zinssenkungen durch die US-Notenbank (Fed) zunichte: Der neue Fed-Chef Kevin Warsh wird es sich angesichts robuster Wirtschaftsdaten und anziehender Inflation kaum leisten können, die Zinsen wie von US-Präsident Donald Trump (79) gefordert zu senken. Stattdessen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen in den USA mittelfristig unverändert bleiben oder sogar steigen könnten , mit den frischen Jobdaten gestiegen.

Ein stabiles oder gar steigendes Zinsniveau ist vor allem für die großen US-Techunternehmen, die sich mit ihren Milliardeninvestitionen in KI-Serverfarmen stark verschuldet haben, ein schlechtes Zeichen. Entsprechend deutlich fielen die Werte an der Nasdaq. Firmen wie Oracle, Meta, Amazon oder Alphabet haben bereits vor Wochen damit begonnen, ihre KI-Investitionen auf Pump zu finanzieren und die damit verbundenen Risiken an andere auszulagern.

Zusätzlich belasteten schwindende Hoffnungen auf eine ⁠rasche Lösung im Irankrieg ⁠die Stimmung, da eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus die Energiepreise und damit die Inflation weiter anheizen dürfte. Der Glaube, dass die Trump-Administration den Krieg rasch mit einer Verhandlungslösung beenden könnte, schwindet.

Eine Billion Dollar an Börsenwert vernichtet

Besonders hart traf es die in den vergangenen Wochen stark gestiegenen Technologie- und Halbleiterwerte. Der Philadelphia-Halbleiterindex brach so stark ‌ein wie seit März 2020 nicht mehr, wodurch mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert ​vernichtet wurden. „Nach der Rekordjagd der ‌letzten neun Wochen bei Aktien, insbesondere bei Technologie- und Halbleiterwerten, sind heute einfach alle Dämme gebrochen“, sagte Ryan Detrick, Chef-Marktstratege der Carson Group. Ohsung Kwon, Aktienstratege bei Wells Fargo, erklärte, die Marktreaktion sei durch Gewinnmitnahmen getrieben. Der Halbleitersektor sei stark überkauft gewesen, nun machen Anleger Kasse.

Unter den Einzelwerten gaben ‌die Papiere des nach Marktwert größten Unternehmens Nvidia um 6,2 Prozent nach. Die Aktien der Konkurrenten Intel, Micron, AMD und Broadcom rutschten zwischen 7,9 und 13,3 Prozent ab.

Kann der Kapitalmarkt die Börsengänge von SpaceX, Anthropic und OpenAI überhaupt verdauen?

Neben den Zinssorgen mehren sich bei Anlegern die Sorgen, ob der Kapitalmarkt die Mega-IPOs der extrem hoch bewerteten KI-Firmen in den kommenden Monaten überhaupt verdauen kann. SpaceX macht mit seinem für den 12. Juni geplanten Börsengang den Anfang und strebt eine Börsenbewertung von 1,75 Billionen Dollar an. Auch die beiden KI-Firmen Anthropic und OpenAI könnten gemeinsam eine Billionenbewertung erreichen.

Das bedeutet, dass binnen kurzer Zeit drei Börsen-Superschwergewichte mit einer Gesamtbewertung von mehr als 3 Billionen Dollar an den Kapitalmarkt drängen. Werden die drei neuen Schwergewichte zeitnah in einen US-Index aufgenommen, werden die Herausgeber von ETFs, die den entsprechenden Index abbilden, gezwungen sein, die frisch herausgegebenen Aktien zu kaufen. „Es stellt sich die Frage, wer diese hoch bewerteten Aktien dann im Anschluss noch kaufen sollte“, sagte ein Börsianer.

Unterdessen teilte S&P Global mit, die Aufnahmekriterien für ‌seine wichtigsten Indizes nicht zu ändern. Damit ist ein schneller Einzug (fast track) des Raumfahrtunternehmens ‌SpaceX von Elon Musk zumindest für ​den S&P 500 nach dem geplanten Börsengang unwahrscheinlich.

Bitcoin setzt Kursrutsch fort – tiefstes Niveau seit Wahl von Trump

Auch Kryptowerte gerieten unter Druck: Coinbase und MicroStrategy verloren im Sog ‌eines Kursrückgangs der Cyberdevise Bitcoin deutlich an Wert. Bitcoin notierte zuletzt bei rund 60.000 US-Dollar, das tiefste Niveau seit der Wahl von Donald Trump im November 2024. Seit seinem Rekordhoch Anfang 2025 hat Bitcoin rund 50 Prozent an Wert verloren: Anleger, die nach der Wahl auf den „Krypto-Präsidenten“ Trump gesetzt und in Bitcoin investiert hatten, haben deutliche Verluste erlitten.

Gegen den Trend legten die Papiere von Cooper Companies um 8,6 Prozent zu. Der Hersteller von Kontaktlinsen hatte mit seinen Ergebnissen für das zweite Quartal die Schätzungen der Analysten ‌übertroffen.