Rohstoffe : Energiepreise beflügeln OMV-Ergebnis

Hohe Energiepreise treiben OMV an, doch Vorstandschef Alfred Stern warnt vor brüchigen Lieferketten. Gas fließt nun aus Deutschland nach Österreich.

Der österreichische Erdöl-, Gas- und Chemiekonzern OMV hat im ersten Halbjahr von seinem integrierten Geschäftsmodell und den gestiegenen Energiepreisen profitiert. Der teilstaatliche Konzern erzielte einen bereinigten operativen Ertrag von 2,7 Milliarden Euro nach 2,2 Milliarden Euro im Vergleichszeitraum.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende Alfred Stern verwies am Freitag auf die zweischneidigen Folgen der geopolitischen Krisen. Im Energie- und Kraftstoffbereich hätten die höheren Preise positive Effekte gebracht. Gleichzeitig habe OMV im Nahen Osten Produktionsausfälle erlitten und zusätzliche Kosten durch Preisdeckel sowie regulatorische Eingriffe verzeichnet. Diese Belastungen seien jedoch durch das höhere Preisniveau mehr als ausgeglichen worden.

Ölpreis und Raffineriemargen befeuern Geschäft

Konkret profitierte OMV im zweiten Quartal von einem um 53 Prozent auf knapp 104 Dollar je Fass gestiegenen Brent-Ölpreis. Auch die europäische Raffineriemarge verdoppelte sich und stützte das Ergebnis.

Sorgen bereitet dem Vorstand weiterhin das globale Marktumfeld. Stern sprach von erheblichen Verwerfungen in den Lieferketten und warnte, es werde noch immer unterschätzt, wie schwierig es sei, ausreichende Mengen nach Europa zu bringen. Dies gilt aus Sicht von OMV vor allem für Diesel und Heizöl.

Weniger Gas aus dem Osten

An dem wichtigen mitteleuropäischen Gasknotenpunkt Baumgarten haben sich die Ströme nach Darstellung des Managements deutlich verändert. Statt wie früher von Ost nach West fließe Gas nun insbesondere aus dem Nordwesten, also aus Deutschland, nach Österreich. Zugleich gebe es Abflüsse durch Österreich in Richtung Osten.

Neue Quellen sollen die Versorgungslücken verringern. Die Gasförderung im österreichischen Wittau werde dazu beitragen, die inländische Produktion um 50 Prozent zu erhöhen. Als zentralen Meilenstein bezeichnete Stern zudem das Projekt Neptun Deep an der Schwarzmeerküste in Rumänien. Es soll zweieinhalb bis drei Prozent des europäischen Gasbedarfs decken und 2027 starten. Rumänien dürfte dadurch zum größten Erdgasproduzenten der EU werden.

Den in der Bilanz ausgewiesenen Rückgang der Beschäftigtenzahl um fast 30 Prozent auf knapp 16.000 Mitarbeiter erklärte Stern vor allem mit einem bilanziellen Effekt. Der Großteil entfalle auf die Dekonsolidierung des Spezialchemieunternehmens Borealis mit 7000 bis 8000 Beschäftigten.