Starkes Agrargeschäft : Warum es für die Bayer-Aktie bergauf geht

Der Dax-Konzern setzt seinen Aufwärtstrend fort: Nach einem positiven Gerichtsurteil zu Glyphosat zeigt sich auch das operative Geschäft robust – vor allem in der Agrarsparte.

Ein starkes Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln hat den Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer im zweiten Quartal vorangebracht. Die Agrarsparte des Dax-Konzerns hat den bereinigten operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und vor Sondereinflüssen um 30 Prozent auf 902 Millionen steigern können. Das lag zum einen an gestiegenen Umsätzen und zum anderen an geringeren Herstellungskosten. Die Erlöse der Sparte wuchsen im zweiten Quartal um dreieinhalb Prozent auf rund 4,1 Milliarden Euro. Vor allem Saatgut für Sojabohnen und Baumwolle wurde von Landwirten stark nachgefragt.

Um die Marge zu verbessern, hatte das Leverkusener Unternehmen ein Fünfjahresprogramm für seine Agrarsparte aufgelegt, das Kosten reduzieren und profitablere, innovative Produkte hervorbringen soll. Zuletzt hat Bayer eine Lizenzvereinbarung für die Vermarktung von Hybridweizen getroffen. Das margenschwache Geschäft mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat hat das Unternehmen in einer eigenständigen Einheit unter dem Namen Ruveon gebündelt. „Diese kann agiler handeln und damit den spezifischen Wettbewerbsdynamiken in dem durch Generika geprägten Markt besser begegnen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Bill Anderson.

Das neue Organisationsmodell mit weniger Hierarchien trägt zudem erste Früchte: Im Unternehmen würden Entscheidungen schneller getroffen, wodurch sich die Produktivität erhöhe, sagte Anderson. So stieg die Ebitda-Marge von Crop Science im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,9 Prozentpunkte auf 18,4 Prozent.

Noch profitabler arbeitet die Pharma-Sparte, deren Ebitda-Marge bei 23,7 Prozent liegt. Allerdings ist sie im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Das liegt vor allem daran, dass Bayer viel Geld investiert, um seine neuen Medikamente zu vermarkten. Denn für die Blockbuster, die Bayer jahrelang stabile Erlöse geliefert haben, laufen nach und nach Patente aus, was zu deutlichen Umsatzeinbußen führt: So verlor der Gerinnungshemmer Xarelto abermals mehr als 42 Prozent des Umsatzes, das Augenmedikament Eylea büßte fast ein Drittel der Erlöse ein.

Neue Medikamente gleichen Patentabläufe aus

Bayer hat es aber geschafft, sich alternative Erlösquellen mit einer Reihe von Neueinführungen zu sichern: Der Umsatz mit dem Krebsmedikament Nubeqa, einer der schon kurz nach Einführung wichtigsten Arzneien des Dax-Konzerns, legte um fast zwei Drittel zu. Das Mittel Kerendia, mit dem chronische Nierenerkrankungen und Herzinsuffizienz behandelt werden, setzte gar fast 83 Prozent mehr um als ein Jahr zuvor. Dadurch konnte Bayer den Umsatz seiner Pharma-Sparte mit rund 4,5 Milliarden Euro stabil halten. Der operative Gewinn sank leicht um 3,6 Prozent auf etwas mehr als eine Milliarde Euro.

Die kleinste Sparte des Konzerns mit rezeptfreien Medikamenten setzte rund 1,5 Milliarden Euro um und damit 1,5 Prozent mehr als zuvor. Aber auch aufgrund höherer Herstellungskosten und „ungünstiger Produktmixeffekte“ sank der operative Gewinn um 3,6 Prozent auf 319 Millionen Euro. Auf Konzernebene hat Bayer im ersten Halbjahr 24 Milliarden Euro umgesetzt, was einem Wachstum von 3,3 Prozent entspricht. Das Ebitda vor Sondereinflüssen legte im selben Zeitraum um 6,6 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Euro zu.

Finanzinvestor hilft bei der Entschuldung

Seine Prognose bestätigte Bayer, einzig die Kennzahl für die Nettoverschuldung passte der Konzern an. Ursprünglich war Bayer von einem Wert von 32 bis 33 Milliarden Euro zum Jahresende ausgegangen, nun sollen es nur 29 bis 30 Milliarden Euro werden. Das liegt an einem Geschäft mit dem amerikanischen Finanzinvestor Apollo, der sich an einer Gesellschaft zur Vermarktung von Langzeitverhütungsmitteln beteiligt hat. Dafür hat Bayer drei Milliarden Euro bekommen.

An der Börse kamen die Zahlen gut an: Mit einem Plus von mehr als vier Prozent im Tagesverlauf war die Aktie von Bayer der stärkste Wert im Dax. Die Anleger sind grundsätzlich optimistischer, was die Aussicht für Bayer betrifft, seit Jahresbeginn hat der Aktienkurs um fast 30 Prozent zugelegt.

Das hängt auch damit zusammen, dass der Konzern große Schritte dabei gemacht hat, das milliardenschwere Rechtsrisiko rund um die angeblich krebserregende Wirkung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat zu begrenzen. Das höchste amerikanische Gericht hatte im Juni im Sinne Bayers entschieden und damit vielen Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise auf dem Produkt Roundup die Grundlage entzogen.

Das Rechtsrisiko hatte sich Bayer mit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto ins Portfolio geholt, mehr als zehn Milliarden Euro hat Bayer seit 2019 für Vergleiche und Rechtskosten ausgegeben. Noch offen ist ein weiterer Vergleich in Höhe von 7,25 Milliarden Dollar, mit dem Bayer Tausende noch offene und mögliche zukünftige Klagen beilegen will. Am 19. August gibt es eine Gerichtsverhandlung, in der über die Genehmigung des Vergleichs beraten wird, eine endgültige Entscheidung wird allerdings erst im Laufe des Jahres erwartet.