TickerKrieg in der Ukraine

Selenskyj ruft erneut nach Patriot-Raketen

Am 24. Februar 2022 hat Russland seinen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine begonnen. Ein Ende ist nicht absehbar. Die Entwicklungen im Ticker.

Das Wichtigste im Überblick

  • Russlands Invasion begann am 24. Februar 2022. Seither herrscht in der gesamten Ukraine Krieg – mit Frontverläufen im Osten und Süden des Landes.
  • Millionen Menschen sind auf der Flucht. Über 6 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer leben laut Uno-Angaben im Ausland, viele weitere sind Binnenvertriebene.
  • Die westliche Welt unterstützt die Ukraine. Nato-Staaten liefern Waffen, Hilfsgelder und Luftabwehrsysteme – eine direkte Kriegsbeteiligung lehnen sie aber ab.

Selenskyj ruft erneut nach Patriot-Raketen

Nach den jüngsten russischen Raketenangriffen auf Kiew bittet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut um dringende Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen. «Wir brauchen Antworten auf diesen russischen Terror, echte Antworten von der Welt», sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Die einzig gerechte Antwort wäre ihm zufolge die Unterstützung für Kiew bei der Abwehr russischer Raketenangriffe.

«Raketen für die «Patriots» gibt es weltweit, und es ist wichtig, dass unsere Partner diese politische Entscheidung treffen - die Entscheidung, die notwendigen Lieferungen zu übermitteln», sagte Selenskyj weiter. Die USA und auch Europa wüssten, was die Ukraine dringend benötige. «Raketen zur Abwehr ballistischer Raketen sollen Menschen schützen und nicht in Lagern liegen bleiben», so der Präsident. Jeder weitere Tag ohne diese Hilfe sei eine Gelegenheit für Russland, Menschen in der Ukraine zu töten.

Wolodymyr Selenskyj vor einem Flugabwehrsystem Patriot.

Ukraine hat Schiff im Asowschen Meer versenkt

Infolge eines ukrainischen Angriffs ist im Asowschen Meer ein russisches Schiff gesunken. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb bei Telegram von Attacken im Schwarzen und im Asowschen Meer. Details nannte er zu einem Schiff, das eine Ladekapazität von 100'000 Tonnen habe, unter russischer Flagge unterwegs gewesen sei und «dank der Treffsicherheit» ukrainischer Streitkräfte gesunken sei.

Von russischer Seite bestätigte der staatliche Atomkonzern Rosatom den Untergang des Schiffs. Es gehört demnach zu dem mit EU-Sanktionen belegten Logistikunternehmen FESCO, das wiederum zu Rosatom gehört. Das Schiff sei mit zwei Drohnen mehr als 200 Kilometer vor Noworossijsk angegriffen worden.

Soldaten des ukrainischen Verteidigungsministeriums stellen an einem ungenannten Ort in der Ukraine Drohnen gegen Russland auf.

Patriot-Lizenzen für Ukraine? Trump zeigt sich verhalten

US-Präsident Donald Trump hat sich zurückhaltend zu einer möglichen Vergabe von Lizenzen an die Ukraine zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen geäussert. «Wir haben dem nicht zugestimmt. Wir sprechen darüber», sagte er in einer Kabinettsitzung auf eine entsprechende Journalistenfrage. Man müsse besonnen und vorsichtig vorgehen. Es sei eine schwierige Entscheidung, eine solche Technologie aus der Hand zu geben.

Anfang Juli hatte Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara der Ukraine die Vergabe einer Lizenz in Aussicht gestellt. In dieser Woche hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dann nach einem weiteren Gespräch mit Trump im Weissen Haus in Washington im Interview mit dem Fox-News-Moderator Sean Hannity gesagt: «Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen.»

Die ukrainischen Streitkräfte beklagen, dass ihnen Flugabwehrraketen fehlten, um feindliche Geschosse vom Himmel holen zu können. Zur Hilfe aufgerufen sind die USA und andere Länder, die über moderne Patriot-Systeme verfügen – die einzigen wirklich wirksamen Mittel gegen Russlands ballistische Raketen.

US-Präsident Trump will einer Vergabe von Patriot-Lizenzen an die Ukraine nicht zugestimmt haben.

Kiew greift Lagerhaus und Raffinerie in Wolgograd an

Ukrainische Drohnen haben in der russischen Millionenstadt Wolgograd ein weiteres Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries und eine Ölraffinerie in Brand gesetzt. Gouverneur Andrej Botscharow bestätigte die Einschläge und schrieb auf dem Telegramkanal der Gebietsverwaltung von fünf Verletzten durch die Angriffe. Neben den Industrieobjekten seien in der Stadt, die früher Stalingrad hiess, auch ein Wohnblock und ein privates Wohnhaus beschädigt worden, schrieb er.

Doch keine Patriot-Lizenz für Kiew? Trump ist sich «nicht sicher»

US-Präsident Donald Trump ist sich einem Zeitungsbericht zufolge «nicht sicher», ob er der Ukraine den Bau von Patriot-Raketen erlauben wird. «Es ist eine sehr aussergewöhnliche Waffe, und wir müssen ein wenig vorsichtig sein, an wen wir Lizenzen vergeben», zitierte die «Financial Times» den Präsidenten aus einem Telefonat.

Am Mittwoch (29.07.) hatte der ukrainische Präsident Selenskyj in einem Interview mit dem Fox-News-Moderator Sean Hannity gesagt, dass Trump zugesagt habe, der Ukraine die vielfach geforderten Lizenzen für den Bau von Patriot-Abfangraketen zu erteilen.

Wolodymyr Selenskyj (l.) am vergangenen Dienstag bei US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus.

IMAGO/UPI Photo/Ukrainian Presidential Press Service

Die Patriot-Systeme sind für die Ukraine das einzige wirksame Mittel gegen Russlands ballistische Raketen. Schon im Frühjahr hatte Selenskyj beklagt, dass sein Land kaum noch Munition dafür habe. Der US-Krieg gegen den Iran verknappte die weltweiten Bestände der Abwehrraketen weiter.

Nato arbeitet an Plänen für Ausbau der atomaren Abschreckung

Die Nato arbeitet angesichts der Bedrohungen durch Russland an Plänen für einen Ausbau der nuklearen Abschreckung in Europa. Nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur ist dabei auch die Stationierung zusätzlicher US-Atomwaffen eine Option. Experten halten es sogar für möglich, dass die USA bereits Bomben vom Typ B61-12 auf den Luftwaffenstützpunkt Lakenheath in Grossbritannien verlegt haben. Bei einer weiteren Zuspitzung der Sicherheitslage könnten zudem auch Länder wie Polen und Finnland sowie Litauen als Stationierungsstandorte in den Blick kommen.

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Bei den Planungen geht es demnach vor allem um sogenannte nichtstrategische Atomwaffen. Diese sind zum Beispiel für den Einsatz gegen gegnerische Truppen, Flugplätze, Häfen, Kommandozentralen und andere militärische Infrastruktur vorgesehen. Im Vergleich zu strategischen Atomwaffen haben sie häufig eine geringere Sprengkraft und sie werden meist mit Kampfflugzeugen oder kürzer reichenden Raketen oder Marschflugkörpern als Träger eingesetzt.

Selenskyj: Russen schossen mit nordkoreanischer Rakete

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat Russland bei seinem schweren Luftangriff erstmals seit längerer Zeit wieder eine Rakete aus Nordkorea eingesetzt. Gerade diese Rakete habe das Wohnhaus einer Grossfamilie in Raduschne bei Krywyj Rih getroffen, sagte Selenskyj in einer Videoansprache aus Kiew. «Natürlich wird es noch Untersuchungen geben, alles wird überprüft werden, aber nach derzeitigem Stand handelt es sich um eine nordkoreanische ballistische Rakete.»

Selenskyj warf Moskau vor, sich mit dem «wahnsinnigen Regime in Nordkorea» zu verbünden, um Waffen und Soldaten zu bekommen. In Raduschne wurden nach vorläufigen Angaben sechs Mitglieder einer Familie getötet, wobei in dem völlig zerstörten Haus zehn Menschen wohnten.

Laut Wolodymyr Selenskyj nutzte Russland bei den jüngsten Luftangriffen eine nordkoreanische Rakete.

Nato sichert Polen Hilfe zu

Nach dem mutmasslichen Eindringen eines russischen Geschosses in den polnischen Luftraum hat die Nato ihre Abwehrbereitschaft betont. Der Nato-Befehlshaber in Europa, Alexus G. Grynkewich, habe dem polnischen Generalstabschef Wieslaw Kukulan versichert, das Militärbündnis werde «weiter alle nötigen Schritte unternehmen, um Nato-Gebiet zu verteidigen», sagte Bündnissprecher Michael O'Connell am Donnerstag. Generalsekretär Mark Rutte sprach von einer weiteren unbesonnenen Aktion Russlands.

Zuvor war ein russisches Geschoss nach Nato-Angaben in den polnischen Luftraum eingedrungen und in einem ländlichen Gebiet niedergegangen. Schäden oder Verletzte habe es nicht gegeben. Ministerpräsident Donald Tusk sagte, der Einschlag sei ein «sehr ernster» Vorfall, betonte jedoch, es gebe «absolut keinen Grund zu glauben, dass Polen das Ziel war».

Der Nato-Befehlshaber in Europa, Alexus G. Grynkewich, hat Polen Unterstützung zugesichert.

Russland setzt Telegram-Gründer Durow auf Terrorliste

Die oberste russische Finanzaufsichtsbehörde Rosfinmonitoring hat den Gründer des sozialen Netzwerks Telegram, Pawel Durow, auf ihre Liste der Terroristen und Extremisten gesetzt. Der Name des am 10. Oktober 1984 in Leningrad (heute St. Petersburg) geborenen, aber bisher nicht verurteilten Russen taucht nun neben vielen anderen Beschuldigten in der entsprechenden Behördendatei auf - ohne nähere Angaben. Rosfinmonitoring steht in der Kritik, dem Kreml als Instrument politischer Willkür gegen Andersdenkende zu dienen.

Am Vortag hatte der Inlandsgeheimdienst FSB Durow Beihilfe zum Terror vorgeworfen und angekündigt, ihn zur Fahndung ausschreiben zu lassen. Hintergrund sind Vorwürfe, dass Telegram auch von den ukrainischen Geheimdiensten genutzt werde. Konkret soll es um Kontaktanbahnung zu Russen gehen, die wiederum im Auftrag Kiews Sabotageakte, Terroranschläge und andere Straftaten begingen. Laut FSB sind mehrere Verdächtige in Haft, deren Aussagen die Vorwürfe gegen Telegram stützen sollen.

Telegram-Gründer Pawel Durow ist der russischen Regierung ein Dorn im Auge. (Archivbild)

Der extrem populäre Messengerdienst verbreitet massenhaft Inhalte in russischer Sprache - sowohl von offiziellen Stellen als auch von Kremlgegnern. Telegram ist in Russland nicht verboten, aber blockiert, kann allerdings mit einem VPN - einer verschlüsselten Internetverbindung - genutzt werden.

Noch hat sich Telegram nicht geäussert. Durow hatte im Februar, als die Ermittlungen erstmals bekannt wurden, geschrieben: «Jeden Tag fabrizieren die Behörden neue Vorwände, um den Zugang der Russen zu Telegram einzuschränken, weil sie das Recht auf Privatsphäre und freie Rede einschränken wollen.»

Kiews Drohnen schlagen im Westen der Krim zu

Die ukrainischen Streitkräfte haben die Krim mal wieder mit Drohnen angegriffen, die offenbar von Seedrohnen im Schwarzen Meer aus gestartet sind: Das dazugehörige Video ist bemerkenswert, weil auf eine der Drohnen geschossen wird: Fünf Mal scheitern Raketen eines Panzir-Systems daran, den Angreifer vom Himmel zu holen.

Ihre Ziele ganz im Westen der Halbinsel sind zwei Radaranlagen der Typen Nebo-M und Podlet-1K, die unter Kuppeln stecken. Weiter werden ein S-400-Radar vom Typ 98L6 Yenisei, ein S-500-Starter und ein Patrouillenboot des Typs Projekt 03160 Raptor getroffen.

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