Workation Mit dem Laptop zur Laubfärbung

Lange konnte man in Großbritannien außerhalb Londons keine großen kulinarischen Entdeckungen machen. Dann erschien Simon Rogan (59) auf der Landkarte. Auf der malerischen Cartmel-Halbinsel in Englands Nordwesten eröffnete der Koch in einer umgebauten Schmiede aus dem 13. Jahrhundert sein Restaurant „L’Enclume“, französisch für „der Amboss“. Und wie ein Hammer schlug in der Gastroszene ein, was Rogan Sensationelles auftischte: rote Bete, Makrele, Sonnenblumenkerntarte und Kapuzinerkressesud. So aufregend verwendet er Tech-Gemüse und Kräuter, dass er 2022 den dritten Michelin-Stern erhielt.

Sensationelles von Simon Rogan: Rote Bete, Makrele, Sonnenblumenkerntarte und Kapuzinerkressesud im Restaurant „L’Enclume“

Foto: Cristian Barnett

Nichts lenkt in seinem Restaurant ab vom Tastingmenü für 325 Euro: schlichte Holztische und Stühle, geschmiedetes Besteck. Von außen ist kaum zu erkennen, dass sich im grauen Kalksteingebäude eines der besten Restaurants Englands verbirgt. „Farm to table“ heißt das Prinzip, beim Anbau der Zutaten sind chemischer Dünger und Pestizide tabu. Günstiger sind die Gerichte zum Mitnehmen von seiner Farm. Da gibt es drei Gänge ab 58 Euro: rote Bete mit Klee und Dill und eingelegte Johannisbeeren.

Paradies für Freischwimmer

Überhaupt ist der Lake District eine Entdeckung für Nicht-Briten. Hier liegt Englands höchster Berg Scafell Pike (978 Meter), man kann wandern, Sterne gucken ohne Lichtverschmutzung oder in glasklaren Seen schwimmen. Die Gegend ist ein Paradies für alle, die das „wild swimming“ für sich entdeckt haben: Es gibt allein 16 große und 197 kleine Seen, dazu Wasserfälle, Flussläufe. Zu den besten fünf Spots zählen der Thirlmere Infinity Pool, Black Moss Pot, Buckstones Jump, Whorneyside Force und Wastwater. Immer gilt: Strömungen beachten, niemals kopfüber ins Wasser springen, langsam an die Temperatur gewöhnen und warme Wechselkleidung für danach einpacken.

Besonders schön wird es im Lake District ab Ende September, wenn sich das Laub verfärbt. Kein Wunder, dass längst auch Unternehmer wie der indische Pharmaerbe und Hotelier Analjit Singh (72) hier investiert haben. Zu seiner Leeu Collection gehören nicht nur Hotels in Südafrika, sondern nun auch das edwardianische Herrenhaus am See: „Linthwaite House“ in Bowness-on-Windermere. Das „contemporary countryhouse“ liegt auf einem kleinen Hügel, der Blick über die saftig grüne Landschaft dient als natürlicher Pulsberuhiger. Hier kann man vor und nach dem Afternoon-Tea stilecht den Laptop aufklappen.

Saftig grüne Aussichten: Suite mit privatem Whirlpool im „Linthwaite House“

Foto: Leeu Collection

Arbeiten im Schäferwagen

Aber man kann auch richtig „remote“ arbeiten: in einem Schäferwagen mit WLAN und Hot Tub in der „Juniper Lodge“ ab 350 Euro für zwei Nächte. Oder im „Boathouse“, einem Design-Holzhaus, das zum „Lingholm Estate“ gehört (zwei Nächte ab 1220 Euro). In Cockermouth kann man in einer umgebauten Kapelle E-Mails bearbeiten, dort kostet ein Platz im Co-Working-Space „The Vicky“ 23,40 Euro am Tag.

In Grasmere steht nicht nur das weiße Cottage-Museum des Naturdichters und Romantikers William Wordsworth (1770–1850), der hier mit 29 Jahren mit seiner Familie einzog und Gedichte schrieb. Inzwischen gibt es eine App mit den Lieblingswanderrouten seiner Schwester Dorothy, die am „Dove Cottage“ beginnen. Das „Wordsworth Café“ ist offen für Hunde und Wanderer („muddy boots and paws welcome!“). Und in der „Tweedies Bar & Lodge“ in Grasmere gibt es Zimmer mit WLAN und freitags Livemusik.

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