Schwieriges Wassergeschäft : Nestlé findet Partner für Perrier und San Pellegrino
Der Rückzug aus dem Wassergeschäft ist eine wichtige Etappe im Umbau des Konzerns. Doch die Halbjahreszahlen kommen bei den Anlegern nicht gut an.
Erstens wird sich dadurch die operative Umsatzrendite der Gruppe verbessern, denn die Gewinnmarge der Wassersparte liegt mit 9,5 Prozent deutlich unterhalb des im ersten Halbjahr erreichten Konzerndurchschnitts von 16,4 Prozent. Zweitens fällt ein Geschäft aus dem Fokus der Berichterstattung, das Nestlé in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig in die Schlagzeilen gebracht hat.
Der Konzern sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, die Wasservorräte in ärmeren Ländern zum eigenen Vorteil auszubeuten. Das Unternehmen pumpe Grundwasser ab, um es dann teuer als Trinkwasser zu verkaufen, kritisierten NGOs. In Frankreich schlagen die seit 2024 laufenden Untersuchungen zu illegalen Wasserreinigungsmethoden einzelner Marken bis heute hohe Wellen. Nestlé hatte Mineralwasser über Jahre mittels Aktivkohlefilter oder UV-Strahlen gereinigt, was eigentlich nur bei Leitungswasser zulässig war.
Der Verkauf spült drei Milliarden Euro in die Kasse
Die imageschädigenden juristischen Auseinandersetzungen haben den Teilrückzug aus dem Wassergeschäft zwar nicht verhindert, sie dürften aber die Verkaufskonditionen verschlechtert haben. Nestlé beziffert den Wert der Wassersparte, die im vergangenen Jahr rund 3,5 Milliarden Franken oder knapp vier Prozent zum Konzernumsatz beisteuerte, auf 4,9 Milliarden Euro. Daraus sollen dem Konzern nach Abschluss der Transaktion im ersten Halbjahr 2027 rund drei Milliarden Euro zufließen.
Die Führung des neuen Gemeinschaftsunternehmens namens Peranel obliegt Platinum Equity. Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft ist bisher nicht direkt im Wassergeschäft unterwegs gewesen, hat mit Solenis aber ein Unternehmen im Portfolio, das unter anderem Lösungen für Wasseraufbereitung liefert. Außerdem ist der Finanzinvestor an einigen Lebensmittelherstellern beteiligt.
Für Philipp Navratil, der Nestlé seit September 2025 führt, ist der Abschied vom Wassergeschäft eine wichtige Etappe im Umbau des Konzerns, der in den vergangenen Jahren mit allerlei hausgemachten Problemen zu kämpfen hatte und zum Ärger der Investoren regelmäßig seine Wachstumsziele verfehlte. Man könne sich jetzt vollständig auf die Weiterentwicklung der vier großen Kategorien Kaffee, Tiernahrung, Nutrition sowie Kulinarikprodukte und Snacks konzentrieren, sagte Navratil in einer Telefonkonferenz mit Analysten.
Hohe Wertberichtigungen
Die Bereinigung im mehr als 2000 Marken umfassenden Portfolio der Gruppe ist freilich noch nicht beendet. Zum Verkauf stehen noch das Massengeschäft mit Ernährungsergänzungsmitteln, Vitaminen und Mineralstoffen sowie jene Teile des Speiseeisgeschäfts, die bisher noch nicht Teil des schon lange bestehenden Eis-Joint-Ventures Froneri sind. Dass Nestlé diese Einheiten in der Bilanz nun als „zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte“ klassifiziert hat, spricht für baldige Verkaufsabschlüsse.
Allerdings sah sich der Konzern gezwungen, den Wert dieser Vermögenswerte um 1,3 Milliarden Franken herabzusetzen. Dem Vernehmen nach bezieht sich diese Wertberichtigung vor allem auf das Vitamin- und Mineralstoffgeschäft, das Navratils Vorvorgänger Ulf Mark Schneider einst teuer zugekauft hatte, das die hohen Erwartungen aber nicht erfüllte.
Absatz von Nestlé steigt
Diese Belastung in Verbindung mit Wechselkurseffekten sowie mit höheren Restrukturierungskosten infolge des Rückrufs von Babynahrung ließ den Reingewinn im ersten Halbjahr um gut 31 Prozent auf 3,5 Milliarden Franken absacken. Die operative Umsatzrendite blieb mit 16,4 Prozent zwar nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr. Analysten wiesen aber darauf hin, dass die Marge ohne Änderungen im Zusammenhang mit einem Pensionsplan um 0,3 Prozentpunkte schlechter ausgefallen wäre. Dies könnte dazu beigetragen haben, dass der Aktienkurs im Verlauf des Donnerstags um sieben Prozent auf 80,10 Franken fiel. Auch der leichte Margenrückgang im Geschäft mit Nespresso und Tierfutter drückte offenbar auf die Stimmung der Anleger.
Dabei hat Nestlé insgesamt an einer bedeutenden Stellschraube Fortschritte gemacht: Die für die Auslastung der Fabriken wichtigen Absatzmengen stiegen um 1,8 Prozent. Zusammen mit Preiserhöhungen von 2,1 Prozent erreichte der Hersteller von Nespresso-Kapseln, Maggi-Suppen und Purina-Tierfutter ein organisches Wachstum von 3,6 Prozent. Navratil will das Tempo auf mehr als vier Prozent erhöhen, getragen von einem Volumenwachstum von mindestens zwei Prozent.
Im ersten Halbjahr wurde die Entwicklung noch durch den Skandal um verunreinigte Babymilchprodukte gebremst. Navratil geht aber davon aus, dass sich dieses Geschäft bis zum Jahresende weitgehend erholt haben wird. Bis zur Jahresmitte habe man im Konzern kumuliert 1,7 Milliarden Franken eingespart. Damit sei man auf bestem Weg, die bis Ende 2027 geplanten Einsparungen von drei Milliarden Franken zu erreichen. Im Zuge dieses Programms streicht Nestlé rund 16.000 Stellen.